Die Berührung: Engelbuch

Guten Tag Ihr Lieben,

heute geht es mit einem Kapitel aus dem Engelbuch weiter. Stella Engel ist auf der Erde angekommen und hat den ersten Kontakt zu ihrer Schutzbefohlenen. Wer neue ist kann unter der Kategorie Engelbuch mit Bonusmaterial die ersten Kapitel lesen. Der Auftrag, die Entsendung und wenn Engel reisen erzählen, was bisher bereits geschehen ist,

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Die Berührung

Ich öffne die Augen. Es ist bereits fast dunkel. Es muss also ungefähr zehn Uhr abends sein, denn wir haben den 21. Mai. Ich stehe auf einer Wiese in einem Park. Und ich weiß, was ich zu tun habe. Schließlich hat mir Gabriel den Anfang meiner Mission gezeigt.
Ich gehe mit zügigen Schritten von der Wiese auf den Weg, der zu einem der Ausgänge des Parks führt. Ich habe den Park noch nicht verlassen, als ich ein Auto mit hoher Geschwindigkeit auf der Straße höre. Dann folgt ein Aufprall. Und das Auto braust davon. Ich beginne zu rennen. Am Ausgang des Parks wende ich mich nach rechts und laufe an der Bushaltestelle vorbei. Ich weiß, wo Magdalena liegt. Während ich laufe, schaffe ich es tatsächlich meine Gedanken auf die Schritte und auf das zu lenken, was ich zu tun habe. Und als ich die Stelle erreiche, an der Magdalena liegt, bin ich innerlich vollkommen ruhig. Magdalena liegt bewusstlos da. Damit ich sie schützen kann, damit wir sofort miteinander verbunden sind, muss meine Menschenhand wieder zu einer Engelhand werden. Nur eine Engelhand kann einen schwer Verletzten so sanft und doch so stark berühren, dass er ein Siegel bekommt, das der Tot nicht antasten kann, und das doch so sanft ist, dass die Heilung beginnen kann. Und dieser Schutz ist so, dass die meisten Menschen ihn nicht bemerken. Denn man kann das Siegel nicht sehen oder fühlen. Obwohl man diese Fähigkeit auch als Schutzengel in Menschengestalt selten braucht, habe ich sorgfältig geübt, was ich tun muss, um meine Hand zur Engelhand zu verwandeln. In dieser Hinsicht bin ich wie als Mensch auch ein Linkshänder. Ich richte, mein drittes Auge konzentriert auf meinen linken Handrücken und bin erleichtert, dass meine Hand zu leuchten beginnt. Sie erfüllt sich mit einer besonderen Wärme, Kraft und mit einem rotgoldenen Glanz. Ich beuge mich sanft zu Magdalena herunter und berühre sie mit der Hand, die von Herzen kommt, am Kopf, der schwer verletzt ist und am Herzen. Danach richte ich mich wieder auf und mache das Kreuzzeichen über ihr. Und in der ganzen Zeit halte ich den Blick meines dritten Auges auf meine Hand gerichtet. Danach wende ich meinen Blick von meiner Hand ab. Das Leuchten und die Wärme hören sofort auf.
Ich greife in die Tasche meiner Lederjacke. In der Tasche, in der sich mein Personalausweis befindet, steckt auch ein flaches Handy. Ich habe gelernt mit den technischen Dingen sicher umzugehen. Ich nehme das Handy und wähle die Nummer des Notrufs.Ich melde den Unfall. Und es fällt mir überhaupt nicht schwer, dass ich dabei meinen neuen Namen sagen muss. Und wo wir sind, weiß ich, weil ich das Schild an der Bushaltestelle gesehen habe. Wir sind in der Nähe der Bushaltestelle Venuspark.
Als ich das Handy wieder eingesteckt habe, ist es um mich her wieder sehr still. Und jetzt habe ich nichts zu tun als zu warten. Und prompt fechten mich Gedanken des Zweifels an. Habe ich wirklich alles richtig gemacht? Genügt, was ich getan habe? War es wirklich nur mein Auftrag Magdalena zu retten? Oder hätte ich den Unfall verhindern müssen? Und dann ist die alte Frage auch wieder da, warum Menschen einander so viel Leid zufügen. Und als mir diese Frage durch den Kopf geht, die ich mir in meiner Zeit als Seelenführer schon so oft gestellt habe, beginne ich mit mir selbst zu schimpfen.“Stella Engel, du bist ein blutiger Anfänger! Du müsstest doch wirklich langsam begriffen haben, was es mit dem freien Willen der Menschen auf sich hat, und wie Schaden wieder gut gemacht wird.“
Dann höre ich die Martinshörner. Polizei und Notarztwagen kommen gleichzeitig am Unfallort an. Die Sanitäter kümmern sich um Magdalena. Jetzt wird sich gleich zeigen, ob es mir gelungen ist, das Band zwischen Magdalena und mir richtig zu knüpfen. Und als die beiden Männer die Bahre, auf der Magdalena liegt, in den Krankenwagen geschoben haben und los fahren, kann ich dem Geschehen in dem Auto folgen ohne bewusst hinsehen oder hinhören zu müssen. Und ich bin unendlich erleichtert. Und obwohl meine Gedanken und Gefühle Magdalena mühelos begleiten können, kann ich die Fragen der Polizisten beantworten. Als hätte ich nie etwas anderes getan, zücke ich meinen Personalausweis, als mich die junge Polizistin nach meinem Namen fragt. Und auch diesmal kommt mir mein Name ganz leicht über die Lippen. Ich erzähle den beiden Beamten, dass ich einen Spaziergang im Park gemacht habe, als plötzlich das heranfahrende Auto und der Aufprall zu hören waren. Um meine Aussage zu Protokoll zu geben, fahre ich mit den Polizisten zum Revier. Als wir an der Polizeistation ankommen, stelle ich fest, dass Magdalena bereits in den Operationssaal gebracht wird.
Es dauert nicht lange das Protokoll anzufertigen. Die beiden Beamten, die mich zum Präsidium gebracht haben, bieten mir freundlicherweise an, mich nach Hause zu bringen und ich nehme dankend an. Und so stehe ich um viertel nach elf vor meinem Zuhause im Brunnenweg 12. Ich muss klingeln, denn einen Schlüssel habe ich zu dem Haus, das meiner Mitbewohnerin gehört, noch nicht. Ich klingele, und während ich darauf warte, dass mir Raela öffnet,höre ich eine mir wohlvertraute Stimme.
„Stella, das war eine gute Arbeit!“
„Herzlichen Dank, Herr und Meister!“

