Braillezeilen oder wie Punktschrift am Computer funktioniert

Liebe Leserinnen und Leser,

da Stella Engel erwähnt, dass ihr irdischer Vorgesetzter, der ja vollblind ist und als Diplominformatiker die EDV der Seherline programmiert hat und verwaltet, mit einer Braillezeile arbeitet, enthält dieser Artikel eine kurze Informationen aus Wikipedia zu diesem Hilfsmittel.
In Wikipedia werden Braillezeilen bzw Brailledisplays wie folgt beschrieben:
“Die Braillezeile, kurz Zeile, oder Brailledisplay ist ein Computer-Ausgabegerät für Blinde, das Zeichen in Brailleschrift darstellt. Üblicherweise werden sie durch Screenreader angesteuert, die Zeichen in ausgewählten Bildschirmbereichen auslesen und in Computerbraille darstellen. Dadurch können Blinde große Teile der Standardsoftware benutzen und selbstständig am Computer arbeiten.

Die Funktion der Brailleschriftdarstellung basiert auf dem piezoelektrischen Effekt speziell gezogener Kristalle, die sich beim Anlegen einer elektrischen Spannung verbiegen und damit dann einen Stößel als Punkt aus einer Fläche herausragen lassen, elektronisch gesteuert, um die Zeichen in Blindenschrift aufzubauen. Die Benutzer können mit ihren Fingerkuppen die Zeichen abtasten. Es gibt Braillezeilen, die 20, 40 oder 80 Zeichen darstellen können.

An der Braillezeile sind Steuertasten angebracht, mit denen der dargestellte Bildschirmausschnitt verschoben werden kann.

Da für die Arbeit am Computer mehr Zeichen notwendig sind, als sich mit sechs Punkten darstellen lassen, wird zu den drei Punktzeilen der Standard-Brailleschrift oft eine vierte Zeile hinzugefügt, sodass acht Punkte zur Verfügung stehen. Auf diese Weise erhält man 256 Kombinationen. Die Codierung der Standardzeichen bleibt dabei jedoch weitestgehend gleich, die letzte Zeile bleibt lediglich leer.

Alternativ können Screenreader auch eine Sprachausgabe bieten. Gegenüber dem Vorlesen sind Braillezeilen genauer und geben Wort für Wort wieder. Somit kann auch die Rechtschreibung direkt überprüft werden, ohne dass die Sprachausgabe buchstabieren muss.

Da Braillezeilen nur in kleinen Stückzahlen hergestellt werden, sind die Produktionskosten entsprechend hoch. Der Anschaffungspreis für eine Zeile, die 80 Zeichen darstellen kann, beträgt ungefähr 10.000 €. Die Kosten hierfür werden in Deutschland bei vorliegender Indikation von der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. In Österreich werden die Kosten von den Bundessozialämtern und den Ländern erstattet.”

In dem Artikel von Wikipedia, den ich hier auszugsweise zitiert habe, findet Ihr auch bildliche Darstellungen, die Brailledisplays und ihre Funktion anschaulich machen. Da sowohl Braillezeilen als auch die Sprachausgaben, die ebenfalls über die Screenreaderprogramme gesteuert werden, den Inhalt des Computerbildschirms nur auszugsweise darstellen oder vorlesen, kann die Arbeit an Computern für blinde Nutzer effizienter und vereinfacht werden, wenn beide Komponenten zur Verfügung stehen. Blinde, die eine Braillezeile beantragen, können die Computer für ihren Heimarbeitsplatz, also für den privaten Bedarf, bei ihrer Krankenkasse beantragen. Wer einen Computer allerdings für seine Arbeit benötigt, muss seinen Antrag bei öffentlichen Trägern wie Arbeitsagentur oder dem sog. Integrationsfachdienst einreichen. So werden sowohl Leo als auch Bendix ihre Arbeitsplatzausstattung über einen der öffentlichen Träger erhalten haben, da sie sie für ihre Arbeit einsetzen.

