Simbas gute Nachtgeschichten: So inspirierend kann die Anwesenheit eines Katers sein!

Guten Tag Ihr Lieben,
wie inspirierend die Anwesenheit einer Katze, Verzeihung, eines Katers, sein kann, zeigen die Geschichten in Simbas gute Nachtgeschichten von Neko Kittycat, die ja auch für das Geheimnis der Katzen verantwortlich zeichnet, was hoffentlich bald weitergeht. Die gute Nachtgeschichten erschienen am 02. April 2015 in der Kindleedition. Das Büchlein kostet als Download 02,99 € und kann von Kindleabonnenten auch kostenlos heruntergeladen werden.

Ich hatte schon länger vor mir diese Geschichten über die Sprachausgabe meines iPhones vorlesen zu lassen. Und am Sonntagnachmittag habe ich mir die Zeit für die Kurzgeschichten genommen. Die erste Geschichte geht in die Zeit Altägyptens zurück und beantwortet die frage, wie die Katzen im Reich der Pharaonen zu ihrer Bedeutung in der ägyptischen Kultur gaben. In der nächsten Geschichte geht Neko unter die Seeräuber, zu Henry Martin. Die dritte Kurzgeschichte hat mit Halloween zu tun, es folgt ein ritterlicher Kampf besonderer Art, dann geht es um den Zirkus und schließlich erfahren Leser, wie die Engel das Schleichen lernten.

Was mich ein gaaanz kleines Bisschen enttäuscht hat, war die erste Geschichte. Selbstverständlich ist es eine gute Idee, dass die Ägypterin , die sieht, das eine Katze einer Maus den Garaus macht und damit die Ernte rettet, Katzen in ihren Erzählungen für ihre Zeitgenossen eine mythische Bedeutung verleiht. Und doch hätte ich als Leserin zu gern gewusst, wie sie ihre Begegnung mit der Katze mythisch ausschmückt. Den Entwicklungsverlauf der Katzenverehrung, wie sie in Ägypten verlaufen ist, kennen wir ja aus zahlreichen Dokumentationen etc.

Doch dieses Buch war ein zauberhaftes Lesevergnügen! Und ich habe vier Sterne gegeben, weil ich nicht weiß, wie man im Blindflug 4,5 Sterne bei Amazon verleiht. Das ist sehr schmackhaftes Lesefutter für Katzenfans und für diejenigen, die auch Zauberhaftes in Kurzform mögen!

Liebe Grüße
Christiane (Texthase Online)

Stella Engel: 01. Das Personalgespräch

‚nabend zusammen,

ich möchte dies hier vielleicht wieder beleben und es möglicherweise als Abo auf einem eigenen Blog anbieten. Ich bin gespannt, wie Euch das Gefällt.

01. Das Personalgespräch

Bereits in Menschengestalt warte ich geduldig vor Gabriels Arbeitszimmer. Noch bin ich überhaupt nicht aufgeregt, obwohl ich natürlich weiß, dass mir jetzt die offizielle Verabschiedung und die Erteilung meines ersten Auftrags bevorsteht. Als Mensch bin ich weiblich, rothaarig, habe grüne katzenartige Augen, einige wenige Sommersprossen, bin 1,80 m groß, bin schlank und bin ungefähr 20 Jahre alt. Im Großen und Ganzen bin ich mit meiner menschlichen Gestalt sehr zufrieden. Und auf den heiligen Schein kann ich gut und gern verzichten. Was ich allerdings jetzt schon schmerzlich vermisse, sind meine Flügel. Das ist der einzige Makel, den es hat, wenn man als Schutzengel anfängt. Man bekommt alle Möglichkeiten, die zu einem Schutzengel gehören, aber man verliert zunächst die Flugerlaubnis und die Fähigkeit sich selbstständig zu beflügeln. 


Mit einem Mal geht die Tür von Gabriels Arbeitszimmer auf und gleich wieder zu. Das bedeutet, dass ich noch ein bisschen warten muss. Das stört mich nicht. Was mich aber stört, ist, dass ich plötzlich bemerke, dass mich jemand skeptisch anstarrt. Ich sehe mich um und sehe in das Gesicht eines anderen Engels in Menschengestalt. Sie ist blond und etwa in meinem Alter. Sie hat blaue Augen, ist 1,70 m groß, und sie trägt sehr exklusive Menschenkleidung. Ich erkenne sie nicht. Aber sie war bestimmt in meinem Kurs zur Vorbereitung für Schutzengel. In der Vorbereitungsphase auf unsere Umwandlung zu Menschen und für den Erdeinsatz waren wir 24 Engel. Aber wir haben einander nie in Menschengestalt gesehen, obwohl es in diesem Unterricht auch darum geht, ein menschliches Profil zu entwickeln. Damit wir unter den Menschen nicht auffallen, dürfen wir in unserer Vorbereitungszeit alles ausprobieren, was Menschen tun. Wir dürfen wirklich alles testen, aber wir sehen einander erst bei der offiziellen Verabschiedung in unserer Menschengestalt. Darum erkenne ich mein Gegenüber erst, als sie mich anspricht: Dass sie mich erkennt, liegt sicherlich daran, dass ich schon so verrückt aussehe, wie ich eben bin. 
“Übrigens, Derila, du bist die Letzte!“ sagt sie mit einem schadenfrohen Ton in der Stimme. 
Sie haben mir den Spitznamen Derila, die Verrückte oder Spinnerin, verpasst, weil das menschliche Profil, das ich entwickelt habe, sehr widersprüchlich und chaotisch ist. Ich fahre Motorrad, habe den schwarzen Gürtel in Karate, mache aber auch Qi Gong und Schattenboxen, Stricke gut und leidenschaftlich gern, liebe Rockmusik und starke Frauenstimmen wie Giana Nanini und Tina Turner, skate, knüpfe und koche gern. Und ich mag scharfe Sachen aus aller Herren Länder. Dass ich gern lese und schreibe versteht sich wohl von selbst.“ Macht doch gar nichts, dass ich die Letzte bin. Es heißt ja, die Letzten werden die Ersten sein.“ 


Ich merke durchaus, dass sich mein Gegenüber über meine Gelassenheit ärgert. Aber sie geht nicht einfach weg, sondern sie redet weiter. 
“Ich bin wirklich gespannt, was sie dir aufbrummen.“ 
Das möchte ich auch gern wissen, aber ich habe immer noch keine Angst, dass mir ein Auftrag erteilt wird, der nicht zu mir passt.“ Du wirst nicht glauben, wie ich jetzt heiße, und was mein erster Auftrag ist.“ Mir fällt auf, dass sie furchtbar nörgelt.“ Ich heiße ab jetzt Dorothea Glück. Und ich komme als Kindermädchen in einen sehr wohlhabenden Haushalt mit drei Kindern. Die Mutter wird sterben und zumindest zwei von den Kindern sind sehr verwöhnt. – Gleich am Anfang mehrere Kinder!““ Sie schluckt. Um sie zu trösten, sage ich: 
“ Du hast Zeit alles in Ordnung zu bringen, z. B., weil die Frau nicht gleich sterben wird. Und im Grunde passt dieser Auftrag sehr gut zu dir und deinem exklusiven Geschmack.“ 
ich weiß nicht, was es ist. Vielleicht will sie nicht getröstet werden und hat Lust zum Jammern. Jedenfalls wendet sie sich ab und murmelt: 
“ Man sieht sich bei der offiziellen Verabschiedung!“ 
Dann stolziert sie davon. 


