06. Geistige Gefechte und Getränke (Felicitasroman)

Guten Tag Ihr Lieben,

und wieder ist Freitag, und freitags immer Felicitas. Mit dem Kapitel, das Ihr heute hier lesen könnt, sind wir wieder im Jahr 1990 und immer noch bei der Doppelhochzeit. Felicitas bekommt Ärger mit der Bräutigammutter. Ich wünsche Euch gute Unterhaltung mit den geistigen Gefechten, die harmloser daher kommen, als sie sind. Aber das wird sich später dann noch genauer zeigen.

Liebe Grüße

Christiane (Paula Grimm bei Texthase Online)

06. Geistige Gefechte und Getränke

Tannhuysen, Freitag, 27. Juli 1990

Wir, Senta die ältere und ich, stellen uns an, um etwas zu trinken zu bekommen. Weit vor uns steht die Bräutigammutter Ottilie Bongartz, geborene Van den Bruck. Ich bemerke, wie sie sich immer wieder zu mir umsieht. Als Adelheid zu ihrer Mutter kommt, nutzt das Otti, wie alle zu ihr sagen, die Gelegenheit, kommt schnell auf mich zu und zischt mir ins Ohr: “Lici Haechmanns, wir haben miteinander zu reden!”
Und sie zeigt mit spitzem Finger auf eine Feuerschutztür am Anbau des Rappen. Normalerweise hat diese Frau immer die Straßenseite gewechselt oder absichtlich an mir vorbeigesehen, wenn wir einander begegnet sind. Und bisher hat sie noch jedes Mal mit den Händen merkwürdige Zeichen in die Luft gemalt, wenn sie bemerkt hat, dass ich in ihrer Nähe war. Aber ich bin nicht sehr überrascht, dass sie auf mich zukommt. Ich hatte bis jetzt keine Ahnung, was sie bezogen auf mich umtreibt. Ich wusste immer nur, dass es irgendetwas gibt, was sie eines Tages dazu bringen würde, ihr Verhalten mir gegenüber zu verändern. Und jede Gelegenheit ist so schlecht wie alle anderen. Warum also soll es nicht jetzt sein? Ich nicke ihr zu. Und wir gehen langsam auf die weißgestrichene Feuerschutztür zu. Wir gehen so langsam, weil wir uns belauern wie zwei Raubtiere, bevor sie einander angreifen. Mir wird schlagartig bewusst, dass sie aus zwei Gründen bei diesem Kampf im Vorteil ist. Sie kennt und macht die Regeln. Ich habe nicht die geringste Erfahrung in dieser Art von Kampf, bei dem nicht mit Füßen getreten, mit Händen geschlagen oder mit dem Körper abgewehrt wird. Ich muss ihr Rede und Antwort stehen. Daran geht kein Weg vorbei. Selbst, wenn es einen Aufschub gäbe, würde es mir nichts nützen. Irgendwann müsste ich ihr doch gegenüber treten. Soviel fühle ich. So viel ist mir ganz klar.
“Felicitas Haechmanns es ist höchste Zeit, dass du lernst, die Schnauze aufzumachen” sagt eine innere Stimme in mir. Und es ist leider nicht die tiefe, freundliche Stimme von Oma Isabel, die ich da höre. Aber sie hilft mir doch , diese barsche ein bisschen schrille Stimme. Jedenfalls schickt sie keine weiteren Worte hinterher. So kann ich eine Idee haben und einen klaren Gedanken fassen.
“Wenn ich anders mit dem Reden umgehen will, brauche ich etwas anderes, was ich gleichzeitig tun kann, was mich ein bisschen ablenkt!”

Wir kommen bei der Metalltür an. Das Otti bleibt stehen, sieht auf die Klinke und dann zu mir und bewegt sich nicht weiter. Ich öffne die Tür und lasse ihr den Vortritt. In dem Augenblick als sie mir den Rücken zudreht, fällt mir ein, was ich tun kann, um zumindest diesmal so gut als möglich die Schnauze aufzumachen. Wenn diese Frau immer diese unverständlichen Zeichen in die Luft schreibt, dann kann ich mir vorstellen, dass ich schreibe. Das kann ich wenigstens.