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Quelle:

de.wikipedia.org/wiki/Braillezeile

Raela

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

hier kommt das fünfte Kapitel des Engelbuches, in dem sich Stella zu ihrem Zuhause kommt. Wer neu ist und die ersten vier Kapitel noch nicht kennt, kann die Kategorie Engelbuch mit Bonusmaterial anklicken und sich vom ersten Kapitel, der Auftrag hoch arbeiten.
Viel Freude damit!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Raela
Das Haus, in dem Raela wohnt, und in dem ich ab sofort auch leben werde, ist aus rotem Ziegelstein gebaut und hat einen spitzen Giebel. Es ist ein älteres Haus. Die Fenster im Erdgeschoss sind mit grünen Fensterläden versehen. Im ersten Stockwerk sind Rollläden angebracht. Die Haustür ist eine moderne Glastür aus Sicherheitsglas. Doch auch ihr Rahmen ist grün gestrichen. Direkt an das Haus ist eine Garage angebaut, deren Tor offen steht. Die Garage ist noch vollkommen leer. Das Häuschen befindet sich nicht direkt an der Straße. Es gibt einen liebevoll gepflegten Vorgarten, durch den ein gepflasterter Weg auf das Haus zuführt, und der durch ein kleines hölzernes Gartentor und einen Jägerzaun begrenzt wird

Wenn man auf den Klingelknopf bei der Haustür drückt, ertönt der Westminsterschlag. Während ich darauf warte, dass mir Raela öffnet, fällt mir plötzlich ein, dass ich mich nicht mehr erinnern kann, wen mir Gabriel bei dem Personalgespräch gezeigt hat. Doch ich entsinne mich, dass ich direkt ein gutes Gefühl hatte. Und als mir Raela die Haustür mit Schwung öffnet, weiß ich, dass mich mein erster Eindruck nicht getäuscht hat. Denn zur Begrüßung springt mir eine kleine, lebhafte Person herzlich um den Hals.“Guten Abend, Stella!“ ruft sie überschwänglich.Bei ihrem Anblick muss ich unwillkürlich an ein Wiesel oder Eichhörnchen denken. Alles an ihr ist klein, zierlich und lebhaft. Sie strotzt vor Energie und Lebensfreude. Sie ist nur 1.56 m groß und hat dunkle, knopfartige Augen, die klug und Neugierig in die Welt blicken. Sie hat schwarzes, dickes Haar mit einem roten Glanz, das sie heute Abend als Pferdeschwanz trägt.“Komm doch erst einmal einfach ‚rein, ich zeig‘ dir alles und dann trinken wir einen schönen, frischen Tee mit Marokkominze!“ Ich nicke nur und folge ihr ins Haus. Auch Raelas Stimme ist mir sehr angenehm.“Aber diese Stimme ist bestimmt auch nicht für den herkömmlichen Engelgesang geeignet.“
Denn auch Raelas Stimme ist recht tief, gerade für eine so kleine Person. Sie ist kräftig und leicht aufgeraut. Und dennoch klingt sie sanft. Mit diesem Tempre ist sie bestimmt eine großartige Jazz- oder Rocksängerin.

Mann könnte annehmen, dass Raela ihr Haus bunt und verspielt eingerichtet hat. Aber das ist ein Irrtum. Sie liebt einfache und praktische Dinge. Ihr Haus ist daher im Landhausstil eingerichtet. Im Erdgeschoss gibt es einen Flur, von dem aus man in die Wohnküche, das Wohnzimmer, ein Arbeitszimmer und in ein Gästebad gehen kann. Zwei gerade Holztreppen führen in den Keller und in den ersten Stock.“Das Arbeitszimmer steht dir selbstverständlich für deine Arbeit bei diesem Internetportal zur Verfügung! Ich denke, du kannst mit Computern umgehen.“
Ich nicke.Wir gehen in das Wohnzimmer. Von dort aus führt eine Tür auf die Terrasse und in den Garten hinter dem Haus.
„Den Garten kannst du selbstverständlich auch mitbenutzen!“
„Wie viel Miete willst du eigentlich von mir haben?“
„Zweihundertzwanzig €.“
„Ist das nicht ein bisschen wenig für ein eigenes Zimmer, Arbeitszimmernutzung und freien Zugang zum Garten?“
Raela schüttelt heftig den Kopf.“Ich muss mit diesem Haus kein Geld machen. Die offizielle Version ist, dass ich dieses Haus von meinen Eltern geerbt habe. Es ist keine Hypothek drauf! Ich brauche und mag passende Gesellschaft und will nur die Kosten ‚rausbekommen!“
„Herzlichen Dank! Es ist trotzdem ausgesprochen fair von dir mir diesen Preis zu machen!“