Einen Augenblick später öffnet sich die Tür zu Gabriels Arbeitszimmer wieder, und ich darf eintreten. 
“Sei herzlich gegrüßt, Herr und Meister!“ sage ich, als ich eintrete und mache einen Knicks. “ Sei auch ganz herzlich gegrüßt, Stella Engel. Ich heiße Gabriel und nicht Herr und Meister!“ erwidert Gabriel mit seiner tiefen, freundlichen Stimme. 
“Sei herzlich gegrüßt, Gabriel!“ 
“Na, geht doch!“ 
Ich frage mich, ob ich jemals wirklich begreifen werde, dass eine gesunde Hierarchie keine Förmlichkeiten braucht. In dieser Hinsicht habe ich wohl einen richtigen Schaden genommen durch meinen ersten Vorgesetzten. Seinen Namen habe ich nie erfahren, Weiler von Anfang an auf der Anrede „Herr und Meister“ bestand. Bevor ich zum Schutzengel ausgebildet wurde, war ich ein Seelenbegleiter. Meine Aufgabe war es die Seelen Verstorbener auf dem Weg zu Gott zu begleiten. Das ist auch eine wichtige und schöne Aufgabe. Und ich habe sie getan seit es Menschen auf der Erde gibt. Eine Seele wird immer von zwei Engeln bei diesem Weg begleitet. s ist wichtig, dass jede Seele diesen Weg in die Ewigkeit geht, diesen Weg selbst zurücklegt aber dabei an jeder Seite von einem Engel geschützt wird. Es heißt nicht umsonst, dass die Seele zu Fuß geht. Und für die Ewigkeit, in die die Seele eingeht, ist zu Fuß gehen genau die geeignete Geschwindigkeit. Und weil es viele geschundene Seelen gibt, sind zwei Engel zum Trost und als Helfer dabei. Ich habe in meiner Zeit als Seelenführer sehr viele Seelen begleitet, denen es nicht vergönnt war, sich in Ruhe und Frieden von ihrem irdischen Sein verabschieden zu können. s war eine dankbare Aufgabe. Aber jedes Wesen braucht auch einmal eine andere Arbeit. Und mein Vorgesetzter war das, was man auf Erden wohl einen Stinkstiefel nennt. Er soll übrigens degradiert und versetzt worden sein. Und ich bin wirklich erleichtert, dass Gabriel Geduld mit mir hat.

Gabriel gibt mir ein Mäppchen. Es enthält zwei Dokumente. Das eine ist mein Personalausweis, ausgestellt auf Stella Engel, geboren am 05.01.1991 in Bochum. Und ich bin begeistert wie gut das Lichtbild getroffen ist. Meine Begeisterung steigt fast ins Unermessliche, als ich das zweite Dokument sehe. Es handelt sich um einen brandneuen Motorradführerschein. Er ist selbstverständlich auch auf Stella Engel ausgestellt und trägt als Ausstellungsdatum den 26. April 2012. Während ich meine neuen Papiere betrachte, beobachtet mich Gabriel wohlwollend aber ohne jede Spur von Herablassung. Das kenne ich bisher überhaupt nicht. Ich stecke das Mäppchen in die große Brusttasche der schwarzen Lederjacke, die ich trage.

“ Stella, einen so sprachbegabten Engel haben wir bislang noch nie im Schutzengelseminar gehabt. Du hast so schnell wie niemand zuvor alle Tier- und Menschensprachen gelernt.“ 
“Dafür hattet ihr aber auch noch niemanden im Schutzengelseminar, der ein derart chaotisches Profil entwickelt hat!“ 
Dass Gabriel meinen Gedanken folgen kann, weiß ich. Aber ich wundere mich, dass er überhaupt reagiert und in herzlichem Ton sagt: 
“Öfter was Neues. Und Vielfalt hat noch nie geschadet und macht Freude!“ 
Damit ich mich leicht daran gewöhne, hat Gabriel bisher nach Menschenart mit mir gesprochen. Damit ich aber an Leib und Geist erfahre, dass ich selbstverständlich immer noch ein Engel bin, zeigt er mir die Einzelheiten meines Schutzauftrags in der Art, wie wir Engel kommunizieren. Unsere Verständigung ist eine blitzschnelle Gedankenübertragung. Und auf diese Weise zeigt mir Gabriel im Bruchteil einer Sekunde, wen ich zu beschützen habe, und was sie erlebt hat. Es ist nicht wie in einem Film, in dem man nur hört und sieht, was geschieht.

Ich sehe und höre nicht nur, was Magdalena Zindler, die ich beschützen und deren Leben ich neu ordnen soll, erlebt hat. Ich fühle auch, wie sie den Unfall erlebt und überlebt hat, den sie vor 40 Jahren hatte, und der sie ihr Augenlicht gekostet hat. Ich schmecke die Medizin, die sie für ihren Magen bekommen hat, um ihn von den Nebenwirkungen der anderen Medikamente zu heilen. Ich nehme daran teil, wie sie Punktschrift lernt. Und ich spüre, wie sie den Kontakt zu ihren Mitmenschen, den Tieren und den Dingen ihrer Umgebung erlebt hat. Gabriel zeigt mir natürlich auch einen Teil dessen, was in der nächsten Zeit geschehen wird. Aber davon berichte ich später, wenn es an der Menschenzeit dafür ist. Magdalena ist 45 Jahre alt, so groß wie ich, hat schwarzes Haar und blaue Augen. Sie arbeitet als Übersetzerin für deutsch, russisch, spanisch und englisch. Sie ist ledig und hat keine Kinder. Sie ist Russlanddeutsche und lebte in den ersten fünf Jahren bei ihrer Mutter, die bei dem Unfall, durch den sie erblindete, starb. Danach nahm ihre Tante Olesja sie bei sich auf. Sie lebt inzwischen zusammen mit ihrer Freundin Lea Hafenmeister in einem kleinen Haus, das sie von Olesja geerbt hat. 


Nachdem ich alles, was ich über Magdalena wissen muss, erfahren habe, zeigt mir Gabriel meine eigenen Lebensumstände auf Erden. Ich werde in einer Wohngemeinschaft mit einem anderen Engel in Menschengestalt leben. Sie heißt Raela Liebmann ist als Mensch fünf Jahre älter als ich und arbeitet als Krankenschwester. So weit so gut. Aber ich wundere mich doch sehr darüber, dass ich meine Brötchen als Mensch bei einem Esoterikportal verdienen soll. Nachdem mir Gabriel alles Wesentliche gezeigt hat, lässt er eine Pause entstehen, damit ich mich sammeln kann.
Dann fragt er mich: 
“Hast du noch Fragen, Stella?“ 
“
Ja, ich habe eine Frage, Herr und Meister!“

“Stella, ich heiße Gabriel!“ erwidert mein neuer Vorgesetzter freundlich. 
“Ja, ich habe eine Frage,Gabriel!“
„Na, geht doch!“ 
Der Erzengel sieht mich an und nickt mir zu. Und dabei leuchten seine Augen und sein Heiligenschein besonders freundlich.