Hinter mir fällt die Tür ins Schloss. Das Otti schaltet das Licht an. Ich frage mich, wozu dieser Raum gebaut worden ist. Er ist ungefähr 30 qm groß und weiß gefliest. nur durch zwei schmale Oberlichter fällt spärliches Tageslicht in den Raum. Die Deckenbeleuchtung besteht aus mehreren Neonröhren. Die Fliesen und das Neonlicht machen den Eindruck als könnte hier ein Minischlachthof gewesen sein. Jetzt ist der Raum vollkommen leer. Mir soll es recht sein. Denn so kann ich in aller Ruhe hin und her gehen und abwarten, was das Otti tut.

Und das Otti beginnt wieder heftig in meine Richtung zu gestikulieren. Sie sagt zunächst nichts, um mich wenigstens ein bisschen mürbe zu machen. Das ist ein Fehler. Denn während ich ganz ruhig durch die Stille gehe, ohne viel Geräusch zu machen, merke ich, wie gut es für mich ist in Bewegung zu bleiben. Die bösen Absichten, die Ottilie mit diesen Gesten verfolgt, gehen mir tief unter die Haut. Aber ich fühle doch, dass sie mich beiweitem nicht so stark und gezielt treffen, wie das Otti es will. Und das liegt bestimmt daran, dass ich mich ruhig und sicher auf meinen eigenen Beinen und auf dem Boden der Tatsachen bewege.

Schließlich ist es Ottilie Bongartz, die die Stille nicht mehr erträgt. Und sie beginnt aufgeregt zu keifen:
“Ich habe es von Anfang an gewusst, sie hätte dich wegmachen sollen, dieses dumme Ding. Und ich habe es immer gewusst, dass du bezogen auf die geistigen Kräfte diejenige sein würdest, die uns allen hier zum Verhängnis werden würde. Und ich habe immer gewusst, dass diese Art der geistigen Kräfte, die diese Sqaws mitgebracht haben, nicht zu uns passt. Und eine Ahnung haben sie ohnehin nicht von diesen Dingen, obwohl sie sie angewendet haben. Vor allem diese alte Hexe, die deine Großmutter war. Und dann haben sie sie dafür gesorgt, dass sie deine spirituellen Fähigkeiten unterdrückt haben, indem sie dir nur all diesen handwerklichen Kram beigebracht haben. Und das haben wir nun davon. - Wo rohe Kräfte sinnlos walten. Du bist gefährlich, die gefährlichste von allen Sqaws, weil in dir die geistigen Fähigkeiten ungezügelt wüten.”
Sie hat so schnell und überdeutlich gesprochen, dass sich ihre Stimme immer wieder leicht überschlagen hat. Und sie muss mehrfach tief Luft holen, um wieder zu Atem zu kommen.
Ich sage ihr natürlich nicht, dass das Wort Sqaw nicht aus einer Sprache der südamerikanischen Indianer sondern aus Nordamerika stammt. Und ich sage ihr natürlich auch nicht, dass es nicht das Wort für Frau ist sondern Schlampe bedeutet.

“Sie hätte dich gefälligst wegmachen sollen, dieses verdammte, dumme Ding!” Jetzt reicht es mir aber. Ich konzentriere mich und stelle mir vor, wie ich an meinem Sekretär sitze und schreibe. Ich halte die linke Hand einfach so, als ob ich tatsächlich schreiben würde. Aber ich muss sie nicht bewegen, um für mich selbst so zu tun, als ob ich schreibe, dass es so wirkt, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich höre sogar in meinem inneren Ohr das leise Kratzen meiner Stahlfeder auf dem Papier, als ich frage: “Was wollen Sie eigentlich wirklich von mir?”
Otti kratzt sich am Kopf und macht eine künstliche Pause, bevor sie sagt:
“Also gut, wie du willst!” Dann lässt sie wieder eine Pause entstehen, damit ihre Worte den Eindruck machen, als ob sie ursprünglich vorgehabt hätte mich schonen zu wollen.
“Lici Haechmanns, ich will von dir genau wissen, was du vor der Kirche gesehen hast?”