Wir gehen hinauf in den ersten Stock. Dort befindet sich ein geräumiges Tageslichtbad mit Sitzwanne und Dusche. Es gibt einen Handarbeitsraum und unsere beiden Schlafzimmer.
Mein Zimmer ist ungefähr 18 qm groß und wie alle räume einfach und praktisch eingerichtet. Die Möbel sehen neu aus.
„Ich hoffe, es gefällt dir!““Es entspricht genau meinem Geschmack. Ich mag praktische und einfache Dinge.“
Nur die Wände sind noch kahl, einfach mit Deckweiß gestrichen.“Das, was hier bis gestern noch ‚rum stand, konnte man wirklich niemandem Mehr zumuten!“
Aus dem Fenster meines Gartens hat man sicher tagsüber einen wunderbaren Blick auf den Garten.“Mal sehen, was ich mir an die Wände mache. Und ein paar Blumen für die Fensterbank und eine Palme für in die freie Ecke sollten auch sein.“
Raela nickt.“Ich brauche Pflanzen und das Buddeln im Garten als Ausgleich zu meiner Arbeit. Ich hätte auch gern mindestens ein Haustier. Aber das geht mit dem Schichtdienst nicht. Der Garten ist für einen Gärtner schon etwas zu groß. Aber ich liebe ihn einfach.“
Wir gehen die Treppe wieder herunter in die Küche.
„Ich arbeite auch gern im Garten. Das ist also kein Problem.“
„Übrigens, die Waschmaschine, die Gartengeräte und viel Werkzeug sind im Keller. Da müssen wir heute Abend wohl aber nicht hingehen!“
„Natürlich nicht!“

Ich mache es mir auf der Eckbank gemütlich, während Raela einen Tee mit Marokkominze aufgießt. Sie hat nicht nur die Pfefferminzsorte, die in Nordafrika beheimatet ist, sie gießt den Tee auch zweimal auf, wie es im Orient üblich ist. Und bald erfüllt ein wunderbar frischer Duft die Küche. Ich sehe mich genauer in der Küche um. Das Teeregal ist gut bestückt. In den Dosen, die ordentlich auf den Brettern aufgestellt sind, gibt es grünen, verschiedene schwarze Tees und unterschiedliche Kräutertees. Einen Hang zu parfümiertem Tee hat Raela Gott sei Dank nicht. Dann fällt mein Blick auf das Gewürzregal. Und dieser Anblick schmeckt mir nicht. Denn dort gibt es in einer Ecke eine Pfeffer- und eine Salzmühle und in einer anderen Ecke Paprika edelsüß, Knoblauchsalz und Majoran. Ich bin enttäuscht über diesen Anblick. Raela kommt mit dem Tee an den Tisch und setzt sich.
„Ich weiß, dass es mit dem Kochen bei mir nicht weit her ist. Aber für sich alleine zu kochen macht einfach keinen Spaß.“
„Wenn du gern isst, haben wir kein Problem. Jetzt sind wir ja zu zweit, und ich koche ebenso gern wie ich esse.“
Raela lächelt.
„Das ist gut! In diesem Leben, das ich jetzt führe, kann ich so viel essen, wie ich will, ohne dick zu werden.“
„Wie lange bist du denn schon Schutzengel?“
„Seit dem Jahr 1210. Allerdings habe ich von diesen 802 Jahren genau 800 Jahre gearbeitet. Nach dem zweiten Weltkrieg hat man mir von oberster Stelle zwei Jahre Auszeit gegönnt. Das war leider auch dringend nötig. In der ganzen Zeit war ich immer Heilerin, Hebamme, Ärztin oder Krankenschwester. Und immer war ich in Menschengestalt auf der Erde. Zu der allgemeinen Schutzengelstaffel passe ich irgendwie nicht. Und da ich Menschen gut Erden kann, passt es zu mir in Menschengestalt zu arbeiten. Welche Aufgabe hattest du eigentlich früher?“
„Ich gehörte zu denen, die Seelen vor Gott führen.“
„Das ist eine schöne und dankbare Aufgabe. Und man erfährt auch dabei schon viel Leid. Leider gibt es viele Engel, die diese Arbeit unterschätzen.“
„Ich habe diese Aufgabe allen Unkenrufen zum Trotz gern getan. Aber ich brauchte mal eine neue Arbeit!“Raela nickt verständnisvoll.