„Stella, ich heiße Gabriel!“

„Herzlichen Dank, Gabriel!“

„Na, geht doch! – Aber da nicht für!“

Das Haus(boot) auf dem Lebenslauf 65

Guten Tag Ihr Lieben,

heute gibt es einen neuen Gedankengang als Post für dieses Blog. Diesmal ist er nicht aus dem Archiv. Es ist ein neuer Gedankengang, den man allerdings viel weiter verfolgen könnte. Schön ist anders! Aber es kann nicht immer wortverspielt zugehen.

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Das Haus(boot) auf dem Lebenslauf 65

Der Körper ist das Haus, in dem die Seele lebenslänglich wohnt. Seit Ende 1965 versuche ich nun schon das Haus für meine Seele so gut als möglich zu bestellen, ihr immer wieder neu, den verschiedenen Gezeiten und den unterschiedlichen Erfordernissen des Körpers entsprechend ein Heim zu schaffen.Und ich muss offen zugeben, dass mir das nur mit sehr mäßigem Erfolg gelungen ist. Von Anfang an waren die Fenster schadhaft. Niemals blickte die Seele klar und frei in die Welt und zu den anderen Menschen heraus. Derart von grundauf beschädigt, hatte es sofort einen schlechten Ruf. Vorwürfe, nicht immer ausgesprochen und in Worte wie Schuld, Versagen, Unfähigkeit, Wertlosigkeit etc gefasst, prasselten als Hagel allzu früh auf das noch unfertige Haus und die daher noch weitgehend ungeschützte Seele ein. Die Fassade bekam Risse und die schädliche Nässe drang teilweise in das Haus und damit auf die Seele ein. Und es gilt wie immer die Regel: „Das Haus verliert nichts!“ Und einmal entstandene Schäden können nicht vollends behoben werden. Daher ist es keineswegs verwunderlich, dass das Haus zahlreiche Leichen vergebener Liebesmüh‘, unerfüllter Hoffnungen und Träume im Keller hat. Und es ist ebenso wenig verwunderlich, dass auf dem Speicher getrocknete Giftpilze der Sorten, Angst, Schmerz, Enttäuschung, Vernachlässigung etc lagern. Es bedarf nicht vieler Tränen und auch kaum Speichel, der mit den Worten der Verläumdung, der Schmeichelei usw über die Ohren auf die Pilze gespuckt werden, um sie plötzlich und stark aufzuschwämmen, damit sie ihre Gifte wieder ungehindert freisetzen können.

Und da gilt, dass das Haus nichts verliert, ist die Behausung meiner Seele eher ein Hausboot als eine Wohnimmobilie. Es fährt auf dem Lebenslauf und wird erst am Zielhafen entladen. Es bewegt sich noch immer verblüffend leicht über die Wellen, obwohl es in den mehr als vier Jahrzehnten viel Ballast aufnehmen musste. Da von alledem zu Lebzeiten nicht über Bord geworfen werden kann, gilt, dass all das Blut, der Schweiß und die Tränen, die vergossen worden sind und vergossen werden, nur als ausgesprochen notdürftige Reinigungsmittel taugen. Und von allem Unrat und Ballast sind zumindest deutliche Spuren an der Fassade und/oder in den Räumen geblieben. So ist es keineswegs verwunderlich, dass sich die Trostlosigkeit der Verlassenheit,, in der das Hausboot auch sehr früh häufig dalag, mit ahnderem alten Kummer zu Wollmäusen verfilzt in jedem Raum findet. Ab und zu werden sie pflichtbewusst weggesaugt. Doch wenige Minuten später sind sie wieder überall.

