Guten Tag Ihr Lieben,
hier kommt das 15. Kapitel des Felicitasromans. Ursprünglich hatte ich die Absicht es in zwei Teilen zu veröffentlichen, da das, was Felicitas mit ihrer Patin nach der Untersuchung in der Gerichtsmedizin erlebt, doch sehr lang ist. Und es enthält eine Rückblende.
ich wünsche Euch alles erdenklich Gute, gute Unterhaltung bei interessanter Lektüre und viel Erfolg mit eigenen Blogprojekten!
Liebe Grüße
Christiane (Paula Grimm bei Texthase Online)
15. Blaue Wunder
Tannhuysen, Samstag, 28. Juli 1990
Im Haus ist es still. Und das ist wunderbar. So wird mir die Ruhe geschenkt, die ich in den Pausen und für meine Arbeit brauche. Die Pause, die ich eben gemacht habe, war durch die Ruhe richtig erholsam. Und danach sorgte sie dafür, dass sich die wichtigen Eindrücke, die dieser Tag gebracht hat, auf einen Schlag versammeln konnten. Sie verbündeten sich zu einem Geistesblitz, der mir die passende Überschrift für dieses Kapitel eingab. Ich bin natürlich froh und dankbar, wie einfach Kopf, Herz und Hand zusammenarbeiteten. Und ich wusste sofort, dass mir dieserTitel helfen wird, die Ereignisse dieses Tages zu beschreiben. Um diese Überschrift zu finden, musste ich nicht einmal auf meinen linken Handrücken mit der blauen Taube sehen. Leicht verwundert darüber, wie leicht es nach alle dem, was geschehen war, weiter ging, hielt ich einen Augenblick inne und sah auf die Überschrift. Und vielleicht stutzte ich etwas zu lange. Denn plötzlich traf mich ein weiterer Geistesblitz. Aus weiter Ferne hörte ich ein Rufen von Kinderstimmen. Obwohl dieses Rufen von weit her kam, konnte ich die Worte gut verstehen: „Wenn wir dich zu fassen kriegen, wirst du dein blaues Wunder erleben!“
Ich verstand nicht nur jedes Wort. Mir war auch augenblicklich klar, dass ich mit dieser Drohung gemeint war, und wer da wann nach mir gerufen hatte. Und dann fiel mir alles wieder ein.
Es war Ende März oder Anfang April. Es ist jetzt mehr als neun Jahre her. Ich weiß nicht mehr, warum ich allein durch die Gegend streifte. Aber Plötzlich riefen meine Cousins: „Wenn wir dich zu fassen kriegen, wirst du dein blaues Wunder erleben!“
ich strolchte durch die Felder von Tannhuysen. Und plötzlich waren sie da. Ich sah mich um. Und sah in drei hasserfüllte, neidische und missgünstige Gesichter. Und von Hass, Neid und Missgunst getrieben rannten sie auf mich zu. Was weiß man schon von Hass, Neid und Missgunst, wenn man erst drei Jahre alt ist? Man weiß immerhin so viel davon, dass man diese Gefühle erkennt, wenn man sie sieht. Und man erkennt das Ausmaß dieser Gefühle,wenn man ihnen direkt in die Augen sehen muss. Ich hatte keine Ahnung davon, wie Hass, Neid und Missgunst in meinen Cousins so grenzenlos geworden waren. Und mir blieb nicht die Zeit darüber nachzudenken, ob das alles von ihnen selbst kam, und wie es so groß hatte werden können. Ich lief wie ein Hase, der von gemeinschaftlich jagenden Füchsen gehetzt wird, durch die noch leeren Felder und über die noch kahlen Wiesen. Ich hatte zwar nicht die geringste Ahnung, was das blaue Wunder sein würde, dass mir von ihnen angedroht wurde. Aber sie wussten es auch nicht. Und das war das Schlimme. Hass, Neid und Missgunst ohne Grenzen sind immer auch unberechenbar. Und als ich so schnell als möglich lief, hörte ich wie hinter mir ein Stein auf dem Boden aufschlug. Ich lief weiter. Ein zweiter Stein flog knapp an meiner rechten Schulter vorbei. Ich wusste zwar, wie groß und schnell ich für mein Alter war. Aber zumindest zwei von ihnen waren größer, schneller und stärker als ich.Und Olivier wurde von der Gemeinschaft mit den beiden anderen zu außergewöhnlichen Geschwindigkeit angetrieben. Ich schlug Haken wie ein verfolgter Hase. Aber allmählich spürte ich, wie meine Kräfte schwanden. Und die Steine, die sie warfen, verfehlten mich immer knapper.