Der Tee schmeckt und riecht hervorragend. Er erfrischt und wärmt zugleich. Ich fühle mich wohl und angenommen und bin sehr erleichtert darüber, dass ich bei einer so aufgeschlossenen und herzlichen Persönlichkeit wie Raela leben darf.“Aber du darfst dich doch sicher wieder beflügeln und fliegen oder etwa nicht?“
„Ich habe meine Flugerlaubnis nach fünfzig Jahren wieder erhalten!“
Ich schlucke heftig. Denn, obwohl wir Engel ja ewig sind, sind fünfzig Erdenjahre, denen ich ja jetzt ausgeliefert bin, eine ziemlich lange Zeit.
„Inzwischen wird den Schutzengeln die Flugerlaubnis vielschneller wieder erteilt. Vorausgesetzt natürlich, dass sich die Engel auf Erden in ihrer Aufgabe bewähren!“Das tröstet mich etwas. Und da ich weiß, dass mir bestimmte Fortbewegungsarten unter den Bedingungen der Schwerkraft viel Spaß machen, weiß ich auch, was ich zu tun habe. Ich werde mir so schnell als möglich ein Motorrad und Inlines besorgen.
„Bevor ich es vergesse, da sind Unterlagen für dich!“Raela steht auf und geht in das Arbeitszimmer. Sie kommt mit einen großen Umschlag zurück und legt ihn vor mich auf den Tisch.
„Da hat eben auch so’n Typ angerufen und dich für morgen um halb zehn in den Ulmenweg 11 bestellt. Er hat gesagt, er sei dein Chef, und dass er ein Vorstellungsgespräch mit dir führen will.“
„Das ist eigentlich nicht üblich bei diesen Esoterikportalen. .Da melden sich die Leute normalerweise online an, was Gabriel ja auch schon getan hat.“
„Er hat gesagt, dass er das nur ausnahmsweise macht, weil er dich kennen lernen will. Und er besteht darauf, dich kennen zu lernen, weil du noch nicht 25 bist!“
„Es ist ja auch kein Problem. Ich gehe da morgen einfach hin und sehe, was er wirklich will.“Ich habe ein merkwürdiges Gefühl bei dieser Sache.“Ich habe in dieser Woche übrigens Urlaub. Und ich werde mich mal so richtig um den Garten kümmern.“
Ich trinke meinen Tee aus und stehe auf.
„Ich gehe dann mal nach oben und sehe mir den Schriftkram an. Gute Nacht, Raela.
„Gute Nacht, Stella!“Ich gehe die Treppe hinauf in mein Zimmer.

Die Berührung: Engelbuch

Guten Tag Ihr Lieben,

heute geht es mit einem Kapitel aus dem Engelbuch weiter. Stella Engel ist auf der Erde angekommen und hat den ersten Kontakt zu ihrer Schutzbefohlenen. Wer neue ist kann unter der Kategorie Engelbuch mit Bonusmaterial die ersten Kapitel lesen. Der Auftrag, die Entsendung und wenn Engel reisen erzählen, was bisher bereits geschehen ist,