Und in ihrem Haus oder auf ihrem Hausboot geht die Seele bekanntlich zu Fuß, barfuß sogar. Und die Seele ist bis zum Ende ihrer Reise auf ihrem Hausboot dazu verdammt, regelmäßig jeden Winkel ihres Domizils zu durchstreifen. So läuft die Seele häufig auch auf Scherben, die nur notdürftig zusammengekehrt werden können und als kleine Splitter meist sogar unsichtbar herumliegen. Vor allem unliebsame Gäste, die das Haus oder Hausboot heimgesucht haben, haben zahlreiche Scherben gemacht und hinterlassen. Und auch die anderen Spuren, die diese Gäste hinterließen begegnen der Seele auf Schritt und Tritt Und daher wird ihr immer und überall die Erkenntnis aufgenötigt, dass eine aufrichtige, treue und hilfsbereite Seele immer teuer dafür bezahlt, ein offenes und gastfreundliches Haus oder Hausboot zu führen.

Offenherzig zu sein und allem, was einem auf dem Lebenslauf begegnet, mit offenen Sinnen entgegenzukommen, lockt nur egoistisches und rechthaberisches Gesindel an. Und solche Leute gehen nicht von selbst wieder oder erst dann, wenn es für sie nichts mehr zu holen gibt. Ich habe ihnen, wie es sich für einen gastfreundlichen Menschen gehört, ein geräumiges Gästezimmer und die Nutzung von Kombüse oder Küche und dem Bad überlassen. Aber sie wollten das ganze Haus oder Hausboot. über die offenen Sinne dringen sie in jeden Teil der Wohnung und auf die Seele ein. Manchmal gelang es mir sogar sie aus dem Haus oder von Bord zu werfen. Bei diesen Geiern in Menschengestalt geht das aber nur, wenn keine anderen größeren Aufgaben im eigenen Haus oder an Bord anliegen. Bisher sind die anderen auch immer noch irgendwann gegangen. Doch sie gehen erst, wenn kein Glas mehr da ist, das zerbrüllt werden kann, wenn es nichts mehr gibt, das sie wund reden oder bis zur Unkenntlichkeit durch abgreifen entstellen können. Es ist gleichgültig, ob es gelingt sie des eigenen Heims zu verweisen, oder ob sie das Zuhause verlassen, weil da nichts mehr ist, dass sie zerstören oder sich einverleiben können, sie sind immer beleidigt, dass sie nicht bekommen haben, was sie wollen, oder dass es nicht so bequem weitergeht, wie sie es gewohnt sind. Und sie zeigen ihren Ärger auf jeden Fall, wenn sie das Haus oder Boot verlassen. Denn zum Abschied hinterlassen sie deutliche Duftmarken und ätzende Spuren, indem sie an und in die Ecken pinkeln und Gift und Galle ausspucken. Man wird sie schließlich los und in gewisser Weise auch wieder Herrin im eigenen Haus oder an Bord. Ich gebe mir redlich Mühe, aber es wird mir nie gelingen die deutlichen Spuren ihrer Verachtung vollends zu beseitigen. Und ihre Verachtung ist immer und überall zu finden. Und wenn aus allen Ritzen und Winkeln die Ausdünstungen und der Schmutz der Verachtung dringen, wird die Mühe um ein sauberes Haus und gegen die Verachtung zu einem Kampf um jeden winzigen Rest der Selbstachtung. Niemand, der etwas auf sich hält, will das miterleben. Und darum bleiben die geladenen und wohlgesonenen Gäste meinem Haus fern und betreten das Hausboot nicht.Für den liebsten Gast ist das Gästezimmer liebevoll zurechtgemacht. Aber er hat es nicht bewohnt, er bewohnt es auch jetzt nicht, und er wird es nie auch nur für einen Tag bewohnen. Wer könnte es ihm auch verdenken. Schließlich gibt es viele gut gepflegte, weniger oder gar nicht beschädigte Boote oder Häuser, in denen man komfortabler und unbeschwerter zu Gast sein kann.

Manchmal treten die Schäden so deutlich zu Tage, dass die Heizung, die Herzenswärme, versagt, und es kalt wird. Oder durch aufgerissene Stellen geht Energie verloren. Auch das muss repariert werden. Und die Schutzbedürftigkeit von Leib und Seele wird wieder dringlicher und größer. Aber wie lange kann das noch so weitergehen?

]tags Gedanken, Gefühle, Essay, Kurzprosa]

Ich bin dicht!

Guten Tag Ihr Lieben,

hier kommt ein weiterer kleiner Gedankengang aus meinem Textarchiv! Wenn ich mal ein halbes Stündchen Zeit hab‘, kann auch so etwas dabei herauskommen. 😉

Ich bin dicht!