Unser schöner Niederrhein zeigt sich oft in grau oder es ist neblig trüb. Es gibt hier aber nicht nur Wälder, Wiesen und Felder, die vor allem im Herbst und im Frühjahr von einem Dunstschleier bedeckt sind. Hier gibt es auch viele Baggerseen und Teiche, die mit Grundwasser gefüllt sind. Und plötzlich brach die Sonne durch die Wolkendecke, und ich sah Wasser, das das Sonnenlicht widerspiegelte. Und mir fiel ein, wo wir uns befanden. Wir waren ganz in der Nähe des Grundwassersees, den die Leute in dieser Gegend die Waldhoffs Kuhl nennen, da der See und der Wald, der sich hinter dem Gewässer erstreckt, seit langer Zeit der Familie Waldhoffs gehört.
Meine Cousins sind wirklich wie die Füchse. Sie verabscheuen das nasse Element eben wie die Füchse oder wie der Teufel das Weihwasser. Also hielt ich der Kälte der Jahreszeit zum Trotz auf den großen See zu. Dorthin würden sie mir nicht folgen. Sie waren mir schon sehr nah und ein Stein traf meine Linke Schulter, als ich das Ufer der Walldhoffs Kuhl erreichte. Ohne noch einmal darüber nachzudenken, und ohne mich noch einmal nach meinen Verfolgern umzusehen, lief ich in das kalte Wasser und schwamm bis in die Mitte des Sees, wo mich kein Stein mehr würde treffen können. Ich kann schwimmen seit ich eineinhalb Jahre alt bin. Und ich war und bin eine gute und begeisterte Schwimmerin.
Als die Jungen das Ufer erreichten, blieben sie einen Augenblick wie angewurzelt stehen und sahen zu, wie ich auf die Mitte des Sees zu schwamm. Wütend warfen sie die Steine, die sie noch in den Händen hatten, in meine Richtung. Ich begann Kreise im Wasser zu ziehen, denn die Kälte begann mir zuzusetzen.
Wenn etwas so groß ist, wie ihre Wasserscheu, und wenn es etwas gibt, was ähnlich grenzenlos ist wie ihre Gefühle, dann ist es ihre Ungeduld. Und das war auch schon damals so. Obwohl es mir unendlich lange vorkam, dauerte es wohl nicht lange, bis sie die Lust verloren am Ufer herumzustehen und darauf zu warten, dass ich vor Kälte und Erschöpfung untergehen würde.
„Hauen wir ab, holen wir uns Rosinenbrötchen bei Oma Lutsch, wie wir es vor hatten!“ sagte Timo schließlich. Und die beiden anderen ließen sich das nicht zweimal sagen. Ich schwamm so lange weiter, bis ich sie nicht mehr sehen und hören konnte. Dann schwamm ich auf das Ufer zu und ging so schnell mich meine Füße trugen nach HauseIch musste mich immer noch beeilen, in Bewegung bleiben, denn ich fror schlimmer als ein Schneider.
Es war ein weiter und schwerer Weg, obwohl die Sonne noch immer schien. Denn es war später Nachmittag und die sonne war noch nicht lange zu sehen. Und schließlich war es noch früh im Jahr. Die Kälte zog mir die Kraft aus der Haut und allen Gliedern. Und ich konnte es kaum glauben, als ich das Hoftor des Hauses sah, das meinen Großeltern gehörte. Und als ich Opa Heinrich sah, der von seinem Spaziergang mit seiner Jagdhündin Diana zurück kam, hielt ich ihren Anblick für eine Täuschung. Tropfnass, ziemlich durchgefroren und vollkommen erschöpft wurde mir zuerst blendend weiß und dann Pech schwarz vor Augen und ich fiel Opa Heinrich vor die Füße.