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Die Berührung

Ich öffne die Augen. Es ist bereits fast dunkel. Es muss also ungefähr zehn Uhr abends sein, denn wir haben den 21. Mai. Ich stehe auf einer Wiese in einem Park. Und ich weiß, was ich zu tun habe. Schließlich hat mir Gabriel den Anfang meiner Mission gezeigt.
Ich gehe mit zügigen Schritten von der Wiese auf den Weg, der zu einem der Ausgänge des Parks führt. Ich habe den Park noch nicht verlassen, als ich ein Auto mit hoher Geschwindigkeit auf der Straße höre. Dann folgt ein Aufprall. Und das Auto braust davon. Ich beginne zu rennen. Am Ausgang des Parks wende ich mich nach rechts und laufe an der Bushaltestelle vorbei. Ich weiß, wo Magdalena liegt. Während ich laufe, schaffe ich es tatsächlich meine Gedanken auf die Schritte und auf das zu lenken, was ich zu tun habe. Und als ich die Stelle erreiche, an der Magdalena liegt, bin ich innerlich vollkommen ruhig. Magdalena liegt bewusstlos da. Damit ich sie schützen kann, damit wir sofort miteinander verbunden sind, muss meine Menschenhand wieder zu einer Engelhand werden. Nur eine Engelhand kann einen schwer Verletzten so sanft und doch so stark berühren, dass er ein Siegel bekommt, das der Tot nicht antasten kann, und das doch so sanft ist, dass die Heilung beginnen kann. Und dieser Schutz ist so, dass die meisten Menschen ihn nicht bemerken. Denn man kann das Siegel nicht sehen oder fühlen. Obwohl man diese Fähigkeit auch als Schutzengel in Menschengestalt selten braucht, habe ich sorgfältig geübt, was ich tun muss, um meine Hand zur Engelhand zu verwandeln. In dieser Hinsicht bin ich wie als Mensch auch ein Linkshänder. Ich richte, mein drittes Auge konzentriert auf meinen linken Handrücken und bin erleichtert, dass meine Hand zu leuchten beginnt. Sie erfüllt sich mit einer besonderen Wärme, Kraft und mit einem rotgoldenen Glanz. Ich beuge mich sanft zu Magdalena herunter und berühre sie mit der Hand, die von Herzen kommt, am Kopf, der schwer verletzt ist und am Herzen. Danach richte ich mich wieder auf und mache das Kreuzzeichen über ihr. Und in der ganzen Zeit halte ich den Blick meines dritten Auges auf meine Hand gerichtet. Danach wende ich meinen Blick von meiner Hand ab. Das Leuchten und die Wärme hören sofort auf.
Ich greife in die Tasche meiner Lederjacke. In der Tasche, in der sich mein Personalausweis befindet, steckt auch ein flaches Handy. Ich habe gelernt mit den technischen Dingen sicher umzugehen. Ich nehme das Handy und wähle die Nummer des Notrufs.Ich melde den Unfall. Und es fällt mir überhaupt nicht schwer, dass ich dabei meinen neuen Namen sagen muss. Und wo wir sind, weiß ich, weil ich das Schild an der Bushaltestelle gesehen habe. Wir sind in der Nähe der Bushaltestelle Venuspark.
Als ich das Handy wieder eingesteckt habe, ist es um mich her wieder sehr still. Und jetzt habe ich nichts zu tun als zu warten. Und prompt fechten mich Gedanken des Zweifels an. Habe ich wirklich alles richtig gemacht? Genügt, was ich getan habe? War es wirklich nur mein Auftrag Magdalena zu retten? Oder hätte ich den Unfall verhindern müssen? Und dann ist die alte Frage auch wieder da, warum Menschen einander so viel Leid zufügen. Und als mir diese Frage durch den Kopf geht, die ich mir in meiner Zeit als Seelenführer schon so oft gestellt habe, beginne ich mit mir selbst zu schimpfen.“Stella Engel, du bist ein blutiger Anfänger! Du müsstest doch wirklich langsam begriffen haben, was es mit dem freien Willen der Menschen auf sich hat, und wie Schaden wieder gut gemacht wird.“
Dann höre ich die Martinshörner. Polizei und Notarztwagen kommen gleichzeitig am Unfallort an. Die Sanitäter kümmern sich um Magdalena. Jetzt wird sich gleich zeigen, ob es mir gelungen ist, das Band zwischen Magdalena und mir richtig zu knüpfen. Und als die beiden Männer die Bahre, auf der Magdalena liegt, in den Krankenwagen geschoben haben und los fahren, kann ich dem Geschehen in dem Auto folgen ohne bewusst hinsehen oder hinhören zu müssen. Und ich bin unendlich erleichtert. Und obwohl meine Gedanken und Gefühle Magdalena mühelos begleiten können, kann ich die Fragen der Polizisten beantworten. Als hätte ich nie etwas anderes getan, zücke ich meinen Personalausweis, als mich die junge Polizistin nach meinem Namen fragt. Und auch diesmal kommt mir mein Name ganz leicht über die Lippen. Ich erzähle den beiden Beamten, dass ich einen Spaziergang im Park gemacht habe, als plötzlich das heranfahrende Auto und der Aufprall zu hören waren. Um meine Aussage zu Protokoll zu geben, fahre ich mit den Polizisten zum Revier. Als wir an der Polizeistation ankommen, stelle ich fest, dass Magdalena bereits in den Operationssaal gebracht wird.
Es dauert nicht lange das Protokoll anzufertigen. Die beiden Beamten, die mich zum Präsidium gebracht haben, bieten mir freundlicherweise an, mich nach Hause zu bringen und ich nehme dankend an. Und so stehe ich um viertel nach elf vor meinem Zuhause im Brunnenweg 12. Ich muss klingeln, denn einen Schlüssel habe ich zu dem Haus, das meiner Mitbewohnerin gehört, noch nicht. Ich klingele, und während ich darauf warte, dass mir Raela öffnet,höre ich eine mir wohlvertraute Stimme.
„Stella, das war eine gute Arbeit!“
„Herzlichen Dank, Herr und Meister!“