“Warum schreibst du denn keine Gedichte?” Früher habe ich diese Frage sehr oft gehört. Und heute war es zumindest das erste Mal in diesem Jahr, dass diese Frage wie ein Pfeil auf mich losgelassen wurde, weil der Fragenden spontan zu dem, was sie von mir gelesen hatte, nichts eingefallen ist. Mir ist schon deutlich bewusst, dass die Dichtkunst die höchste Sprachkunst ist. Aber, wenn man Kunst macht, kommt es nicht auf höher, schneller und weiter an sondern darauf, was passt und weiterentwickelt werden kann. Mir käme mehr Dichtung in meinem Werk größenwahnsinnig vor. Denn so ganz stimmt es nicht, dass ich nicht dichte. Es gibt ja immerhin einige Haikus von mir. Aber das sind nur geringe Spurenelemente der Dichtkunst in einem ansonsten prosaischen Werk.
“Warum schreibst du denn keine Gedichte?” Auf diese Frage habe ich lange Zeit immer geantwortet:
“Ich bin doch schon ganz dicht. Was soll ich da noch dichten?”
Ich ließ diese Erwiderung immer scherzhaft daherkommen. Und bis zu einem gewissen Grad war sie auch so gemeint. Aber darin ist mehr als ein Wortspiel und ein Spaß. Reimen kam und kommt für Autoren wie mich, die den Ungereimtheiten des Lebens auf die Spur kommen wollen, ohnehin nicht in Frage. Wenn ich ihnen hart auf den Fersen bleiben will, muss ich sie als das anerkennen, was sie sind, nämlich als die Ungereimtheiten des Lebens. Außerdem haben sich die Werbung und die Lebenssinnindustrie Reime und die Rhythmik von Versen längst im großen Stil angeeignet. Ich habe Verse und Reime in meiner Kindheit und Jugend kennen und lieben gelernt. Das gilt vor allem für die Balladen. Und da ich alles, was ich gelesen oder vorgelesen habe, gern und dankbar auf mich habe wirken lassen, haben auch die Gedichte auf mein Sprachverständnis und mein Sprachgefühl ihren vielseitigen Einfluss genommen. Und das gilt selbstverständlich auch für Liedtexte. So kommt es wohl nicht von ungefähr, dass ich beim Schreiben häufig aufstehe, in meinem Arbeitsbereich auf und ab gehe und mir die Texte, während ich sie mir durch den Kopf gehen lasse, halblaut vorspreche. Da ich nicht dichte, geht es bei dieser Herangehensweise an die Texte nicht um das Versmaß sondern um die Melodie der einzelnen Worte und Sätze. Und es geht auch darum, immer wieder neu herauszufinden, mit welcher Geschwindigkeit und Wortstruktur ich den wichtigen Punkten, die mich interessieren, auf der Spur bleiben kann. Und ich werde ohne Dichtung immer dichter!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Stimmen stimmen

Guten Abend Ihr Lieben,

in diesem Artikel gibt es noch einen kleinen Gedankengang. Der kurze Text war auch so eine Fingerübung, um einfach nur mal einen Gedanken aufzugreifen.

Stimmen stimmen

Heute habe ich einige Gründe mich mit der menschlichen Stimme zu befassen, die seit vielen Jahren immer wieder ein Lieblingsthema von mir war. Ich bin nicht besonders empfindlich, was Stimmen betrifft, die ich höre. Denn es liegt ja in der Natur der Sache, dass die Stimme als menschliches Organ vom Aufbau und bezogen auf das Material nicht beliebig verändert werden kann. Und wie meine Mutter zu sagen pflegte: „Niemand hat sich selbst gemacht!“ Aber, obwohl ich vom Gesang kaum Ahnung habe und mich mit Stimmbildung und Stimmentwicklung auch wenig auskenne, habe ich doch festgestellt, dass ich im Verlauf der viereinhalb Jahrzehnte, die ich nun schon Stimmen höre, doch immer sensibler dafür geworden bin, wie sich Stimmen anhören, wie die Stimmen gestimmt sind. So wurde ich gestern Nachmittag durch ein Gespräch mit einer Bekannten an einen Mann erinnert, der im Grunde eine volltönende, tiefe Stimme hat, der diese aber schlampig und nachlässig gebraucht, so dass sie inzwischen nicht mehr kraft- und ausdrucksvoll klingen kann und träge und verwahrlost klingt. Die Vernachlässigung hat deutliche Spuren hinterlassen. Andererseits durfte ich heute Morgen die Stimme einer Frau hören, die ich länger nicht gehört aber trotz ihrer Veränderung erkannt habe. Und es war eine Freude zu hören, wie aufrichtig und stark diese Stimme klang, die mit ihrer Besitzerin durch eine lange und schwere Zeit gegangen ist. Zwar war auch deutlich zu hören, dass die Stimmung der Stimme sich noch weiter verbessern kann. Aber die neue Einstimmung der Stimme war schon sehr wohltuend. Es heißt nicht umsonst, im Einklang mit sich sein. So muss ich zu meiner eigenen Stimme sagen, dass sie einen Teil ihrer natürlichen Stimmung eingebüßt hat. Sie ist sonor und ermüdet leicht, weil sie durch Nebenhöhlenentzündungen etc belegt und beschädigt wurde. So war sie heute wieder einmal ganz besonders müde. Ganz richtig gestimmt, wie sie eigentlich ist, wird sie wohl nicht mehr. Aber lautes Lesen und Summen und dabei den angemessensten Ton, die geeignete Resonanz im Kopf zu finden, haben schon sehr gut geholfen. Gerade, was die Ermüdung betrifft, ist es schon um einiges leichter und besser geworden. Stimmen bekommen im Verlauf des Lebens Gebrauchsspuren. So werden sie dunkler und dabei aber auch sanfter und weicher. Doch immer mehr Stimmen verstimmen dauerhaft, weil sie missbraucht und verwahrlost werden. Mir tut es weh, und ich bedauere es immer mehr, wenn beispielsweise Frauenstimmen so lange auf Kleinmädchenklang verstimmt werden, dass sie schrill und ausgedünnt werden. Ich wünsche Euch, dass Ihr immer wieder Eure Stimmen gut und gesund stimmen und in Stimmungen bringen könnt!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

category Gedankengänge]

Hilfreiche Wegweiser für das Schreiben

Hallo Ihr Lieben,

mit diesem Artikel beginnen die Posts in der neuen Kategorie Gedankengänge. Sie könnten auch Gedankenanstäße genannt werden.