Sie weiß oder ahnt zumindest, was ich gesehen habe. Da bin ich sicher. Dagegen habe ich nicht die geringste Ahnung davon, wie man das macht, wenn man sich an den Blick anderer Menschen heftet, um sehen zu können, was sie sehen. Damit ich antworten kann, stelle ich mir wieder vor, dass ich schreibe. Und es funktioniert auch diesmal.
“Ich hab’ Leute, Blumen und Brautpaare gesehen. Typen mit Tauben in Körben waren auch da. Und sie haben die Luftratten aufgelassen, oder wie man das nennt.”
Das Otti hört einfach nicht auf zu gestikulieren. Und obwohl ich nicht auf ihre Hände sehe, spüre ich, dass ihre Bewegungen ungeduldiger werden. “Was noch?” keift sie.
Jetzt beschließe ich so zu tun, als ob ich sie schonen will. “Also gut, wenn Sie es wirklich wissen wollen”
Und auch ich mache eine Pause, damit meine Worte entsprechend wirken.
“Ich habe gesehen, wie sich Ihr Sohn, Winfried, meiner Mutter zugewendet hat, um mit ihr zu reden. Und als er sich zu ihr herumdrehte, hatte er plötzlich eine Taubenmaske vor dem Gesicht. Er hat sich Zeit gelassen auf sie einzureden. Erst, als er sich wieder abgewendet hat, war auch die Taubenmaske vor seinem Gesicht so plötzlich wieder verschwunden, wie sie vorher aufgetaucht war.” “Und was sagt dir diese Taubenmaske?”
Mit dieser Frage, die jeder in Tannhuysen und Holt beantworten könnte, will sie mich demütigen. Das ist klar. Aber ich schreibe in Gedanken, und ich antworte:
“Mein Erzeuger trug eine Taubenmaske, als er zusammen mit zwei anderen Idioten die Terry überfallen hat.”
“Und wie erklärst du dir das, dass ausgerechnet mein Sohn eine Taubenmaske vor dem Gesicht hat, wenn er mit deiner Mutter spricht?” Ich gehe und schreibe in Gedanken ruhig weiter, während ich erwidere:
“Es gibt vier Möglichkeiten. Die Erste ist, dass Ihr Sohn sich einfach nur vorstellt, er wäre derjenige gewesen, der Terry überfallen hat. Und er findet die Idee oder den Traum toll. Die zweite Möglichkeit ist, dass er weiß, wer die Terry damals überfallen hat, und es nicht sagen, es aber auch nicht vergessen will. Es kann auch sein, dass er einer von den Typen war. Oder er war sogar derjenige, der die Taubenmaske getragen hat.”
“Und alle diese Möglichkeiten sind eine ausgewachsene Schande für deine Familie!”
Als sie die Stimme von Senta der Älteren hört, vergisst Otti einen Augenblick ihre kurzen, dicken Hände zu bewegen. Und ich drehe mich unwillkürlich um und möchte meiner Patin vor Freude um den Hals springen. Ich bin auf einen Schlag richtig froh, dass sie da ist.