„Stella, ich heiße Gabriel!“

„Herzlichen Dank, Gabriel!“

„Na, geht doch! – Aber da nicht für!“

Die Entsendung: Engelbuch

Tach zusammen,

hier kommt das zweite Kapitel über die Erlebnisse des Schutzengels Stella Engel. Nachdem sie schon in Menschengestalt ihren Auftrag bekommen hat, folgt jetzt die offizielle Verabschiedung nach Engelart. Ich wünsche Euch viel Freude dabei!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Die Entsendung

Nur wenige Minuten später komme ich in der einzigen Engelhalle des Himmels an. Wahrscheinlich wundert Ihr Menschen Euch darüber, dass wir Engel nur eine Halle haben. Aber diese Halle ist eine Allzweckhalle, die diesen Namen auch verdient. Sie wird je nach Bedarf in Größe und Ausstattung verändert. Die fünfzig Engel im Innendienst, die für Gestaltungsarbeiten zuständig sind, können unsere Halle mit wenigen gekonnten Handgriffen von der großen Flughalle in eine Sporthalle, wie sie auf der Erde üblich ist, umbauen. In dieser Halle habe ich auch Motorradfahren geübt. Zu diesem Zweck war sie zur Stadt umgebaut. Und die anderen haben in ihr Autofahren gelernt.
Als ich in die Halle komme, ist sie als mittelgroßer Festsaal gestaltet. Es gibt eine Empore und eine Bühne. Im Zuschauerraum sind schon viele Engel versammelt. in der ersten Reihe sitzen elf Engel in Menschengestalt, darunter auch Dorothea Glück. Auch ich nehme in der ersten Reiehe Platz. Als ich meinen Platz eingenommen habe, sehe ich mich sorgfältig um. Ich ahne, dass nur wir zwölf gleich verabschiedet werden. Und ich werde noch unruhiger als bisher, weil ich mich frage, wo die andere Hälfte von uns geblieben ist. Ich stelle fest, dass wir alle zwölf eine weibliche Menschengestalt bekommen haben.“Weiß jemand, was mit den anderen aus unserem Seminar geworden ist?“ fragt Dorothea.
„Ja, ich weiß es!“ erklärt ein Engel, der ähnlich exklusiv wie Dorothea gekleidet ist. Sie ist auch blond aber kleiner als Dorothea.“Die Herren der Schöpfung sind schon verabschiedet worden. Sie wurden alle nacheinander nach Ostfriesland oder Bayern entsendet.“
Nachdem sie das gesagt hat, merkt die niedliche Kleine, dass ich auch da bin.
„Wie heißt du jetzt, Derila?“
„Stella Engel! – Und du?“
„Ich heiße Raphaela Gottlob! – Findest du nicht, dass für dich Stella, der Stern, ein sehr hochgegriffener Name ist?“
Ich schüttele nicht einmal den Kopf. Und ich antworte natürlich auch nicht.
Kaum haben sie ihre Menschengestalt scheinen sie ihre Engelhaltung verloren zu haben und werden schwatzhafter denn je. Die Aufgeregtheit ihres Geschwätzes greift auf mich über. Aber ich bleibe äußerlich vollkommen ruhig. Ich höre, dass sie reden. Aber ich höre nicht dabei zu, was sie sagen.Plötzlich knufft mich Dorothea in die Seite:
„Sag‘ mal, Derila, äh, Stella, bist du nicht wenigstens auch ein bisschen aufgeregt, oder hast du was von diesem Menschenzeug genommen?“
„Ja, ich bin auch aufgeregt. Und nein, ich habe keine Beruhigungsmittel genommen!“