Hilfreiche Wegweiser für das Schreiben
Hilfreiche Wegweiser

Wenn man schreibt, kommt immer wieder die Frage, ob man Vorbilder hat, und wer es ist. Und ich sträube mich jedes Mal, wenn diese Fragen kommen, sie mit einem eindeutigen Ja und einer Liste von Autoren zu beantworten, die meine Vorbilder sind. Seit ich lesen und schreiben kann, habe ich immer mehr gelesen und geschrieben, als es gefordert wurde. Und ich behaupte, dass fast alle Bücher, die ich bis zum Ende gelesen habe, einen Eindruck bei mir hinterlassen haben. Allerdings habe ich auch Bücher bis zum Ende gelesen, die mir nicht vom ersten bis zum letzten Wort wirklich gefallen haben. Von Negativbeispielen lernt man auch. Aber, wenn ich es mir recht überlege, sind bei mir diejenigen Autoren, die mich inspiriert haben, sicherlich in der Überzahl. Und natürlich gibt es einige, die mich ganz besonders beeindruckt und inspiriert haben. Doch ich mag sie alle nicht als Vorbilder im traditionellen Sinn bezeichnen. Ein Vorbild im herkömmlichen Sinn zeigt sich mit all seinen Facetten so deutlich, dass man alle Einzelheiten erkennen kann oder zumindest glaubt, dass man alles wahrnimmt, fühlt und versteht. Und weil es so überdeutlich ist, kann man sich bei so einem Vorbild dem Versuch nicht entziehen, es in all seinen Facetten kopieren zu wollen. Es ist nicht so, dass ich nur einzelne Facetten von dem wahrnehme, was ich lese. Und die vielseitige Wahrnehmung ist es, die als Reservoire auch noch nach vielen Jahren den einen oder anderen Aspekt frei gibt, der zu einem wertvollen Wegweiser werden kann. Ein Beispiel, das mir ein Wegweiser war, ist das Buch Krabat von Otfried Preußler. In diesem Buch erhalten die immer wiederkehrenden und grausigen Bestandteile der Rituale im Jahresverlauf ihre besondere Eindrücklichkeit und Bedeutung dadurch, dass sie wörtlich wiederholt werden. Das fiel mir auf, als ich an der Geschichte Hildes Todesfall arbeitete und immer noch versucht war, Wort- und Satzwiederholungen zu meiden, wie ich es in der Schule gelernt hatte. Inzwischen sind mir Wiederholungen ein Stilmittel, das ich immer selbstverständlicher nutze, obwohl ich es zu Anfang sicher auch noch überbeansprucht habe. Also muss meine Antwort auf die Frage nach Vorbildern lauten:
“Ich habe keine Vorbilder. Aber ich habe hilfreiche Wegweiser, z. B. Moby Dick, in dem mir beispielsweise gezeigt wurde, wie Menschen plötzlich auf sich selbst zurückgeworfen werden, wenn gar nichts passiert und ebenso abrupt wieder zur Aktivität und Gegenwehr herausgefordert werden, und was diese Wechsel für Gefühl und Verstand bedeuten können.

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Meine geheime Autobiografie von Mark Twain

Guten Tag Ihr Lieben,

auf die Lektüre dieses Buches habe ich mich gefreut, seit dem ich irgendwann Anfang Oktober davon gehört habe. Ich hatte seiner Zeit auch einige Ausschnitte aus dem Hörbuch gehört, die mich schon sehr neugierig gemacht haben. Als ich vor vier Wochen beim Stöbern bei eBook.de auf die Ebookversion gestoßen bin, die anders als das Hörbuch ungekürzt ist, habe ich mir das Buch im Epubformat bestellt und direkt herunter geladen.

Ich mochte und mag die Kinderbücher von Mark Twain. Und ich bin ein begeisterter Leser seiner anderen Texte, z. B. die Einemillionenpfundnote. Und meine Erwartung, dass die Autobiografie ein lebendiger und gut lesbarer Text sein würde, wurde nicht enttäuscht.

Das Ebook, das im September bei Aufbau erschien, ist wie die gedruckte Auflage und das Hörbuch der erste Teil der Lebenserinnerungen, die insgesamt drei Bände umfassen werden. Es gibt zwei Ebookfassungen, eine Text- und eine Gesamtedition. Ich habe die Textedition gewählt, die 641 Seiten stark ist.

Ich versuche gar nicht erst eine Inhaltsangabe zu schreiben. Eine chronologische Auflistung der Lebensstationen ist ohnehin nicht möglich. Denn Mark Twain hat keine Autobiografie konventioneller Machart verfasst. Der Autor hat den vorliegenden ersten Band seiner Autobiografie selbst verfasst aber nicht selbst geschrieben, denn das Buch basiert auf Texten, die Mark Twain ab 1904 diktiert hat. Im Alter von ungefähr siebzig Jahren hatte er bereits mehrere Versuche hinter sich seine Autobiografie zu schreiben. Er beschreibt, dass ihm alle vorhergegangenen Versuche, bei denen er selbst die Feder von Wort zu Wort und von Zeile zu Zeile geführt hatte, zu schmalspurig geraten waren. Um nicht wieder in diese Falle zu tappen, und um seinen Gedanken durch sein Leben freien Lauf zu lassen, entschied er sich dazu, täglich von den Ereignissen und der Tagessituation ausgehend durch sein Leben zu streifen. Und da jeder Tag zumindest etwas anders ist als jeder andere Tag, findet Mark Twains wache Wahrnehmung und sein Scharfsinn immer Ausgangspunkte, die Anknüpfungen zu Erlebnissen aus der Vergangenheit bieten. Jeden Tag einen neuen Anlauf nehmen zu können entspricht den Erzählqualitäten, die märk Twain eigen sind. Auf diese Weise kommen sowohl seine Fähigkeit sehr ausführlich zu beschreiben, als auch sein Können, was kurze pointierte Beschreibungen betrifft, vollends zur Geltung.