“Warum soll ich ausgerechnet in einem dieser Esoterikportale arbeiten?“ 
“Dafür gibt es verschiedene Gründe. Durch diese Arbeit kommst du direkt in Magdalenas Umfeld. Denn dieser Bendix Krämer, der das Portal leitet, ist, wie du gesehen hast, ein Bekannter von Magdalena. Dazu kommt, dass entschieden wurde, diese Szene vom Himmel aus freundlich aber bestimmt ein wenig aufzumischen. Ich bin mir sicher, dass dir der eine oder andere Streich für diese Leute einfallen wird.“ 

Und dann sehe ich etwas, was ich noch nie gesehen habe, und was man auch als Engel sicherlich äußerst selten zu Gesicht bekommt. Auf Gabriels Antlitz zeigt sich ein verschmitztes Lächeln. Obwohl der Schalk in diesem Lächeln deutlich aufleuchtet, sind in diesem Ausdruck keine Spuren von Bosheit oder Schadenfreude zu erkennen. Nur ein kleiner triumphierender Funke und eine Art verspielter Freude leuchtet in seinen Augen auf.Schließlich fragt Gabriel: „Möchtest du sonst noch etwas wissen, Stella?“ 
Ich schüttele den Kopf.“Dann ist es gut! Und denk‘ immer daran, dass du dich jeder Zeit und von überall mit deiner Gedankenkraft an mich wenden kannst.“ 
Ich nicke dem Führer der Cherubim und Seraphinen dankbar zufalls sehr herzlich an. 


Nachdem ich Gabriels Arbeitszimmer verlassen habe, gehe ich zur großen Halle, in der wir verabschiedet und nacheinander zu unseren Erdeinsätzen entsendet werden. Und jetzt wird mir langsam doch mulmig ums Herz.

Vielleicht schreibt Ihr mir, ob Ihr das interessant findet!

Liebe Grüße

Christiane (Paula Grimm bei Texthase Online)

Braillezeilen oder wie Punktschrift am Computer funktioniert

Liebe Leserinnen und Leser,

da Stella Engel erwähnt, dass ihr irdischer Vorgesetzter, der ja vollblind ist und als Diplominformatiker die EDV der Seherline programmiert hat und verwaltet, mit einer Braillezeile arbeitet, enthält dieser Artikel eine kurze Informationen aus Wikipedia zu diesem Hilfsmittel.
In Wikipedia werden Braillezeilen bzw Brailledisplays wie folgt beschrieben:
“Die Braillezeile, kurz Zeile, oder Brailledisplay ist ein Computer-Ausgabegerät für Blinde, das Zeichen in Brailleschrift darstellt. Üblicherweise werden sie durch Screenreader angesteuert, die Zeichen in ausgewählten Bildschirmbereichen auslesen und in Computerbraille darstellen. Dadurch können Blinde große Teile der Standardsoftware benutzen und selbstständig am Computer arbeiten.

Die Funktion der Brailleschriftdarstellung basiert auf dem piezoelektrischen Effekt speziell gezogener Kristalle, die sich beim Anlegen einer elektrischen Spannung verbiegen und damit dann einen Stößel als Punkt aus einer Fläche herausragen lassen, elektronisch gesteuert, um die Zeichen in Blindenschrift aufzubauen. Die Benutzer können mit ihren Fingerkuppen die Zeichen abtasten. Es gibt Braillezeilen, die 20, 40 oder 80 Zeichen darstellen können.

An der Braillezeile sind Steuertasten angebracht, mit denen der dargestellte Bildschirmausschnitt verschoben werden kann.

Da für die Arbeit am Computer mehr Zeichen notwendig sind, als sich mit sechs Punkten darstellen lassen, wird zu den drei Punktzeilen der Standard-Brailleschrift oft eine vierte Zeile hinzugefügt, sodass acht Punkte zur Verfügung stehen. Auf diese Weise erhält man 256 Kombinationen. Die Codierung der Standardzeichen bleibt dabei jedoch weitestgehend gleich, die letzte Zeile bleibt lediglich leer.

Alternativ können Screenreader auch eine Sprachausgabe bieten. Gegenüber dem Vorlesen sind Braillezeilen genauer und geben Wort für Wort wieder. Somit kann auch die Rechtschreibung direkt überprüft werden, ohne dass die Sprachausgabe buchstabieren muss.

Da Braillezeilen nur in kleinen Stückzahlen hergestellt werden, sind die Produktionskosten entsprechend hoch. Der Anschaffungspreis für eine Zeile, die 80 Zeichen darstellen kann, beträgt ungefähr 10.000 €. Die Kosten hierfür werden in Deutschland bei vorliegender Indikation von der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. In Österreich werden die Kosten von den Bundessozialämtern und den Ländern erstattet.”

In dem Artikel von Wikipedia, den ich hier auszugsweise zitiert habe, findet Ihr auch bildliche Darstellungen, die Brailledisplays und ihre Funktion anschaulich machen. Da sowohl Braillezeilen als auch die Sprachausgaben, die ebenfalls über die Screenreaderprogramme gesteuert werden, den Inhalt des Computerbildschirms nur auszugsweise darstellen oder vorlesen, kann die Arbeit an Computern für blinde Nutzer effizienter und vereinfacht werden, wenn beide Komponenten zur Verfügung stehen. Blinde, die eine Braillezeile beantragen, können die Computer für ihren Heimarbeitsplatz, also für den privaten Bedarf, bei ihrer Krankenkasse beantragen. Wer einen Computer allerdings für seine Arbeit benötigt, muss seinen Antrag bei öffentlichen Trägern wie Arbeitsagentur oder dem sog. Integrationsfachdienst einreichen. So werden sowohl Leo als auch Bendix ihre Arbeitsplatzausstattung über einen der öffentlichen Träger erhalten haben, da sie sie für ihre Arbeit einsetzen.

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Quelle:

de.wikipedia.org/wiki/Braillezeile

Raela

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

hier kommt das fünfte Kapitel des Engelbuches, in dem sich Stella zu ihrem Zuhause kommt. Wer neu ist und die ersten vier Kapitel noch nicht kennt, kann die Kategorie Engelbuch mit Bonusmaterial anklicken und sich vom ersten Kapitel, der Auftrag hoch arbeiten.
Viel Freude damit!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Raela
Das Haus, in dem Raela wohnt, und in dem ich ab sofort auch leben werde, ist aus rotem Ziegelstein gebaut und hat einen spitzen Giebel. Es ist ein älteres Haus. Die Fenster im Erdgeschoss sind mit grünen Fensterläden versehen. Im ersten Stockwerk sind Rollläden angebracht. Die Haustür ist eine moderne Glastür aus Sicherheitsglas. Doch auch ihr Rahmen ist grün gestrichen. Direkt an das Haus ist eine Garage angebaut, deren Tor offen steht. Die Garage ist noch vollkommen leer. Das Häuschen befindet sich nicht direkt an der Straße. Es gibt einen liebevoll gepflegten Vorgarten, durch den ein gepflasterter Weg auf das Haus zuführt, und der durch ein kleines hölzernes Gartentor und einen Jägerzaun begrenzt wird

