Für Autoren und Blogger: Wie man ein Buch bloggen kann

Guten Tag Ihr Lieben,

wer möchte, dass ein Blog oder ein Buch gedeihen, der braucht eine gute Idee, ein praktisches Konzept und Geduld, um regelmäßig an Blog oder Buch zu arbeiten. Wer ein Buch schreiben kann, weil er eine gute Idee, ein stimmiges Konzept und Geduld hat, der kann sein Buch auch ganz einfach bloggen, bevor es in als Ebook oder klassisch gedruckt erscheint. Ein Blog ist eine praktische und günstige Möglichkeit zu veröffentlichen. Und in freier Übersetzung eines gflügelten englischen Wortes gilt: „Veröffentliche oder verende!“ Wer sein Buch als Blog publiziert, für den verliert das Schreiben seine eigene Bedeutung nicht. Schreiben und Leserresonanz rücken zeitlich nur näher zusammen, denn Leser und Abonnenten können jeder Zeit auf einen Artikel mit der Kommentarfunktion reagieren.

Seit drei Jahren interessiere ich mich für die Frage, ob und wie man Bücher bloggen kann. Bei meinem ersten Versuch Anfang 2011 bin ich mit meinem ersten Versuch gescheitert. Mein Scheitern war darin begründet, dass ich alles, was ich seiner Zeit über das Schreiben, das Bloggen und Promotion einfach nicht sinnvoll miteinander verknüpfen konnte. Dass das der Grund meines Scheiterns war, wurde mir bewusst, als ich mich ab September 2012 wieder mit dem Thema, wie man ein Buch bloggen kann, zu beschäftigen begann. Ich wusste viel aber nicht alles. Und ich lerne immer weiter. Es kommt darauf an Erfahrungen und Wissen sinnvoll miteinander zu vernetzen. Um das zu gewährleisten ist eine Schritt für Schrittanleitung hilfreich. Aus diesem Grund biete ich Autoren und Bloggern ein Blog über das Bloggen von Büchern an. Ihr findet es auf:

Wo Kreative und Sponsoren im Netz zusammen kommen!

Tach zusammen,

im Netz wird nach wie vor schweigend hingenommen, dass gilt, dass Kreativität nichts kosten soll, obwohl ebenfalls danach verfahren wird, dass das, was nichts kostet nichts ist. Dass die Produkte kreativer Menschen jeder Zeit kostenfrei verfügbar sind, lassen sich Anbieter nicht selten anderweitig, z. B. durch Werbung bezahlen. Diese gängige Praxis verhindert viele interessante Projekte, die nicht zum Nulltarif hergestellt werden können. Dazu gehören Filme und Hörspiele ebenso wie technische Innovationen kreativer Erfinder. Doch das muss nicht sein. So können sich alle, die für ein Projekt Geld benötigen und auch diejenigen, die interessante Projekte unterstützen möchten, auf Startnext zusammen kommen.

Auf können sich Sponsoren und Kreative ganz einfach kostenlos registrieren. Es gibt zwei Möglichkeiten der Registrierung. Einerseits kann man ein einfaches Onlineformular ausfüllen. Andererseits ist auch eine Erstanmeldung über einen bestehenden Facebookaccount möglich. Bei der Registrierung gibt es allerdings für blinde und sehbehinderte Computernutzer eine kleine Barriere. Denn ein visueller Code muss bei beiden Registrierungsarten eingetragen werden.

Wer Sponsor werden möchte, findet zahlreiche Projekte aus allen Bereichen der Kunst, für die er oder sie spenden kann. Wenn Ihr spenden möchtet, könnt Ihr dies über Fed For Pay, Sofortüberweisung, Vorlasse oder Paypal tun. Projekte, die öffentlich eingestellt werden, haben eine Laufzeit von 3 Monaten. Finden sich für ein Projekt, z. B. für die Veröffentlichung eines Buches nicht genügend Spender, erhalten die Sponsoren Ihr Geld zurück. Wenn sich allerdings genügend Spender für die Verwirklichung eines Projekts gefunden haben, erhalten sie bei der Veröffentlichung ein Dankeschön, z. B. ein Exemplar des Buches.