Senta hat so eine Art richtig harte Sachen wie eine einfache Feststellung zu sagen, dass man es nicht glauben kann. Für das Otti ist diese Art ein kräftiger Schlag mitten in ihr Mondgesicht.
“Was ist eine solche Feststellung schon wert, wenn sie von einer Hurenbrut aus Danzig kommt?” fragt sie endlich.
“Für den Wert einer Feststellung ist es gleich, wer sie ausspricht.” stellt Senta ruhig wie eh und je fest. “warum habe ich sie nicht kommen hören?” zischt Ottilie.
Auf Sentas Gesicht zeigt sich ein kleines verschmitztes Lächeln, als sie sagt:
“Die Felicitas hat dich gut genug beschäftigt und in Schach gehalten, wie es aussieht!”
Und jetzt wird es plötzlich ganz still. Ich bleibe abrupt stehen und beobachte die beiden älteren Frauen. Senta und Ottilie bewegen ihre Hände. Und für mich sieht es so aus, als ob meine Patin die Bewegungen ihrer Gegnerin vorausahnt und ihnen deshalb ohne Probleme folgen kann. Und die Gesten von Otti Bongartz verlieren an Kraft und Geschwindigkeit. Schließlich ballt Senta die Fäuste, legt sie aneinander und vor ihre Brust, um sie dann plötzlich in Ottilies Richtung vorschnellen zu lassen. Ottis Hände falten sich wie zum Gebet, bevor sie sich zwei oder drei Sekunden später voneinander trennen und schlaff an den Seiten ihres Körpers herunterfallen.

Der spirituelle Kampf der beiden Frauen ist zu ende. Aber Ottilie Bongartz ist nicht vollkommen erledigt. Ich sehe, wie sie angestrengt nachdenkt, wahrscheinlich nach einem geeigneten Nebenschauplatz sucht, um ihrer Feindin wenigstens noch einige empfindliche Stiche zu verpassen.
“Du hast auch schon wesentlich besser ausgesehen, Hurenbrut! Wirst du auf deine alten Tage etwa magersüchtig oder säufst du zu viel?”
“Herzlichen Dank für das Lob! Das kann ich in vollem Umfang zurück geben. Doch bei dir wäre weniger wohl mehr, so gut wie du im Futter bist. Außerdem brauchst du wohl ‘nen anderen Friseur. Der Karottensalat da oben steht dir überhaupt nicht!”
Und treffender kann man das Elend nicht beschreiben. Denn das, was das Otti auf dem Kopf trägt, sieht wirklich aus wie harrdünn geschnittene Karotten in zu viel oder im falschen Dressing. Wie bekommt man wohl so eine Farbe und diesen glitschigen Glanz hin?

Ottilie sieht auf die Uhr.
“Ich denke, es ist wohl an der Zeit zu den Gästen zurückzugehen!” sagt sie. Senta und ich, wir bewegen uns nicht von der Stelle. Also geht sie auf die Tür zu und öffnet sie.Sie dreht sich noch einmal um.
“Aber, was ich dich fragen wollte, Lici Haechmanns, bei dir hört es sich so an, als ob der Winfried auf die Taubenmaske stolz ist, die deine Gedanken ihm aufgesetzt haben. Wie kommst du darauf?”
“Ich hab’ sein Gesicht gesehen, als er die Maske auf und abgesetzt hat.” erkläre ich und stelle zufrieden fest, dass mir auch jetzt die Vorstellung hilft, dass ich schreibe.
Otti schüttelt ungläubig den Kopf. Und mit gedämpfter und geheimnisvollem Unterton in der stimme sagt sie:
“Mir und der Senta kannst du es doch sagen, wie du wirklich dazu kommst, das anzunehmen.”
Wir sind doch vom Fach. Und wenn du von uns noch etwas lernen willst, was du unbedingt tun solltest, dann musst du ganz offen zu uns sein, nicht wahr, Senta?”
Senta wird nicht antworten. Und es fühlt sich gut an, dass sie mir zutraut, allein klarzukommen.
“Was nutzt eine Karnevalsmaske, wenn Menschen da sind, di wahrhaft sehen können.”

Otti wendet sich abrupt ganz von mir ab, wahrscheinlich auch, damit ich ihr enttäuschtes Gesicht nicht sehe. Sie hhat bestimmt erwartet, dass ich auf ihre Anbiederung hereinfalle. Sie hat es sehr eilig den Raum zu verlassen. Hinter ihr fällt die Tür krachend ins Schloss.

Und als die Tür ins Schloss gefallen ist, fühle ich mich plötzlich unheimlich geschwächt. Ich merke, wie viel Kraft mich dieser geistige Kampf gekostet hat, und wie viel Kraft das Otti mir geraubt und für sich mitgenommen hat. Reste meiner Lebensgeister sind bestimmt immer noch da. Aber wo sie sind, weiß ich einfach nicht.