Wenn man auf den Klingelknopf bei der Haustür drückt, ertönt der Westminsterschlag. Während ich darauf warte, dass mir Raela öffnet, fällt mir plötzlich ein, dass ich mich nicht mehr erinnern kann, wen mir Gabriel bei dem Personalgespräch gezeigt hat. Doch ich entsinne mich, dass ich direkt ein gutes Gefühl hatte. Und als mir Raela die Haustür mit Schwung öffnet, weiß ich, dass mich mein erster Eindruck nicht getäuscht hat. Denn zur Begrüßung springt mir eine kleine, lebhafte Person herzlich um den Hals.“Guten Abend, Stella!“ ruft sie überschwänglich.Bei ihrem Anblick muss ich unwillkürlich an ein Wiesel oder Eichhörnchen denken. Alles an ihr ist klein, zierlich und lebhaft. Sie strotzt vor Energie und Lebensfreude. Sie ist nur 1.56 m groß und hat dunkle, knopfartige Augen, die klug und Neugierig in die Welt blicken. Sie hat schwarzes, dickes Haar mit einem roten Glanz, das sie heute Abend als Pferdeschwanz trägt.“Komm doch erst einmal einfach ‚rein, ich zeig‘ dir alles und dann trinken wir einen schönen, frischen Tee mit Marokkominze!“ Ich nicke nur und folge ihr ins Haus. Auch Raelas Stimme ist mir sehr angenehm.“Aber diese Stimme ist bestimmt auch nicht für den herkömmlichen Engelgesang geeignet.“
Denn auch Raelas Stimme ist recht tief, gerade für eine so kleine Person. Sie ist kräftig und leicht aufgeraut. Und dennoch klingt sie sanft. Mit diesem Tempre ist sie bestimmt eine großartige Jazz- oder Rocksängerin.

Mann könnte annehmen, dass Raela ihr Haus bunt und verspielt eingerichtet hat. Aber das ist ein Irrtum. Sie liebt einfache und praktische Dinge. Ihr Haus ist daher im Landhausstil eingerichtet. Im Erdgeschoss gibt es einen Flur, von dem aus man in die Wohnküche, das Wohnzimmer, ein Arbeitszimmer und in ein Gästebad gehen kann. Zwei gerade Holztreppen führen in den Keller und in den ersten Stock.“Das Arbeitszimmer steht dir selbstverständlich für deine Arbeit bei diesem Internetportal zur Verfügung! Ich denke, du kannst mit Computern umgehen.“
Ich nicke.Wir gehen in das Wohnzimmer. Von dort aus führt eine Tür auf die Terrasse und in den Garten hinter dem Haus.
„Den Garten kannst du selbstverständlich auch mitbenutzen!“
„Wie viel Miete willst du eigentlich von mir haben?“
„Zweihundertzwanzig €.“
„Ist das nicht ein bisschen wenig für ein eigenes Zimmer, Arbeitszimmernutzung und freien Zugang zum Garten?“
Raela schüttelt heftig den Kopf.“Ich muss mit diesem Haus kein Geld machen. Die offizielle Version ist, dass ich dieses Haus von meinen Eltern geerbt habe. Es ist keine Hypothek drauf! Ich brauche und mag passende Gesellschaft und will nur die Kosten ‚rausbekommen!“
„Herzlichen Dank! Es ist trotzdem ausgesprochen fair von dir mir diesen Preis zu machen!“

Wir gehen hinauf in den ersten Stock. Dort befindet sich ein geräumiges Tageslichtbad mit Sitzwanne und Dusche. Es gibt einen Handarbeitsraum und unsere beiden Schlafzimmer.
Mein Zimmer ist ungefähr 18 qm groß und wie alle räume einfach und praktisch eingerichtet. Die Möbel sehen neu aus.
„Ich hoffe, es gefällt dir!““Es entspricht genau meinem Geschmack. Ich mag praktische und einfache Dinge.“
Nur die Wände sind noch kahl, einfach mit Deckweiß gestrichen.“Das, was hier bis gestern noch ‚rum stand, konnte man wirklich niemandem Mehr zumuten!“
Aus dem Fenster meines Gartens hat man sicher tagsüber einen wunderbaren Blick auf den Garten.“Mal sehen, was ich mir an die Wände mache. Und ein paar Blumen für die Fensterbank und eine Palme für in die freie Ecke sollten auch sein.“
Raela nickt.“Ich brauche Pflanzen und das Buddeln im Garten als Ausgleich zu meiner Arbeit. Ich hätte auch gern mindestens ein Haustier. Aber das geht mit dem Schichtdienst nicht. Der Garten ist für einen Gärtner schon etwas zu groß. Aber ich liebe ihn einfach.“
Wir gehen die Treppe wieder herunter in die Küche.
„Ich arbeite auch gern im Garten. Das ist also kein Problem.“
„Übrigens, die Waschmaschine, die Gartengeräte und viel Werkzeug sind im Keller. Da müssen wir heute Abend wohl aber nicht hingehen!“
„Natürlich nicht!“

Ich mache es mir auf der Eckbank gemütlich, während Raela einen Tee mit Marokkominze aufgießt. Sie hat nicht nur die Pfefferminzsorte, die in Nordafrika beheimatet ist, sie gießt den Tee auch zweimal auf, wie es im Orient üblich ist. Und bald erfüllt ein wunderbar frischer Duft die Küche. Ich sehe mich genauer in der Küche um. Das Teeregal ist gut bestückt. In den Dosen, die ordentlich auf den Brettern aufgestellt sind, gibt es grünen, verschiedene schwarze Tees und unterschiedliche Kräutertees. Einen Hang zu parfümiertem Tee hat Raela Gott sei Dank nicht. Dann fällt mein Blick auf das Gewürzregal. Und dieser Anblick schmeckt mir nicht. Denn dort gibt es in einer Ecke eine Pfeffer- und eine Salzmühle und in einer anderen Ecke Paprika edelsüß, Knoblauchsalz und Majoran. Ich bin enttäuscht über diesen Anblick. Raela kommt mit dem Tee an den Tisch und setzt sich.
„Ich weiß, dass es mit dem Kochen bei mir nicht weit her ist. Aber für sich alleine zu kochen macht einfach keinen Spaß.“
„Wenn du gern isst, haben wir kein Problem. Jetzt sind wir ja zu zweit, und ich koche ebenso gern wie ich esse.“
Raela lächelt.
„Das ist gut! In diesem Leben, das ich jetzt führe, kann ich so viel essen, wie ich will, ohne dick zu werden.“
„Wie lange bist du denn schon Schutzengel?“
„Seit dem Jahr 1210. Allerdings habe ich von diesen 802 Jahren genau 800 Jahre gearbeitet. Nach dem zweiten Weltkrieg hat man mir von oberster Stelle zwei Jahre Auszeit gegönnt. Das war leider auch dringend nötig. In der ganzen Zeit war ich immer Heilerin, Hebamme, Ärztin oder Krankenschwester. Und immer war ich in Menschengestalt auf der Erde. Zu der allgemeinen Schutzengelstaffel passe ich irgendwie nicht. Und da ich Menschen gut Erden kann, passt es zu mir in Menschengestalt zu arbeiten. Welche Aufgabe hattest du eigentlich früher?“
„Ich gehörte zu denen, die Seelen vor Gott führen.“
„Das ist eine schöne und dankbare Aufgabe. Und man erfährt auch dabei schon viel Leid. Leider gibt es viele Engel, die diese Arbeit unterschätzen.“
„Ich habe diese Aufgabe allen Unkenrufen zum Trotz gern getan. Aber ich brauchte mal eine neue Arbeit!“Raela nickt verständnisvoll.