Obwohl Mark Twain durchaus mit den Beschreibungen seiner Vorfahren, der Familiensituation, in die er hineingeboren wurde und Ereignissen aus seiner Kindheit beginnt, sind auch diese Schilderungen keineswegs chronologisch geordnet, und es gibt sinnvolle Ausflüge zu Personen und Erlebnissen des späteren Lebens. So erfahren wir Leser bereits auf den ersten Seiten einiges über die Herkunft mancher Personen und Geschehnisse, die wir aus seinen Büchern kennen. In diesem Buch begegnen wir auch den Mitgliedern der Familie, die er selbst gründete. So zitiert Mark Twain das liebevolle Portrait, das seine Tochter Sousi über ihn geschrieben hat. Er relativiert in seinen Aufzeichnungen das Bild, das sie von ihm gezeichnet hatte. Doch, dass er seine Tochter, die bereits im Alter von 24 Jahren verstarb, zitiert, ist keine Attitüde. Es entspricht der großen Liebe zwischen Vater und Tochter.

Mark Twain wollte, dass seine Autobiografie 100 Jahre nach seinem Tod veröffentlicht werden sollte. Er, der ein scharfsinniger Beobachter war und daher auch über eine spitze Zunge und Feder verfügte, wollte nicht, dass seine zahlreichen Kritiker und Feinde ihre Scharten an seinen Hinterbliebenen Verwandten und Freunden auswetzen würden. Diese Idee gab ihm die Freiheit, auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen zu müssen. Seinem Wunsch wurde entsprochen. Und seine Hoffnung, dass noch etwas Interessantes für die Nachgeborenen übrig bleiben würde, hat sich mehr als erfüllt. Wir finden in dieser Autobiografie von der ersten bis zur letzten Seite ein interessantes, vielseitiges und unterhaltsames Lesefutter.

Steckbrief des Buches

Autor: Mark Twain
Titel: Meine geheime Autobiografie Textedition
Format: Ebook (Epubformat)
ISBN: 9783841204905
Preis: 17,99 €
Verlag: Aufbau
Seitenzahl: 641

Und jetzt gilt nur noch: „Nur selbst lesen bringt Lesevergnügen!“
Und wer ganz schnell und einfach an sein Lesefutter kommen möchte, kommt mit einem Klick weiter.
Meine geheime Autobiografie
In der Textedition als Ebook im Epubformat bestellen!
view.asp?site=2701&ref=618387&b=0&type=text&tnb=8

Ich wünsche Euch ganz viel Lesespaß!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Die Entsendung: Engelbuch

Tach zusammen,

hier kommt das zweite Kapitel über die Erlebnisse des Schutzengels Stella Engel. Nachdem sie schon in Menschengestalt ihren Auftrag bekommen hat, folgt jetzt die offizielle Verabschiedung nach Engelart. Ich wünsche Euch viel Freude dabei!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Die Entsendung

Nur wenige Minuten später komme ich in der einzigen Engelhalle des Himmels an. Wahrscheinlich wundert Ihr Menschen Euch darüber, dass wir Engel nur eine Halle haben. Aber diese Halle ist eine Allzweckhalle, die diesen Namen auch verdient. Sie wird je nach Bedarf in Größe und Ausstattung verändert. Die fünfzig Engel im Innendienst, die für Gestaltungsarbeiten zuständig sind, können unsere Halle mit wenigen gekonnten Handgriffen von der großen Flughalle in eine Sporthalle, wie sie auf der Erde üblich ist, umbauen. In dieser Halle habe ich auch Motorradfahren geübt. Zu diesem Zweck war sie zur Stadt umgebaut. Und die anderen haben in ihr Autofahren gelernt.
Als ich in die Halle komme, ist sie als mittelgroßer Festsaal gestaltet. Es gibt eine Empore und eine Bühne. Im Zuschauerraum sind schon viele Engel versammelt. in der ersten Reihe sitzen elf Engel in Menschengestalt, darunter auch Dorothea Glück. Auch ich nehme in der ersten Reiehe Platz. Als ich meinen Platz eingenommen habe, sehe ich mich sorgfältig um. Ich ahne, dass nur wir zwölf gleich verabschiedet werden. Und ich werde noch unruhiger als bisher, weil ich mich frage, wo die andere Hälfte von uns geblieben ist. Ich stelle fest, dass wir alle zwölf eine weibliche Menschengestalt bekommen haben.“Weiß jemand, was mit den anderen aus unserem Seminar geworden ist?“ fragt Dorothea.
„Ja, ich weiß es!“ erklärt ein Engel, der ähnlich exklusiv wie Dorothea gekleidet ist. Sie ist auch blond aber kleiner als Dorothea.“Die Herren der Schöpfung sind schon verabschiedet worden. Sie wurden alle nacheinander nach Ostfriesland oder Bayern entsendet.“
Nachdem sie das gesagt hat, merkt die niedliche Kleine, dass ich auch da bin.
„Wie heißt du jetzt, Derila?“
„Stella Engel! – Und du?“
„Ich heiße Raphaela Gottlob! – Findest du nicht, dass für dich Stella, der Stern, ein sehr hochgegriffener Name ist?“
Ich schüttele nicht einmal den Kopf. Und ich antworte natürlich auch nicht.
Kaum haben sie ihre Menschengestalt scheinen sie ihre Engelhaltung verloren zu haben und werden schwatzhafter denn je. Die Aufgeregtheit ihres Geschwätzes greift auf mich über. Aber ich bleibe äußerlich vollkommen ruhig. Ich höre, dass sie reden. Aber ich höre nicht dabei zu, was sie sagen.Plötzlich knufft mich Dorothea in die Seite:
„Sag‘ mal, Derila, äh, Stella, bist du nicht wenigstens auch ein bisschen aufgeregt, oder hast du was von diesem Menschenzeug genommen?“
„Ja, ich bin auch aufgeregt. Und nein, ich habe keine Beruhigungsmittel genommen!“