Dann geht die Tür neben der Bühne auf. Ein Trompetensignal kündigt das Kommen der Musiker und Sänger an. Der Engel mit der Trompete ist der Dirigent. Er schwebt vor den Harfenisten und Sängern in den Saal. Die Sänger und Harfenspieler nehmen auf der Empore Aufstellung. Mir fällt auf, dass es auch im Musikkorps einen Führungswechsel gegeben hat. Der Dirigent ist ein freundlicher, großer Engel, der leicht und beschwingt seine Musiker und Sänger anführt. Dieser Engel ist so freundlich und so beschwingt, dass selbst ich fast glauben kann, dass Musik eine schöne, dankbare und einfache Engelaufgabe ist. Und diesem angenehmen Anblick zum Trotz steigen in mir augenblicklich unangenehme Erinnerungen auf. Wenn ich eine oder mehrere Harfen sehe, wird mir immer mulmig. Die vielen Saiten der Instrumente sind mir alles andere als geheuer. Ich bin eben doch ein Grobmotoriker vor dem Herrn. Und ich bin froh, dass Gott sei Dank noch niemand auf die Idee gekommen ist, mir eine Harfe in die Hände zu geben. Allerdings wurde ich irgendwann von meinem ehemaligen Vorgesetzten, der hoffte, mich loswerden zu können, zu einer Gesangsprobe geschickt.
„Jeder Engel muss einmal das Singen ausprobieren.“
Also ging ich zu einem öffentlichen Vorsingen, bei dem ungefähr 25 Engel Testgesänge anstimmen sollten. Ich war die Erste, auf die der Dirigent zeigte. Also ging ich auf die Bühne und sang. Zunächst kam es mir so vor, als sei der Dirigent viel freundlicher als mein Vorgesetzter. Er ließ mich lange vorsingen und schien geduldig zuzuhören. Nach meinem Vortrag hüllte er den Saal auf einen Schlag in vollkommene Dunkelheit. Dann richtete er plötzlich ein gleißendes, gelbes Licht auf mich. Dieses Licht strahlte reine Verachtung aus. Und alle Anwesenden konnten mich überdeutlich sehen.“Das ist das absolut abschreckendste Beispiel für Engelgesang, dass ich je ertragen musste. Textsicherheit und die Beherrschung der Melodie macht noch keinen Engelgesang. Das ist nur ein abscheuliches, melodiöses Grollen. Da wird auch nicht mehr draus! Aber, wenn man ein Donnerrollen erzeugen will, muss man keinen Engelchor engagieren. Engelgesang hat gefälligst immer und überall lieblich zu klingen. – Also augenblicklich abtreten!“
Während ich geduckt davon schwebte, schickte mir der Dirigent eine ganze Zeit lang hönisches Licht in einem anderen Gelbton hinterher. Niemand, der dabei war, wird diese effektvolle Demütigung jemals vergessen.

Nachdem die Sänger und Harfenisten auf der Empore Aufstellung genommen haben, beginnen sie sofort zu singen und zu spielen. Und ich gebe gern zu, dass mir diese Musik sehr gut gefällt, obwohl ich während des Vorbereitungsseminars meine Liebe zur menschlichen Rockmusik entdeckt habe. Ich freue mich von Herzen an den himmlischen Klängen. Und sie geben mir meine innere Gelassenheit wieder. Noch während das Musikkorps spielt, öffnet sich die Saaltür neben der aufgestellten Bühne abermals, und die zwölf Erzengel kommen herein. Sie schweben auf die Bühne. Und die Erzengel stimmen in den Gesang des Chores ein.

Nachdem das Lied verklungen ist, lässt der Erzengel Michael eine kurze Pause zu. Dann tritt er feierlich vor und beginnt zu sprechen. Auch seine Stimme klingt sehr freundlich. Sie ist nicht ganz so tief wie die Stimme von Gabriel, und sie klingt noch etwas klarer.“Sehr geehrte Kollegen,

ich heiße Euch im Namen aller zwölf Erzengel herzlich willkommen! Wir sind heute zusammengekommen, um die zweite Schutzengelstaffel des Jahres 2012 zu verabschieden, bevor wir sie auf die Erde entsenden.“
Als er das gesagt hat, fällt mir wieder einmal angenehm auf, das Worte wie entsenden, wenn sie von einem der Erzengel ausgesprochen werden, niemals überheblich, schwülstig, altbacken oder geziert klingen. Das ist oft ganz anders, wenn dominante Bosse wie mein früherer Vorgesetzter oder moderne Menschen, die sich für wichtig halten, solche Dinge sagen. Ein Grund dafür ist wohl, dass Erzengel, obwohl sie wie alle anderen Engel übernatürliche Wesen sind, die aber natürliche Autorität, Güte und Freundlichkeit ausstrahlen. Man kann ein Schutzengel werden und viele Fähigkeiten entwickeln. Man kann auch ein Wächter- oder Innendienstengel werden und viele Fähigkeiten entfalten. Aber Erzengel kann man nicht werden. Erzengel ist man.