Kreative, z. B. Autoren, können ihr Projekt auf Startnext ausführlich vorstellen. Ihr habt die Möglichkeit Euer Buch sehr sorgfältig darzustellen. So könnt Ihr beispielsweise längere Zeit an der Gestaltung Eurer Projektportraits arbeiten, bevor Ihr es online für alle sichtbar stellt. Wichtig ist, dass Ihr einen soliden Kostenplan veröffentlicht, damit die Sponsoren wissen, welche Aufwendungen anfallen. Ihr solltet also schon wissen, was Euch Illustrationen und Selbstverlag kosten, wenn das Buch veröffentlicht wird.

Ich werde mich zumindest als Sponsorin anmelden, ich denke aber auch darüber nach, möglicherweise eigene Schreibprojekte einzustellen, wenn ich für eine Veröffentlichung Geld benötige. Ein gewisses Risiko, dass ein Projekt nicht zu Stande kommen kann, besteht leider immer.

Ich wünsche Euch allen alles erdenklich Gute, interessante Projekte zur Förderung und/oder zur Veröffentlichung!

Liebe Grüße
Christiane (Texthase Online)

[categoryInternetshops und Webseiten, Tipps für Texter und Autoren]

Autorenkreise am Niederrhein

Tach liebe Kolleginnen und Kollegen,

schreiben macht Spaß! Schreiben macht aber noch viel mehr Spaß, wenn man zu seinen Texten auch Rückmeldungen bekommt. Manchmal bekommt man, wenn man Feedback, wenn man ein Blogger ist. Aber das kommt leider selten vor. Und vor allem muss man meist lange bloggen, bevor sich Leser dazu bereit finden einen Kommentar zu schreiben. Inzwischen gibt es in fast allen Regionen der Bundesrepublik Autorenkreise, zu denen man gehen kann, um sich über Texte auszutauschen. Die Kontaktdaten zu Autorenkreisen am Niederrhein findn Autoren auf Autorenkreise – Literaturbüro NRW e.V.. In der Liste sind die Ansprechpartner mit allen Kontaktdaten aufgeführt. Dort erfahrt Ihr auch die Termine für die Treffen sowie die Orte, an denen der entsprechende Autorenkreis zusammen kommt. Autorenkreise ermöglichen häufiger auch öffentliche Lesungen etc.
Alles erdenklich Gute für Euch!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Lesbar und Texterei am Niederrhein

Tach zusammen,

so grüßt man hier am Niederrhein, wo es Kühe, Pappeln und Kopfweiden gibt, wo aber auch manches gute Stück Literatur in getextet wurde und wird. Gefragt, gedacht, gesprochen und geschrieben wird in hochdeutsch oder im regionalen Zungenschlag, der auch hier Platt heißt. Wie sollte es auch anders sein in einer Region, in der man auf die Frage: „Wie geht et?“ zur Antwort: „Wie soll et schon gehen?“ bekommt. Und weil bei der nachdenklichen Art der Niederrheiner oft auch mehr als eine Gegenfrage herauskommt, gibt es in meiner Region allerhand zu tun für Leseratten, Autoren und für Texthase Online. Darum gibt es in dieser neuen Kategorie Events, Lesefutter und Tipps für Autoren aus der Region, in der man morgens bereits sieht, wer zum Nachmittagskaffee kommt. Nach und nach sammelt sich in dieser Rubrik vor allem im Bereich Buchtipps sicher leckeres Lesefutter, das auch für Bücherwürmer aus anderen Regionen schmackhaft ist.
Ich wünsche viel Vergnügen bei Euren Lektüren und viel Erfolg und Spaß mit eigenen Schreibprojekten!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Hildes Todesfall – Kurzgeschichte

Guten Tag,

dieser Artikel enthält eine Geschichte, die bereits aus dem Jahr 2003 stammt. Obwohl ich sie mir noch einmal durchgelesen habe, lasse ich sie jetzt einfach so stehen, wie sie war und bin gespannt, wie sie nach so langer Zeit auf Leser wirkt.