Der Tee schmeckt und riecht hervorragend. Er erfrischt und wärmt zugleich. Ich fühle mich wohl und angenommen und bin sehr erleichtert darüber, dass ich bei einer so aufgeschlossenen und herzlichen Persönlichkeit wie Raela leben darf.“Aber du darfst dich doch sicher wieder beflügeln und fliegen oder etwa nicht?“
„Ich habe meine Flugerlaubnis nach fünfzig Jahren wieder erhalten!“
Ich schlucke heftig. Denn, obwohl wir Engel ja ewig sind, sind fünfzig Erdenjahre, denen ich ja jetzt ausgeliefert bin, eine ziemlich lange Zeit.
„Inzwischen wird den Schutzengeln die Flugerlaubnis vielschneller wieder erteilt. Vorausgesetzt natürlich, dass sich die Engel auf Erden in ihrer Aufgabe bewähren!“Das tröstet mich etwas. Und da ich weiß, dass mir bestimmte Fortbewegungsarten unter den Bedingungen der Schwerkraft viel Spaß machen, weiß ich auch, was ich zu tun habe. Ich werde mir so schnell als möglich ein Motorrad und Inlines besorgen.
„Bevor ich es vergesse, da sind Unterlagen für dich!“Raela steht auf und geht in das Arbeitszimmer. Sie kommt mit einen großen Umschlag zurück und legt ihn vor mich auf den Tisch.
„Da hat eben auch so’n Typ angerufen und dich für morgen um halb zehn in den Ulmenweg 11 bestellt. Er hat gesagt, er sei dein Chef, und dass er ein Vorstellungsgespräch mit dir führen will.“
„Das ist eigentlich nicht üblich bei diesen Esoterikportalen. .Da melden sich die Leute normalerweise online an, was Gabriel ja auch schon getan hat.“
„Er hat gesagt, dass er das nur ausnahmsweise macht, weil er dich kennen lernen will. Und er besteht darauf, dich kennen zu lernen, weil du noch nicht 25 bist!“
„Es ist ja auch kein Problem. Ich gehe da morgen einfach hin und sehe, was er wirklich will.“Ich habe ein merkwürdiges Gefühl bei dieser Sache.“Ich habe in dieser Woche übrigens Urlaub. Und ich werde mich mal so richtig um den Garten kümmern.“
Ich trinke meinen Tee aus und stehe auf.
„Ich gehe dann mal nach oben und sehe mir den Schriftkram an. Gute Nacht, Raela.
„Gute Nacht, Stella!“Ich gehe die Treppe hinauf in mein Zimmer.

Die Berührung: Engelbuch

Guten Tag Ihr Lieben,

heute geht es mit einem Kapitel aus dem Engelbuch weiter. Stella Engel ist auf der Erde angekommen und hat den ersten Kontakt zu ihrer Schutzbefohlenen. Wer neue ist kann unter der Kategorie Engelbuch mit Bonusmaterial die ersten Kapitel lesen. Der Auftrag, die Entsendung und wenn Engel reisen erzählen, was bisher bereits geschehen ist,

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Die Berührung

Ich öffne die Augen. Es ist bereits fast dunkel. Es muss also ungefähr zehn Uhr abends sein, denn wir haben den 21. Mai. Ich stehe auf einer Wiese in einem Park. Und ich weiß, was ich zu tun habe. Schließlich hat mir Gabriel den Anfang meiner Mission gezeigt.
Ich gehe mit zügigen Schritten von der Wiese auf den Weg, der zu einem der Ausgänge des Parks führt. Ich habe den Park noch nicht verlassen, als ich ein Auto mit hoher Geschwindigkeit auf der Straße höre. Dann folgt ein Aufprall. Und das Auto braust davon. Ich beginne zu rennen. Am Ausgang des Parks wende ich mich nach rechts und laufe an der Bushaltestelle vorbei. Ich weiß, wo Magdalena liegt. Während ich laufe, schaffe ich es tatsächlich meine Gedanken auf die Schritte und auf das zu lenken, was ich zu tun habe. Und als ich die Stelle erreiche, an der Magdalena liegt, bin ich innerlich vollkommen ruhig. Magdalena liegt bewusstlos da. Damit ich sie schützen kann, damit wir sofort miteinander verbunden sind, muss meine Menschenhand wieder zu einer Engelhand werden. Nur eine Engelhand kann einen schwer Verletzten so sanft und doch so stark berühren, dass er ein Siegel bekommt, das der Tot nicht antasten kann, und das doch so sanft ist, dass die Heilung beginnen kann. Und dieser Schutz ist so, dass die meisten Menschen ihn nicht bemerken. Denn man kann das Siegel nicht sehen oder fühlen. Obwohl man diese Fähigkeit auch als Schutzengel in Menschengestalt selten braucht, habe ich sorgfältig geübt, was ich tun muss, um meine Hand zur Engelhand zu verwandeln. In dieser Hinsicht bin ich wie als Mensch auch ein Linkshänder. Ich richte, mein drittes Auge konzentriert auf meinen linken Handrücken und bin erleichtert, dass meine Hand zu leuchten beginnt. Sie erfüllt sich mit einer besonderen Wärme, Kraft und mit einem rotgoldenen Glanz. Ich beuge mich sanft zu Magdalena herunter und berühre sie mit der Hand, die von Herzen kommt, am Kopf, der schwer verletzt ist und am Herzen. Danach richte ich mich wieder auf und mache das Kreuzzeichen über ihr. Und in der ganzen Zeit halte ich den Blick meines dritten Auges auf meine Hand gerichtet. Danach wende ich meinen Blick von meiner Hand ab. Das Leuchten und die Wärme hören sofort auf.
Ich greife in die Tasche meiner Lederjacke. In der Tasche, in der sich mein Personalausweis befindet, steckt auch ein flaches Handy. Ich habe gelernt mit den technischen Dingen sicher umzugehen. Ich nehme das Handy und wähle die Nummer des Notrufs.Ich melde den Unfall. Und es fällt mir überhaupt nicht schwer, dass ich dabei meinen neuen Namen sagen muss. Und wo wir sind, weiß ich, weil ich das Schild an der Bushaltestelle gesehen habe. Wir sind in der Nähe der Bushaltestelle Venuspark.
Als ich das Handy wieder eingesteckt habe, ist es um mich her wieder sehr still. Und jetzt habe ich nichts zu tun als zu warten. Und prompt fechten mich Gedanken des Zweifels an. Habe ich wirklich alles richtig gemacht? Genügt, was ich getan habe? War es wirklich nur mein Auftrag Magdalena zu retten? Oder hätte ich den Unfall verhindern müssen? Und dann ist die alte Frage auch wieder da, warum Menschen einander so viel Leid zufügen. Und als mir diese Frage durch den Kopf geht, die ich mir in meiner Zeit als Seelenführer schon so oft gestellt habe, beginne ich mit mir selbst zu schimpfen.“Stella Engel, du bist ein blutiger Anfänger! Du müsstest doch wirklich langsam begriffen haben, was es mit dem freien Willen der Menschen auf sich hat, und wie Schaden wieder gut gemacht wird.“
Dann höre ich die Martinshörner. Polizei und Notarztwagen kommen gleichzeitig am Unfallort an. Die Sanitäter kümmern sich um Magdalena. Jetzt wird sich gleich zeigen, ob es mir gelungen ist, das Band zwischen Magdalena und mir richtig zu knüpfen. Und als die beiden Männer die Bahre, auf der Magdalena liegt, in den Krankenwagen geschoben haben und los fahren, kann ich dem Geschehen in dem Auto folgen ohne bewusst hinsehen oder hinhören zu müssen. Und ich bin unendlich erleichtert. Und obwohl meine Gedanken und Gefühle Magdalena mühelos begleiten können, kann ich die Fragen der Polizisten beantworten. Als hätte ich nie etwas anderes getan, zücke ich meinen Personalausweis, als mich die junge Polizistin nach meinem Namen fragt. Und auch diesmal kommt mir mein Name ganz leicht über die Lippen. Ich erzähle den beiden Beamten, dass ich einen Spaziergang im Park gemacht habe, als plötzlich das heranfahrende Auto und der Aufprall zu hören waren. Um meine Aussage zu Protokoll zu geben, fahre ich mit den Polizisten zum Revier. Als wir an der Polizeistation ankommen, stelle ich fest, dass Magdalena bereits in den Operationssaal gebracht wird.
Es dauert nicht lange das Protokoll anzufertigen. Die beiden Beamten, die mich zum Präsidium gebracht haben, bieten mir freundlicherweise an, mich nach Hause zu bringen und ich nehme dankend an. Und so stehe ich um viertel nach elf vor meinem Zuhause im Brunnenweg 12. Ich muss klingeln, denn einen Schlüssel habe ich zu dem Haus, das meiner Mitbewohnerin gehört, noch nicht. Ich klingele, und während ich darauf warte, dass mir Raela öffnet,höre ich eine mir wohlvertraute Stimme.
„Stella, das war eine gute Arbeit!“
„Herzlichen Dank, Herr und Meister!“