Dann geht die Tür neben der Bühne auf. Ein Trompetensignal kündigt das Kommen der Musiker und Sänger an. Der Engel mit der Trompete ist der Dirigent. Er schwebt vor den Harfenisten und Sängern in den Saal. Die Sänger und Harfenspieler nehmen auf der Empore Aufstellung. Mir fällt auf, dass es auch im Musikkorps einen Führungswechsel gegeben hat. Der Dirigent ist ein freundlicher, großer Engel, der leicht und beschwingt seine Musiker und Sänger anführt. Dieser Engel ist so freundlich und so beschwingt, dass selbst ich fast glauben kann, dass Musik eine schöne, dankbare und einfache Engelaufgabe ist. Und diesem angenehmen Anblick zum Trotz steigen in mir augenblicklich unangenehme Erinnerungen auf. Wenn ich eine oder mehrere Harfen sehe, wird mir immer mulmig. Die vielen Saiten der Instrumente sind mir alles andere als geheuer. Ich bin eben doch ein Grobmotoriker vor dem Herrn. Und ich bin froh, dass Gott sei Dank noch niemand auf die Idee gekommen ist, mir eine Harfe in die Hände zu geben. Allerdings wurde ich irgendwann von meinem ehemaligen Vorgesetzten, der hoffte, mich loswerden zu können, zu einer Gesangsprobe geschickt.
„Jeder Engel muss einmal das Singen ausprobieren.“
Also ging ich zu einem öffentlichen Vorsingen, bei dem ungefähr 25 Engel Testgesänge anstimmen sollten. Ich war die Erste, auf die der Dirigent zeigte. Also ging ich auf die Bühne und sang. Zunächst kam es mir so vor, als sei der Dirigent viel freundlicher als mein Vorgesetzter. Er ließ mich lange vorsingen und schien geduldig zuzuhören. Nach meinem Vortrag hüllte er den Saal auf einen Schlag in vollkommene Dunkelheit. Dann richtete er plötzlich ein gleißendes, gelbes Licht auf mich. Dieses Licht strahlte reine Verachtung aus. Und alle Anwesenden konnten mich überdeutlich sehen.“Das ist das absolut abschreckendste Beispiel für Engelgesang, dass ich je ertragen musste. Textsicherheit und die Beherrschung der Melodie macht noch keinen Engelgesang. Das ist nur ein abscheuliches, melodiöses Grollen. Da wird auch nicht mehr draus! Aber, wenn man ein Donnerrollen erzeugen will, muss man keinen Engelchor engagieren. Engelgesang hat gefälligst immer und überall lieblich zu klingen. – Also augenblicklich abtreten!“
Während ich geduckt davon schwebte, schickte mir der Dirigent eine ganze Zeit lang hönisches Licht in einem anderen Gelbton hinterher. Niemand, der dabei war, wird diese effektvolle Demütigung jemals vergessen.

Nachdem die Sänger und Harfenisten auf der Empore Aufstellung genommen haben, beginnen sie sofort zu singen und zu spielen. Und ich gebe gern zu, dass mir diese Musik sehr gut gefällt, obwohl ich während des Vorbereitungsseminars meine Liebe zur menschlichen Rockmusik entdeckt habe. Ich freue mich von Herzen an den himmlischen Klängen. Und sie geben mir meine innere Gelassenheit wieder. Noch während das Musikkorps spielt, öffnet sich die Saaltür neben der aufgestellten Bühne abermals, und die zwölf Erzengel kommen herein. Sie schweben auf die Bühne. Und die Erzengel stimmen in den Gesang des Chores ein.