Hildes Todesfall

„Die Hilde ist plötzlich aufgestanden und auf eine junge Frau zugegangen. Die stand mit Freunden ziemlich nah bei den U-Bahngleisen. Die jungen Leute stritten darum, was sie mit dem Freitagabend anfangen sollten. Die Hilde hat die junge Frau gegrüßt. Jedenfalls nehme ich das an. Verstehen konnte ich nichts. Sie machten gerade wieder eine Durchsage. Doch, die Hilde hat sie gegrüßt, schüchtern, wie wir das machen, wenn wir Leute treffen, die wir von früher kennen. Die junge Frau hat auch etwas gesagt. Und eine Bewegung mit dem Arm hat sie gemacht. Die Hilde wankte, fiel ins Nichts, während die Linie 12 einfuhr. Und plötzlich fielen die Geräusche ineinander, wurde zu einem mächtigen Geräusch. Da macht man die Augen zu oder guckt weg, weil das Geräusch mit einem Mal so mächtig, übermächtig, ist, dass man erst mal genug hat.““ „Fiel ins Nichts, so ein Quatsch! Halt dein versoffenes Maul Alte!“
Inge antwortete nicht auf die Beschimpfung des jungen Mannes. Er war wie die anderen jungen Leute instinktiv zurückgewichen und stand jetzt unmittelbar neben Inge, die immer noch auf der Bank saß, auf der sie bis vor wenigen Sekunden, bis vor einer halben Ewigkeit, mit Hilde gesessen hatte. Sie sah nicht zu den Gleisen hinüber. Sie wusste, dass es dort nichts zu sehen gab, was sie verstehen konnte. Sie betrachtete die jungen Leute. Der junge Mann, der sie beschimpft hatte, war seiner Haltung nach der unumstrittene Anführer.
„Also hat der bloß eine dicke Lippe riskiert, weil die Anderen es von ihm erwartet haben, vorsichtshalber sozusagen!“ dachte Inge.
Es war das typische Cliquenverhalten. Aber waren sie nicht alle doch schon ein bisschen zu alt für eine typische Clique? Hilde wusste aber, dass man sich immer so leicht verschätzte, weil die Meisten immer anders wirken und sein wollten,als sie waren. Alle waren sorgfältig zurecht gemacht. Inge konnte sich nicht daran erinnern, jemals so aufgetakelt gewesen zu sein, obwohl sie auch bessere Zeiten erlebt hatte als diese, wesentlich bessere Zeiten. Dieser junge Mann und seine Freunde mussten nicht wissen, warum Inge mit sich selbst geredet hatte. Sie wollte doch nur begreifen, was passiert war, und was vorging. Für den Anfang musste dazu wohl eine einfache logische Kette genügen.
„Fremde Leute beschimpfen, aber die ganze Zeit nur auf die Armbanduhr starren. – Dich meinen und dich doch nicht meinen, so ein feiger Hund!“

Leute von der Feuerwehr, dem technischen Hilfswerk und der Polizei trafen ein.
„Guten Abend! Die Station muss geräumt werden, wenn Sie bitte so freundlich wären, uns nach oben zu begleiten, damit wir Ihre Personalien aufnehmen können,und Sie uns freundlicherweise erklären können, was Sie gesehen haben!“, sagte eine junge Polizeibeamtin zu ihnen. Und Inge rappelte sich auf. Gerade das Aufstehen war für Inge seit einiger Zeit doch sehr beschwerlich. Aber einmal in Gang gekommen, wurde es zumindest etwas leichter.
„Warum sollen wir mitkommen? Wir haben mit dieser, äh, Sache nichts zu tun!“ beschwerte sich der Anführer stellvertretend für alle Cliquenmitglieder. Die Baltin würdigte er zwar eines Blickes, war aber ansonsten nicht freundlicher als zu Inge.
„Wir wollen nur Ihre Zeugenaussagen aufnehmen!“ erklärte die Beamtin ruhig. Und die jungen Leute folgten den Beamten, wenn auch widerwillig zur Rolltreppe, die ins Zwischengeschoss der U-Bahnstation fuhr. Inge bildete das Schlusslicht.

Als sich Inge auf die Rolltreppe stellte, musste sie an etwas denken, dass Hilde gesagt hatte:
„Es ist ganz egal, wann man mit der Rolltreppe fährt, die Luft, die von der Klimaanlage hier ‚runtergeschubst wird, beißt immer. Ob sie warm oder kalt, feucht oder trocken ist, sie beißt, weil sie einfach nicht nach unten will.“
Und sie waren die Letzten, die ihr das verübelten, obwohl oder gerade, weil sie selbst, sich die meiste Zeit, fast freiwillig, unten aufhielten. In das Mittelgeschoss trauten sie sich häufiger. Denn dort gab es mehrere Imbissbuden und Bäckereien. Manchmal war Hilde aber auch allein auf Beutezug gegangen. Denn sie hatte ein sehr gutes Auge für Leute, die etwas übrig ließen. Und sie konnte unauffällig und geduldig wie eine Katze, die auf Beute lauert, warten, bis etwas für sie abfiel.Nach oben, auf den Markt, gingen sie nur, wenn sie unten vertrieben wurden, was inzwischen nicht mehr ganz so häufig vorkam, wie noch vor ein paar Monaten. Oben hatten andere ihr Revier. Und deshalb ging Inge auch an diesem Abend nur zögernd auf die Rolltreppe, die ganz nach oben führte. – Ganz nach oben?