„Stella, ich heiße Gabriel!“

„Herzlichen Dank, Gabriel!“

„Na, geht doch! – Aber da nicht für!“

Die Entsendung: Engelbuch

Tach zusammen,

hier kommt das zweite Kapitel über die Erlebnisse des Schutzengels Stella Engel. Nachdem sie schon in Menschengestalt ihren Auftrag bekommen hat, folgt jetzt die offizielle Verabschiedung nach Engelart. Ich wünsche Euch viel Freude dabei!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Die Entsendung

Nur wenige Minuten später komme ich in der einzigen Engelhalle des Himmels an. Wahrscheinlich wundert Ihr Menschen Euch darüber, dass wir Engel nur eine Halle haben. Aber diese Halle ist eine Allzweckhalle, die diesen Namen auch verdient. Sie wird je nach Bedarf in Größe und Ausstattung verändert. Die fünfzig Engel im Innendienst, die für Gestaltungsarbeiten zuständig sind, können unsere Halle mit wenigen gekonnten Handgriffen von der großen Flughalle in eine Sporthalle, wie sie auf der Erde üblich ist, umbauen. In dieser Halle habe ich auch Motorradfahren geübt. Zu diesem Zweck war sie zur Stadt umgebaut. Und die anderen haben in ihr Autofahren gelernt.
Als ich in die Halle komme, ist sie als mittelgroßer Festsaal gestaltet. Es gibt eine Empore und eine Bühne. Im Zuschauerraum sind schon viele Engel versammelt. in der ersten Reihe sitzen elf Engel in Menschengestalt, darunter auch Dorothea Glück. Auch ich nehme in der ersten Reiehe Platz. Als ich meinen Platz eingenommen habe, sehe ich mich sorgfältig um. Ich ahne, dass nur wir zwölf gleich verabschiedet werden. Und ich werde noch unruhiger als bisher, weil ich mich frage, wo die andere Hälfte von uns geblieben ist. Ich stelle fest, dass wir alle zwölf eine weibliche Menschengestalt bekommen haben.“Weiß jemand, was mit den anderen aus unserem Seminar geworden ist?“ fragt Dorothea.
„Ja, ich weiß es!“ erklärt ein Engel, der ähnlich exklusiv wie Dorothea gekleidet ist. Sie ist auch blond aber kleiner als Dorothea.“Die Herren der Schöpfung sind schon verabschiedet worden. Sie wurden alle nacheinander nach Ostfriesland oder Bayern entsendet.“
Nachdem sie das gesagt hat, merkt die niedliche Kleine, dass ich auch da bin.
„Wie heißt du jetzt, Derila?“
„Stella Engel! – Und du?“
„Ich heiße Raphaela Gottlob! – Findest du nicht, dass für dich Stella, der Stern, ein sehr hochgegriffener Name ist?“
Ich schüttele nicht einmal den Kopf. Und ich antworte natürlich auch nicht.
Kaum haben sie ihre Menschengestalt scheinen sie ihre Engelhaltung verloren zu haben und werden schwatzhafter denn je. Die Aufgeregtheit ihres Geschwätzes greift auf mich über. Aber ich bleibe äußerlich vollkommen ruhig. Ich höre, dass sie reden. Aber ich höre nicht dabei zu, was sie sagen.Plötzlich knufft mich Dorothea in die Seite:
„Sag‘ mal, Derila, äh, Stella, bist du nicht wenigstens auch ein bisschen aufgeregt, oder hast du was von diesem Menschenzeug genommen?“
„Ja, ich bin auch aufgeregt. Und nein, ich habe keine Beruhigungsmittel genommen!“

Dann geht die Tür neben der Bühne auf. Ein Trompetensignal kündigt das Kommen der Musiker und Sänger an. Der Engel mit der Trompete ist der Dirigent. Er schwebt vor den Harfenisten und Sängern in den Saal. Die Sänger und Harfenspieler nehmen auf der Empore Aufstellung. Mir fällt auf, dass es auch im Musikkorps einen Führungswechsel gegeben hat. Der Dirigent ist ein freundlicher, großer Engel, der leicht und beschwingt seine Musiker und Sänger anführt. Dieser Engel ist so freundlich und so beschwingt, dass selbst ich fast glauben kann, dass Musik eine schöne, dankbare und einfache Engelaufgabe ist. Und diesem angenehmen Anblick zum Trotz steigen in mir augenblicklich unangenehme Erinnerungen auf. Wenn ich eine oder mehrere Harfen sehe, wird mir immer mulmig. Die vielen Saiten der Instrumente sind mir alles andere als geheuer. Ich bin eben doch ein Grobmotoriker vor dem Herrn. Und ich bin froh, dass Gott sei Dank noch niemand auf die Idee gekommen ist, mir eine Harfe in die Hände zu geben. Allerdings wurde ich irgendwann von meinem ehemaligen Vorgesetzten, der hoffte, mich loswerden zu können, zu einer Gesangsprobe geschickt.
„Jeder Engel muss einmal das Singen ausprobieren.“
Also ging ich zu einem öffentlichen Vorsingen, bei dem ungefähr 25 Engel Testgesänge anstimmen sollten. Ich war die Erste, auf die der Dirigent zeigte. Also ging ich auf die Bühne und sang. Zunächst kam es mir so vor, als sei der Dirigent viel freundlicher als mein Vorgesetzter. Er ließ mich lange vorsingen und schien geduldig zuzuhören. Nach meinem Vortrag hüllte er den Saal auf einen Schlag in vollkommene Dunkelheit. Dann richtete er plötzlich ein gleißendes, gelbes Licht auf mich. Dieses Licht strahlte reine Verachtung aus. Und alle Anwesenden konnten mich überdeutlich sehen.“Das ist das absolut abschreckendste Beispiel für Engelgesang, dass ich je ertragen musste. Textsicherheit und die Beherrschung der Melodie macht noch keinen Engelgesang. Das ist nur ein abscheuliches, melodiöses Grollen. Da wird auch nicht mehr draus! Aber, wenn man ein Donnerrollen erzeugen will, muss man keinen Engelchor engagieren. Engelgesang hat gefälligst immer und überall lieblich zu klingen. – Also augenblicklich abtreten!“
Während ich geduckt davon schwebte, schickte mir der Dirigent eine ganze Zeit lang hönisches Licht in einem anderen Gelbton hinterher. Niemand, der dabei war, wird diese effektvolle Demütigung jemals vergessen.