Erzengel Michael drückt in seiner Rede die Freude und den Stolz Gottes und der Erzengel darüber aus, dass auch in diesem Jahr 24 hervorragende Schutzengel an dem Vorbereitungsseminar erfolgreich teilgenommen. haben Und lobend erwähnt er, dass jeder der Engel, die am Seminar teilgenommen haben, sich zu einer außergewöhnlichen Schutzengelpersönlichkeit in Menschengestalt entwickelt hat. Kaum hat er das gesagt, sehen meine elf Gefährtinnen mich mit unterdrücktem Argwohn an. Und mir reicht es allmählich. Ich bin doch nur so, wie ich bin. Ich habe nichts Unrechtes getan. Und womit sollte ausgerechnet ich mir das Wohlwollen Gottes oder der Erzengel erschlichen haben? Danach erfahren wir, dass die erste Staffel der neuen Schutzengel bereits erfolgreich entsendet wurden und in Ostfriesland sind. Als meine Gefährtinnen das hören, beginnen sie aufgeregt zu tuscheln.“Und wir kommen auch alle in eine Region. Man sieht sich also!“ sagt Dorothea zu mir.
Ich frage mich, warum sie ausgerechnet mich wieder sehen will. Wahrscheinlich wartet sie nur darauf zu erfahren, dass und wie ich versage.“Und nun wird jeder neue Schutzengel von einem Erzengel zu sich gerufen. Und wenn alle zwölf auf der Bühne sind, werdet ihr nacheinander entsendet.“
Dorothea knufft mich in die Seite:
„Und du bist bestimmt wieder die Letzte!“
Ich reagiere nicht.

Nach einer kurzen Pause ruft Michael Dorothea zu sich. Danach werden auch alle anderen von einem Erzengel aufgerufen. Immer, wenn einer der neuen Schutzengel auf die Bühne schreitet, spielen und singen die Musiker ein Kurie. Damit erbitten die Engel für die Schutzengel und für die, die sie zukünftig beschützen werden, Gottes Erbarmen. Als Letzte werde ich von Gabriel auf die Bühne gerufen.

Als schließlich alle Erzengel und die neuen Schutzengel auf der Bühne versammelt sind, beginnen die Harfenisten eine Melodie zu spielen, zu der es keinen Text für den Engelchor gibt. Die Tür, durch die die Musiker und die Erzengel in den Saal gekommen sind, färbt sich golden. Erzengel Michael sagt noch einmal Dorotheas Namen. Sie schließt die Augen und Michael begleitet sie als ihr Führer zur Tür. An der Tür angekommen, zeichnet Michael sein Siegel auf Dorotheas Stirn, berührt sie noch einmal und dann geht die Tür von selbst auf, und sie tritt immer noch mit geschlossenen Augen, wie man es uns gesagt hat, durch die Tür, die sich hinter ihr wieder von selbst schließt. Was sie uns nicht gesagt haben, ist, dass während der gesamten Zeremonie die zauberhafte Melodie, die wohl eigens zu diesem Anlass komponiert wurde, ertönt. Danach werden nacheinander alle meine Gefährtinnen von ihrem Engelführer verabschiedet. Und auch dieses Mal bin ich wieder die Letzte, was mich wie immer keineswegs stört.

„Stella Engel!“ sagt Gabriel schließlich zu mir. Und es kommt mir so vor, als ob seine Stimme noch freundlicher und tiefer klingt als sonst. Ich schließe meine Augen. und es wird vollkommen dunkel um mich her und in mir. Aber, obwohl ich das noch nie erlebt habe, beunruhigt es mich nicht. ich lasse mich von Gabriel zu der goldenen Tür führen. Und es ist so, als ob mich auch der wunderbare Klang der Harfen führt und trägt. Mir fließt eine neue Kraft durch Gabriels Hand und die Klänge zu. An der Tür angelangt, bleiben wir, mein Engelführer Gabriel und ich einen Augenblick stehen. Dann zeichnet mir Gabriel sein Siegel, das mir Schutz und Kraft geben wird, auf die Stirn.“Gottes Segen für dich und alle, die du beschützen wirst!“ sagt Gabriel leise und berührt mich an der Brust, da wo mein Menschenherz schlägt, und ich gehe mit geschlossenen Augen geradewegs durch die Tür.

Paula Grimm, 2012

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