Auf dem Markt angekommen, führten die Beamten die Gruppe zu einem Polizeiwagen. Inge blieb etwas abseits stehen und wartete darauf, von de Polizisten irgendwann befragt zu werden. Sie stand im Licht einer Straßenlaterne. Die Lampe spendete ein orangefarbenes Licht. Es regnete. Inge war froh darüber, nicht unter einer Laterne mit weißgrünlichem Licht zu stehen. In diesem Licht hätte sie wie eine Wasserleiche ausgesehen. Inge erinnerte sich plötzlich daran, wie es gewesen war, als sie noch eine eigene Wohnung in einem Mietshaus gehabt hatte, und wie es ausgesehen hatte, aus einem höheren Stockwerk bei Regenwetter auf diese orangefarbenen Lampen zu sehen. Vo da oben hatte es ausgesehen, als wäre es kein Regen,sondern fließendes Gold, was sich auf die Straße ergoss.
„So weit nach oben, dass ich das noch mal sehen kann,komme ich wohl nicht mehr. Und so allein,ohne die Hilde, bin ich inzwischen auch ein zu großer Angsthase, um so weit oben und so normal zu sein. Aber war die Hilde überhaupt jemals so weit oben gewesen, um nachts von oben auf die Orangefarbenen Laternen und den Regen gucken zu können?“
Wahrscheinlich hatte Hilde diesen Anblick nicht gekannt. Denn Hilde kam ursprünglich aus dem Umland der Großstadt, wo alles kleiner und weniger glanzvoll gewesen war. Diese eher ländliche Umgebung hatte Hilde gefallen. Sie hatte häufiger davon gesprochen, von den Gärten z. B. Aber von der Familie, die sie gehabt hatte, und die zerbrochen war, hatte sie dagegen kaum etwas erzählt. Hilde hatte einen Mann gehabt und zwei Kinder. Die Kinder waren inzwischen erwachsen. Die beiden hießen Niels und Nina und kamen, wie Hilde gemeint hatte, Gott sei Dank auf ihren Vater.
„Hilde, erinnerst du dich noch an das Gespräch von von den beiden jungen Frauen, die auf die Vier warteten und sich gefragt haben,warum man so oft nicht zu anderen Menschen durchkommt, warum man so oft nicht verstanden wird. Und wie die Eine zu der Anderen sagte dass jeder Mensch eben eine eigene, ganz andere Welt ist. Und dann kam ihre Bahn und du hast gesagt:
„Wenn das stimmt, dann ist jeder hier unten eine eigene, ganz andere Unterwelt.“ Und recht hast du gehabt. Und weil das stimmt, musstest du weder mir, noch sonst jemandem alles von deiner puckligen Verwandtschaft erzählen.“