Nachdem die Sänger und Harfenisten auf der Empore Aufstellung genommen haben, beginnen sie sofort zu singen und zu spielen. Und ich gebe gern zu, dass mir diese Musik sehr gut gefällt, obwohl ich während des Vorbereitungsseminars meine Liebe zur menschlichen Rockmusik entdeckt habe. Ich freue mich von Herzen an den himmlischen Klängen. Und sie geben mir meine innere Gelassenheit wieder. Noch während das Musikkorps spielt, öffnet sich die Saaltür neben der aufgestellten Bühne abermals, und die zwölf Erzengel kommen herein. Sie schweben auf die Bühne. Und die Erzengel stimmen in den Gesang des Chores ein.

Nachdem das Lied verklungen ist, lässt der Erzengel Michael eine kurze Pause zu. Dann tritt er feierlich vor und beginnt zu sprechen. Auch seine Stimme klingt sehr freundlich. Sie ist nicht ganz so tief wie die Stimme von Gabriel, und sie klingt noch etwas klarer.“Sehr geehrte Kollegen,

ich heiße Euch im Namen aller zwölf Erzengel herzlich willkommen! Wir sind heute zusammengekommen, um die zweite Schutzengelstaffel des Jahres 2012 zu verabschieden, bevor wir sie auf die Erde entsenden.“
Als er das gesagt hat, fällt mir wieder einmal angenehm auf, das Worte wie entsenden, wenn sie von einem der Erzengel ausgesprochen werden, niemals überheblich, schwülstig, altbacken oder geziert klingen. Das ist oft ganz anders, wenn dominante Bosse wie mein früherer Vorgesetzter oder moderne Menschen, die sich für wichtig halten, solche Dinge sagen. Ein Grund dafür ist wohl, dass Erzengel, obwohl sie wie alle anderen Engel übernatürliche Wesen sind, die aber natürliche Autorität, Güte und Freundlichkeit ausstrahlen. Man kann ein Schutzengel werden und viele Fähigkeiten entwickeln. Man kann auch ein Wächter- oder Innendienstengel werden und viele Fähigkeiten entfalten. Aber Erzengel kann man nicht werden. Erzengel ist man.

Erzengel Michael drückt in seiner Rede die Freude und den Stolz Gottes und der Erzengel darüber aus, dass auch in diesem Jahr 24 hervorragende Schutzengel an dem Vorbereitungsseminar erfolgreich teilgenommen. haben Und lobend erwähnt er, dass jeder der Engel, die am Seminar teilgenommen haben, sich zu einer außergewöhnlichen Schutzengelpersönlichkeit in Menschengestalt entwickelt hat. Kaum hat er das gesagt, sehen meine elf Gefährtinnen mich mit unterdrücktem Argwohn an. Und mir reicht es allmählich. Ich bin doch nur so, wie ich bin. Ich habe nichts Unrechtes getan. Und womit sollte ausgerechnet ich mir das Wohlwollen Gottes oder der Erzengel erschlichen haben? Danach erfahren wir, dass die erste Staffel der neuen Schutzengel bereits erfolgreich entsendet wurden und in Ostfriesland sind. Als meine Gefährtinnen das hören, beginnen sie aufgeregt zu tuscheln.“Und wir kommen auch alle in eine Region. Man sieht sich also!“ sagt Dorothea zu mir.
Ich frage mich, warum sie ausgerechnet mich wieder sehen will. Wahrscheinlich wartet sie nur darauf zu erfahren, dass und wie ich versage.“Und nun wird jeder neue Schutzengel von einem Erzengel zu sich gerufen. Und wenn alle zwölf auf der Bühne sind, werdet ihr nacheinander entsendet.“
Dorothea knufft mich in die Seite:
„Und du bist bestimmt wieder die Letzte!“
Ich reagiere nicht.

Nach einer kurzen Pause ruft Michael Dorothea zu sich. Danach werden auch alle anderen von einem Erzengel aufgerufen. Immer, wenn einer der neuen Schutzengel auf die Bühne schreitet, spielen und singen die Musiker ein Kurie. Damit erbitten die Engel für die Schutzengel und für die, die sie zukünftig beschützen werden, Gottes Erbarmen. Als Letzte werde ich von Gabriel auf die Bühne gerufen.

Als schließlich alle Erzengel und die neuen Schutzengel auf der Bühne versammelt sind, beginnen die Harfenisten eine Melodie zu spielen, zu der es keinen Text für den Engelchor gibt. Die Tür, durch die die Musiker und die Erzengel in den Saal gekommen sind, färbt sich golden. Erzengel Michael sagt noch einmal Dorotheas Namen. Sie schließt die Augen und Michael begleitet sie als ihr Führer zur Tür. An der Tür angekommen, zeichnet Michael sein Siegel auf Dorotheas Stirn, berührt sie noch einmal und dann geht die Tür von selbst auf, und sie tritt immer noch mit geschlossenen Augen, wie man es uns gesagt hat, durch die Tür, die sich hinter ihr wieder von selbst schließt. Was sie uns nicht gesagt haben, ist, dass während der gesamten Zeremonie die zauberhafte Melodie, die wohl eigens zu diesem Anlass komponiert wurde, ertönt. Danach werden nacheinander alle meine Gefährtinnen von ihrem Engelführer verabschiedet. Und auch dieses Mal bin ich wieder die Letzte, was mich wie immer keineswegs stört.

„Stella Engel!“ sagt Gabriel schließlich zu mir. Und es kommt mir so vor, als ob seine Stimme noch freundlicher und tiefer klingt als sonst. Ich schließe meine Augen. und es wird vollkommen dunkel um mich her und in mir. Aber, obwohl ich das noch nie erlebt habe, beunruhigt es mich nicht. ich lasse mich von Gabriel zu der goldenen Tür führen. Und es ist so, als ob mich auch der wunderbare Klang der Harfen führt und trägt. Mir fließt eine neue Kraft durch Gabriels Hand und die Klänge zu. An der Tür angelangt, bleiben wir, mein Engelführer Gabriel und ich einen Augenblick stehen. Dann zeichnet mir Gabriel sein Siegel, das mir Schutz und Kraft geben wird, auf die Stirn.“Gottes Segen für dich und alle, die du beschützen wirst!“ sagt Gabriel leise und berührt mich an der Brust, da wo mein Menschenherz schlägt, und ich gehe mit geschlossenen Augen geradewegs durch die Tür.

