Literatur jenseits des Preisverdachts

Guten Tag Ihr Lieben,

heute morgen war wieder ein Newsletter des Uschtrinverlags mit Auschreibungen für Literaturwettbewerbe in meinem Posteingang. Diesen könnt Ihr, wenn Ihr Euch traut an Wettbewerben teilzunehmen oder Euch für ein Literaturstipendium zu bewerben über die Internetadresse http://www.uschtrin.de abonnieren. Bei mir macht sich, was die Wettbewerbslandschaft im Bereich Literatur betrifft, allmählich Resignation breit. Denn zu häufig finde ich Anzeigen wie diese: (1)
http://openmikederblog.wordpress.com/
= 22. open mike – Internationaler Wettbewerb junger deutschsprachiger Prosa und Lyrik
Am open mike teilnehmen können deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die nicht älter sind als 35 Jahre und weder eine eigenständige literarische Buchpublikation (betrifft auch E-Books) vorzuweisen noch einen Vertrag bezüglich einer Buchpublikation mit einem Verlag abgeschlossen haben (Stichtag 10.07.2014). Eingereicht werden kann entweder kurze Prosa, ein in sich geschlossener Auszug aus einem längeren Text oder Lyrik. Die Texte dürfen weder veröffentlicht noch zu einem anderen Wettbewerb oder Stipendium eingereicht worden sein, das betrifft auch Veröffentlichungen im Internet, in Zeitschriften, Anthologien und Dokumentationen jeder Art sowie Lesungen. Dotierung: insgesamt 7.500 Euro. Einsenden bis 10. Juli 2014.

Bei dieser Ausschreibung handelt es sich um einen Wettbewerb, der inzwischen bereits seit etwas mehr als 20 Jahren durchgeführt wird, und der aus diesem Grund mit Fug und Recht zu den traditionellen Wettbewerben gezählt werden kann. Und natürlich sollte es auch im Bereich „junge Literatur“ Förderpreise geben, die Bestand haben. Aber in der Wettbewerbslandschaft scheint es von Wettbewerben, die sich ausschließlich an die Autorengruppe U35 wenden, zu wimmeln. Dies ist eine der beiden Hauptströme, die es in der Wettbewerbsszene gibt. Denn neben Wettbewerben für Autoren bis 18 oder bis 35 Jahren findet man als weitere große Gruppe mit Literautrwettbewerben, die einen regionalen Bezug haben. So wie ich für die Nachwuchsförderung bin, bin ich grundsätzlich auch für den föderativen Gedanken, was auch bedeutet, dass Regionen Wettbewerbe ztu Themen ausschreiben, die für den Standort von Bedeutung sind. Aber allmählich wachsen bei mir die Zweifel , ob diese Art der Wettbewerbslandschaft als angemessene Literaturförderung bezeichnet werden kann.

Seit mehreren Jahren beobachte ich, welche Literaturwettbewerbe angeboten werden. Und ich muss zugeben, dass ich damit angefangen habe, als ich schon nicht mehr zur Gruppe der Autoren U35 gehörte. Man könnte bei mir in diesem Zusammenhang durchaus einen Neidfaktor unterstellen. Und es ist wahr, dass ich mich anfänglich über jeden Wettbewerb geärgert habe, für den ich zu alt und bezogen auf den regionalen Bezug nicht in Frage kam. Inzwischen hat aber durchaus die Sachlichkeit die Oberhand gewonnen. Und so stellen sich mir immer wieder einige Fragen.
Wie viele spät berufene Autoren schreiben Gedichte, Theaterstücke und Prosa, die förderungswürdig ist? Sind wirklich so viele Themen, die literarisch behandelt werden, altersbezogen?
Fördert eine „alterslose Wettbewerbslandschaft“ nicht auch den Dialog über wichtige Themen?
Wie viel regionalen Bezug brauchen Themen, die in einer Region gerade wichtig sind?

Natürlich gibt es noch viele weitere Aspekte, über die man nachdenknen und diskutieren kann. Also schreibe ich in diesem Artikel nur noch einige Anmerkungen, die mir immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden, wenn wieder Ausschreibungen in meinem Postfach landen.
Die Teilnahme ein Literaturwettbewerben und gewonnene Preise sind inzwischen auch für die Vita eines Autors nicht mehr unbedingt ein Aushängeschild. Denn es ist bei literarisch Interessierten hinlänglich bekannt, wie viel „gekleckert“ und wie wenig belohnt oder gefördert wird. Ein interessanter Aspekt ist, das Preisgelder gleichgültig, wie hoch der Betrag ist, nicht versteuert werden müssen.Aber auch finanziell wird mehr gekleckert als geklotzt. So ist es sehr mühselig, wenn man sich das Geld für eine Veröffentlichung in einem Zuschuss- oder Privatverlag mit Hilfe von erworbenen Preisgeldern zusammensparen möchte. Das gilt natürlich vor allem, da für viele Autoren die ausgeschriebenen Wettbewerbe für junge Literatur und für bestimmte Regionen gar nicht in Betracht kommen. Und wie viel Zeit und Mühe kostet es Literatur zu verfassen, die auf die Wettbewerbskultur zugeschnitten ist? Wie viel Zeit und Kraft bleiben dann noch für die eigene Kreativität?

Für mich steht fest, dass ich diesen Wettbewerbsbetrieb noch beobachte, dass ich aber nicht auf dieses Karussell aufspringe. Zumindest, was die Zeit, die Kraft und die Kreativität betrifft, bleiben auf jeden Fall genug Möglichkeiten jenseits des Preisverdachts zu schreiben.Damit ich nicht noch weiter ab- und ausschweife lasse ich es damit erst einmal bewenden und wünsche Euch allen mit oder ohne Wettbewerbe und Preise alles erdenklich Gute für Eure Projekte!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

P.S.: Es gab auch einmal einen Literaturwettbewerb für gestandene Frauen, für den ich mit noch nicht ganz 44 Jahren zu jung war. – Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel! 😉

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