Nachdem das Lied verklungen ist, lässt der Erzengel Michael eine kurze Pause zu. Dann tritt er feierlich vor und beginnt zu sprechen. Auch seine Stimme klingt sehr freundlich. Sie ist nicht ganz so tief wie die Stimme von Gabriel, und sie klingt noch etwas klarer.“Sehr geehrte Kollegen,

ich heiße Euch im Namen aller zwölf Erzengel herzlich willkommen! Wir sind heute zusammengekommen, um die zweite Schutzengelstaffel des Jahres 2012 zu verabschieden, bevor wir sie auf die Erde entsenden.“
Als er das gesagt hat, fällt mir wieder einmal angenehm auf, das Worte wie entsenden, wenn sie von einem der Erzengel ausgesprochen werden, niemals überheblich, schwülstig, altbacken oder geziert klingen. Das ist oft ganz anders, wenn dominante Bosse wie mein früherer Vorgesetzter oder moderne Menschen, die sich für wichtig halten, solche Dinge sagen. Ein Grund dafür ist wohl, dass Erzengel, obwohl sie wie alle anderen Engel übernatürliche Wesen sind, die aber natürliche Autorität, Güte und Freundlichkeit ausstrahlen. Man kann ein Schutzengel werden und viele Fähigkeiten entwickeln. Man kann auch ein Wächter- oder Innendienstengel werden und viele Fähigkeiten entfalten. Aber Erzengel kann man nicht werden. Erzengel ist man.

Erzengel Michael drückt in seiner Rede die Freude und den Stolz Gottes und der Erzengel darüber aus, dass auch in diesem Jahr 24 hervorragende Schutzengel an dem Vorbereitungsseminar erfolgreich teilgenommen. haben Und lobend erwähnt er, dass jeder der Engel, die am Seminar teilgenommen haben, sich zu einer außergewöhnlichen Schutzengelpersönlichkeit in Menschengestalt entwickelt hat. Kaum hat er das gesagt, sehen meine elf Gefährtinnen mich mit unterdrücktem Argwohn an. Und mir reicht es allmählich. Ich bin doch nur so, wie ich bin. Ich habe nichts Unrechtes getan. Und womit sollte ausgerechnet ich mir das Wohlwollen Gottes oder der Erzengel erschlichen haben? Danach erfahren wir, dass die erste Staffel der neuen Schutzengel bereits erfolgreich entsendet wurden und in Ostfriesland sind. Als meine Gefährtinnen das hören, beginnen sie aufgeregt zu tuscheln.“Und wir kommen auch alle in eine Region. Man sieht sich also!“ sagt Dorothea zu mir.
Ich frage mich, warum sie ausgerechnet mich wieder sehen will. Wahrscheinlich wartet sie nur darauf zu erfahren, dass und wie ich versage.“Und nun wird jeder neue Schutzengel von einem Erzengel zu sich gerufen. Und wenn alle zwölf auf der Bühne sind, werdet ihr nacheinander entsendet.“
Dorothea knufft mich in die Seite:
„Und du bist bestimmt wieder die Letzte!“
Ich reagiere nicht.

Nach einer kurzen Pause ruft Michael Dorothea zu sich. Danach werden auch alle anderen von einem Erzengel aufgerufen. Immer, wenn einer der neuen Schutzengel auf die Bühne schreitet, spielen und singen die Musiker ein Kurie. Damit erbitten die Engel für die Schutzengel und für die, die sie zukünftig beschützen werden, Gottes Erbarmen. Als Letzte werde ich von Gabriel auf die Bühne gerufen.

Als schließlich alle Erzengel und die neuen Schutzengel auf der Bühne versammelt sind, beginnen die Harfenisten eine Melodie zu spielen, zu der es keinen Text für den Engelchor gibt. Die Tür, durch die die Musiker und die Erzengel in den Saal gekommen sind, färbt sich golden. Erzengel Michael sagt noch einmal Dorotheas Namen. Sie schließt die Augen und Michael begleitet sie als ihr Führer zur Tür. An der Tür angekommen, zeichnet Michael sein Siegel auf Dorotheas Stirn, berührt sie noch einmal und dann geht die Tür von selbst auf, und sie tritt immer noch mit geschlossenen Augen, wie man es uns gesagt hat, durch die Tür, die sich hinter ihr wieder von selbst schließt. Was sie uns nicht gesagt haben, ist, dass während der gesamten Zeremonie die zauberhafte Melodie, die wohl eigens zu diesem Anlass komponiert wurde, ertönt. Danach werden nacheinander alle meine Gefährtinnen von ihrem Engelführer verabschiedet. Und auch dieses Mal bin ich wieder die Letzte, was mich wie immer keineswegs stört.

„Stella Engel!“ sagt Gabriel schließlich zu mir. Und es kommt mir so vor, als ob seine Stimme noch freundlicher und tiefer klingt als sonst. Ich schließe meine Augen. und es wird vollkommen dunkel um mich her und in mir. Aber, obwohl ich das noch nie erlebt habe, beunruhigt es mich nicht. ich lasse mich von Gabriel zu der goldenen Tür führen. Und es ist so, als ob mich auch der wunderbare Klang der Harfen führt und trägt. Mir fließt eine neue Kraft durch Gabriels Hand und die Klänge zu. An der Tür angelangt, bleiben wir, mein Engelführer Gabriel und ich einen Augenblick stehen. Dann zeichnet mir Gabriel sein Siegel, das mir Schutz und Kraft geben wird, auf die Stirn.“Gottes Segen für dich und alle, die du beschützen wirst!“ sagt Gabriel leise und berührt mich an der Brust, da wo mein Menschenherz schlägt, und ich gehe mit geschlossenen Augen geradewegs durch die Tür.

Paula Grimm, 2012

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