Paula Grimm, 2012

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Der verlorene Augenblick – Prosa

Tach zusammen, hier kommt eine ältere Geschichte. Engel sind eine schöne Vorstellung. Aber Schutzengel vor allem „frischgebackene“ Schutzengel haben es nicht leicht. Ich hab‘ diese Geschichte einfach so gelassen, wie ich sie im Jahr 2005 geschrieben habe. Das kommt dabei heraus, wenn die Paula mal eineinhalb Stunden Zeit hat! 😉 Liebe Grüße Paula Der verlorene Augenblick Aus vielen Gründen hatten wir keine Chance diese Sache zu einem guten, irdischen Ende zu bringen, meine Schutzbefohlene und ich. Nie hätte ich gedacht, noch einmal etwas wie Müdigkeit empfinden zu müssen. Aber ich bin ja noch nicht lange dabei. Und Schuld daran hat dieses Loch in der Ewigkeit. Und so ein Loch gibt es nur auf Erden. Dieses Loch in der Ewigkeit dauerte noch nicht einmal eine Sekunde. Aber dafür war es unendlich tief. Das sind die fatalen Verhältnisse von Zeit und Raum. Das menschliche Auge kann in einer Sekunde acht Bilder wahrnehmen. Daher muss das Loch in der Ewigkeit eine geringer Dauer als eine Achtelsekunde gehabt haben. Denn für unsere Tätigkeit sind das menschliche Augenmaß und seine übrigen sinnlichen Fähigkeiten der entscheidende Maßstab. Denn der Mensch muss die Möglichkeit haben, uns wahrzunehmen,damit unser Schutz wirksam werden kann. Ob unsere Existenz in sein Bewusstsein dringt, ist dagegen vollkommen belanglos. Die Möglichkeit der Aufmerksamkeit, die den verschiedenen Sinnen eigen sind,stellt unserer Wirkmächtigkeit alle Facetten zur Verfügung, die sie benötigt. Da sie sich auf irdische Bedingungen erstreckt, ist sie nicht perfekt oder unendlich, aber sie ist doch sehr weitreichend, diese, unsere Wirkmächtigkeit. Du merktest, dass sie plötzlich da war. Und du merktest auch, dass sie ebenso plötzlich wieder verschwand. Dieses unendlich tiefe Loch in der Ewigkeit hat sie verschluckt. Es hat sich allerdings als ein einfaches Loch ausgegeben,als der Meter zwischen Bahnsteig und Gleisen. Diese Tarnung ermöglicht den Menschen eine offizielle Wiedergabe des Ereignisses. Aber allen direkt Beteiligten ist mit der Version für die Akten nicht geholfen. Du bist auch beteiligt. Und du solltest wissen, dass man an solchen Sachen nie freiwillig beteiligt ist. Und ich wende mich auch nur deshalb an dich, teile mit dir meine Gedanken, teile dir meine Gedanken mit, weil ich weiß, dass du beteiligt bist. Wenn man jemandem begegnet, der plötzlich da ist,um ebenso plötzlich zu verschwinden, ist einem dieser Mensch unwiderruflich nah gekommen. Und diese Nähe wird lebenslänglich gelten. Und ab und zu wird diese Nähe ihr Gesicht verändern. Aber du solltest wissen, dass einem der Mensch, der einem so zu nahe getreten ist, niemals freiwillig und oft auch ohne Absicht. Und so wie dieser Mensch kam und ging, ist er nicht mehr als ein Phantom. Menschen sollen so weit als möglich davor geschützt werden mit Phantomen leben zu müssen. Und zu schützen, das ist meine Sache. Und darum sollst du etwas über sie wissen. Sie war siebzehn Jahre alt und hieß Jasmin. Oh, ja, sie war in deinem Alter. Nicht nur durch ihre Größe, durch die sie dir aufgefallen war, war sie eine auffällige Person. Sie lebte bereits seit vier Jahren von jeglichem heimischen Gefühl entfernt. Sie war immer unterwegs. Sie kam schon lange nicht mehr irgendwo an. Sie wäre schwarz mit der Bahn gefahren, die sie vorläufig unter sich begraben hatte. Sie wäre eingestiegen und irgendwann ausgestiegen, um so zu tun, als könnte sie noch irgendwo ankommen. Sie hatte ein leeres Gesicht mit dunklen Augen. Und sie stand sehr nah bei den Gleisen. Sie merkte es nicht. Denn auch an der Stelle, an der sie stand, war sie nicht wirklich angekommen. Sie war allen Gefahren immer nahtlos auch dieser. Sie hatte ein leeres Gesicht mit dunklen Augen. Das Schlagzeilenwissen von Morgen, das Übermorgen schon älter sein wird als alles Andere auf dieser Welt, wird zu wissen glauben, dass es auf jeden Fall an Drogen gelegen haben muss. Aber die haben in ihrem Fall nichts damit zu tun. Das leere Gesicht, der fehlende Augenblick, der so plötzlich zu einer unwiderruflichen Konsequenz, zu ihrem Todesfall führte, kommt vom Aufsehen, vom Hinsehen, ohne zu sehen, vom Wegsehen, ohne den Blick abwenden zu müssen. Ständig aufgesehen zu werden, hat sehr bald zur Konsequenz, dass man bald keinen eigenen Augenblick mehr hat. Diese Art den Augenblick zu verlieren, wird immer häufiger. Du, Verena, hast auch keinen Augenblick mehr. Jasmins augenblickloses Gesicht ist deinem fehlenden Augenblick begegnet. Von ihrem eigenen fehlenden Augenblick hat sie gewusst. Aber sie hat ihn mit aller Macht und Gewalt erst zu spüren bekommen, als sie dein Gesicht sah. Sie wankte. Das konnte sie sich nicht erlauben. Denn sie stand ja schon zu lange den Gefahren nahe, um nicht von einer von ihnen verschluckt zu werden. Du willst die Erklärungen und die Versuche zu verstehen nicht hören. Du redest dich jetzt heraus, dass das sowieso nicht reicht. Und es wird bei den Menschen immer beliebter verstehen und erklären mit entschuldigen zu verwechseln. Das ist wunderbar einfach. Und es hilft im Augenblick. Denn dann hat man immer jemanden, den man beschuldigen kann, den man der falschen Entschuldigungen bezichtigen kann und zwar überall, wo es ja ohnehin keine Entschuldigungen geben kann. So bleibt einem erspart, den versuch unternehmen zu müssen, sich menschlichen Dingen gleichermaßen mit Gefühl und Verstand stellen zu müssen. Wenn es überhaupt eine Schuld gibt, dann ist es in diesem Fall die Schuld der Aufseher, die das An- und Hinsehen absichtlich verlernen. Es werde immer mehr habgierige Blicke, die sehen und nichts erkennen, um sich schnell aus dem Staub machen können, um selbst nicht gesehen zu werden. Übrigens, der Fahrer der Bahn hatte auch keine Schuld und keine Chance. Er konnte nicht mehr gegen das unselige Gesetz der Geschwindigkeit tun, als die Bremse zu betätigen. Aber um ihn kümmert sich jetzt schon ein anderer Schutzengel. Ich lasse mich auf die Schuldfrage nicht ein. Das ist Chefsache, was für das Stopfen von unendlich tiefen Löchern in der Ewigkeit ebenfalls gilt. Und diese Aufgabenteilung ist das Einzige, das mich in solchen Augenblicken, wenn ich das Fehlen eines Augenblicks zu spüren bekommen habe, trösten kann. In Ewigkeit und Unendlichkeit wird alles gut für Euch.” © Paula Grimm, Mai 2005