Senta greift in ihre große Handtasche und holt eine Flasche und zwei kleine Plastikbecher heraus. Sie füllt einen Becher für mich und gibt ihn mir. Dann gibt sie sich selbst einen Klaren und steckt die Flasche wieder ein. Ich stehe da mit dem Plastikbecher in der Hand und muss unwillkürlich an die Bernhardiner im Lawinendienst denken. Die haben auch immer ein Fläschchen dabei, mit deren Inhalt die Lebensgeister der Lawinenopfer geweckt werden sollen. Ich schüttele den Kopf. Ich bin erst 12 und kein Lawinenopfer, oder vielleicht doch? Senta sieht mich ruhig und freundlich an und meint:
“Felicitas, ich werde dich nicht an die geistigen Getränke gewöhnen. Und ich bin mir sicher, dass du es von dir aus auch nicht tun wirst. Dazu weißt du zu genau, dass viel nicht unbedingt viel hilft, und dass Gewohnheiten einen auch nicht immer schützen. In diesem Sinne ausnahmsweise, prost!”
Sie stößt mit mir an. Und ich trinke den Klaren auf ex. Am Niederrhein sagt man: “So’n Schnäpske, so’n klaren els, den wärmt van binne un van bute!”
Und es stimmt wohl. Denn das, was mir an Restwärme geblieben ist, strömt durch mein Inneres. Und die wärme, die in diesem Raum ist, die von Senta kommt, umgibt mich plötzlich, dass mir wohlig warm wird. Und ich fühle, wie meine Lebensgeister wieder fließen.

Senta nimmt mir den Becher wieder ab und gibt mir ein Pfefferminz. “Hast du außer deiner Oma Isabel noch einen Schutz?”
Ich nicke.
“Seit ich Kampfsport mache, habe ich einen Puma. Und es fühlt sich so an, als ob dieses Tier immer in mir ist. Normalerweise ist es wie eine kleine, schwarze Katze, aber wenn Gefahr droht, z. B., als mich meine Cousins gejagt und mit Steinen beworfen haben, wird es ganz plötzlich zu einem Puma und gibt mir Kraft.”
“Das ist gut! Und du wirst beide dringend brauchen.Denn eins ist klar. Das ist keineswegs das Ende. Und Otti ist nicht allein. Sie kann zwar nicht so viel, wie sie und alle anderen denken, aber gerade das macht sie gefährlich!”
Obwohl ich weiß, dass das alles stimmt, ist es gut, dass Senta diese wahren Worte gelassen ausspricht. Und sie spricht ruhig weiter:
“Du bist nicht wie ein 12jähriges Kind. Sie sagt, für wie gefährlich sie dich hält. Und doch wird sie dich immer unterschätzen!” Und nach einer kurzen Pause meint sie:
“Wir gehen jetzt besser wieder da ‘raus, obwohl uns sicher niemand vermisst!”

Wir gehen aus dem Raum. Die Hochzeitsgesellschaft befindet sich größtenteils immer noch auf dem Kirchplatz. Mein halber Onkel Edwin kommt auf mich zu. Seine Nase ist schon leicht gerötet. Er hat zwei Sektgläser in der Hand. Er gibt mir ein Glas und sagt übertrieben laut: “Prost, Lici! In solche wie dich passt schon ordentlich was ‘rein, nich wahr?”
Ich schlucke das Pfefferminz herunter und nippe an dem Sekt. Das wird auf keinen Notfall mein Getränk. So viel steht fest. Ich proste Edwin zu und gehe dann herum, um anderen zuzuprosten. Aber ich trinke nicht weiter. Auch, als ich mit den Brautleuten anstoße, nehme ich keinen weiteren Schluck aus dem Glas. Schließlich bewegt sich die Gesellschaft auf den Rappen zu. Und ich gieße den Sekt im Vorübergehen in einen der Betonblumenkübel. Vielleicht können die Pflanzen das Wasser mit Alkohol und Kohlensäure besser vertragen.

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