Es dauerte seine Zeit, bis die Beamten, die sich von der Ungeduld der jungen Leute nicht aus der Ruhe bringen ließen,die Personalien und Zeugenaussagen aufgenommen hatten. Die jungen Leute bekamen Termine, zu denen sie sich auf dem Präsidium melden sollten. Und als das vorbei war, standen sie plötzlich alle da, scharrten mit den Füßen, sahen sich in der Gegend um blickten auf ihre Uhren, beschäftigten sich mit dem Inhalt ihrer Taschen oder mit ihrer Aufmachung und konnten auf die Schnelle, an die sie normalerweise gut gewöhnt waren, ihre Unternehmungslust nicht wieder finden.
Die junge Beamtin kam mit ihrem Kollegen auf Inge zu. Und Inge kam das Gesicht der jungen Frau immer bekannter vor. Schließlich mussten sich die Beamten im Bereich der U-Bahnstation gut auskennen, denn hier gab es für sie häufiger etwas zu tun. So kannten sie auch Hilde und Inge, zumindest den Namen nach, und deshalb war Inge keineswegs verwundert, dass die Beamtin zu ihr sagte: „Guten Abend, Inge!“
„Guten Abend! Wissen sie vielleicht, ob die Hilde noch lebt?“
„Die Leute vom technischen Hilfswerk und der Feuerwehr sind noch da unten beschäftigt, aber sie wissen schon, dass die Hilde tot ist. Du hast sie doch gut gekannt, die Hilde!“
„Lieber Gott mach‘, dass die Hilde jetzt so weit unten ist, dass sie nicht noch weiter nach unten fallen muss. Und sei ihrer Seele gnädig!“
Später konnte Inge beim besten Willen nicht mehr sagen, ob sie das Gebet vor sich hingesprochen hatte oder nicht.Aber jedenfalls kam sie damit dazu, sich so weit zu sammeln, um mit der Beamtin weiter sprechen zu können.
„Ja, wir waren seit einem Jahr befreundet. und so lange kannte ich sie auch, na, jedenfalls so ungefähr. Ich weiß aber nicht, wie die Hilde weiter hieß. Bei uns verliert man den Nachnamen zuerst. Ich weiß nur, weil sie das irgendwann gesagt, dass sie nicht so hieß wie der Mann, den sie mal gehabt hat.“ „Und was ist eben passiert?“
„Die Hilde ist plötzlich aufgestanden und auf eine junge Frau zugegangen. Die stand mit Freunden ziemlich nah bei den U-Bahngleisen. Die jungen Leute stritten darum, was sie mit diesem Freitagabend anfangen sollten. Die Hilde hat die junge Frau gegrüßt. Jedenfalls nehme ich das an. Verstehen konnte ich nichts. Sie machten gerade wieder eine Durchsage. Doch die Hilde hat sie gegrüßt, schüchtern, wie wir das machen, wenn wir Leute treffen, die wir von früher kennen. Die junge Frau hat auch etwas gesagt. Und eine Bewegung mit dem Arm hat sie gemacht. Die Hilde wankte, fiel ins Nichts, während die Linie 12 einfuhr.“ „Hat die junge Frau sei gestoßen? Ist sie verantwortlich für den Sturz?“
Die Fragen waren naheliegend und berechtigt. Das spürte Inge sofort. Aber das half nicht bei der Beantwortung der fragen. Schließlich fand Inge in ihrem Wortschatz Begriffe für Antworten,Die zumindest einigermaßen taugten.
„Ein Gericht wird in dieser Sache nicht finden können, um herauszufinden, wer oder was Schuld ist, nehme ich an. Aber Schuld gibt es wohl schon, alte Schuld, Ungerechtigkeit, die neu geworden ist, durch die Verleumdung und die Abweisung, die Hilde erfahren hat. Die beiden hätten auch viel weiter voneinander weg stehen können. Verleumdung und Abweisung machten den Arm lang genug für eine Berührung, die die Hilde einfach ins Wanken bringen musste, zu Fall bringen musste. Die Hilde war überhaupt nicht unberührbar, im Gegenteil.“
Inge behielt diese Worte genau im Gedächtnis und wunderte sich später darüber, so etwas gesagt zu haben. Sie traute ihren Ohren nicht,als sie sich die Zeit nahm, das Gesagte vor sich zu wiederholen. andererseits konnte sie nichts Falsches darin finden. „Du sagtest, dass du den Eindruck gehabt hättest, dass sie einander kannten.“ „Ich bin mir sicher, dass sie sich kannten.“ Und ich werde es Ihnen beweisen.“ Langsam, so schnell wie es ihr möglich war, drehte sich Inge um.
„Du kannst nicht einfach auf sie zeigen. Man zeigt nicht mit nacktem Finger auf angezogene Leute!“ dachte Inge.
Außerdem konnte sie das Gefühl nicht abschütteln, dass ihr Arm viel zu kurz war für eine so weite Geste, selbst wenn sie sie für die Beamten mit eineigen Worten angeschoben oder verstärkt hätte.

Also ging Inge mit ihren kleinen, unsicheren Schritten auf die junge Frau zu. Einen Augenblick lang sah sie ihr unschlüssig ins Gesicht. Sie überlegte, ob sie ihr die Hand geben sollte. Aber sie war zu schüchtern für diese Handgreiflichkeit, wagte es nicht einmal, die Hand leicht auszustrecken. Doch sie brachte wenigstens den Mut auf, sie direkt anzusprechen und ihrem Blick standzuhalten. „Guten Abend, Nina! Herzliches Beileid zum Tod ihrer Mutter!“

Von der jungen Frau kam keine Reaktion. Aber das war Reaktion genug.

© Paula grimm, November 2012

[categoriy Paulas Posts]