Das Nächste, was ich wahr nahm, war, dass ich die Verfolgung, das zu kalte Bad und meinen Heimweg im Zeitraffer noch einmal erlebte. Und dann schoss mir die Frage durch den Kopf: „Muss ich jetzt sterben?“
Denn Ich hatte die alte Ilse Eikmanns sagen hören, dass man, wenn man sterben muss sein Leben immer im Zeitraffer an sich vorbei ziehen sieht. An die Ilse eikmanns dachte ich zwar in diesem Augenblick nicht, aber ihre Behauptung war mir wohl in Fleisch und Blut übergegangen.Ich kann nicht genau sagen, ob ich die Frage nicht vielleicht auch ausgesprochen hatte, oder ob Opa Heinrich sich einfach gedacht hatte, welche Frage mir durch den Kopf gegangen war. Jedenfalls hörte ich seine Stimme nach einer kurzen Pause sagen:
„Nein, Fee, du musst jetzt nicht sterben. Die Gefahr ist vorbei. Und darum wirst du auch nicht gleich feststellen müssen, dass du tot bist. Die Ilse Eikmanns kennt sich zwar gut aus, was Leben und Tot betrifft, aber es ist noch lange nicht immer so, wie sie es sagt!“
Dann machte mein Opa wieder eine Pause, bevor er meinte:
„Fee, wir müssen miteinander reden!“
Ich lauschte den Worten so lange als möglich nach. Aber ich konnte keinen misstrauischen oder vorwurfsvollen Ton darin hören, wie Opa Heinrich ihn zwar selten aber manchmal doch bei Onkel Edwin oder Onkel Egon anschlug.So rollte ich mich unter meiner warmen Decke zusammen und wartete auf das, was er sagen oder wissen wollte.
„Fee, wo kam das ganze Wasser her, dass du mitgebracht hast, und das dich fast ganz kalt gemacht hat?“
Und plötzlich fasste die Angst mit einer kalten Hand nach mir. Denn obwohl er die Geschichte von ihrem Ende her anging, war doch klar, dass er wirklich alles würde hören wollen. Meine Cousins hatten mir schon oft aufgelauert und mir weh getan. Aber ich hatte sie noch nie verpetzt. Was mir Angst machte, war, dass ich sofort wusste, dass ich diesmal nicht die Kraft hatte, mir Ausreden auszudenken und bei den Antworten Haken zu schlagen wie bei der Jagd.
Ich holte tief Luft, machte endlich auch die Augen auf und sah Opa Heinrich an. Das beruhigte mich. Ich sah ihm an, dass er mir vertraute und mir die Zeit lassen würde, die ich brauchte, um einen Punkt nach dem anderen mit ihm durchzugehen. „Das Wasser kam aus der Waldhoffs Kuhl!“
„Und wie ist es an dich herangekommen?“
„Ich bin nicht ins Wasser gefallen. Und keiner hat mich gestoßen. Ich bin ‚reingelaufen!““ „Warum bist du in die Waldhoffs Kuhl gelaufen?“
„Weil die Jungs hinter mir her waren, alle drei! Und die gehen doch nicht ins Wasser!“ „Warum bist du vor ihnen davon gelaufen?“
„Sie sind plötzlich hinter mir aufgetaucht, haben mir gedroht, dass ich mein blaues Wunder erleben werde, wenn sie mich zu fassen kriegen und sind dann auf mich zu gerast. Ich hab’ sie noch nie so gesehen!”“ „Wie sahen sie denn aus?“
„Voll Hass, Neid und so!“
„Und haben sie sonst noch was getan?“
„Irgendwann haben sie angefangen mit Steinen zu werfen!“
So von einer Frage zur Antwort und dann zur nächsten Frage geführt zu werden war eine gute Sache. So kam immer die größtmögliche Ruhe auf.
„Wenn es so ist, dann werden wir immer dran bleiben müssen, dass es nicht schlimmer wird!“ meinte Opa Heinrich schließlich.
„Aber jetzt haben wir erst einmal einen guten Grund froh und dankbar zu sein, dass es so gut ausgegangen ist. Und darum haben wir uns zur Feier des Tages eine große, heiße Schokolade verdient, mit extra viel Kakao drin!“
Er stand von der Bettkante auf und ging aus meinem Zimmer hinunter in die Küche. Als er kurze Zeit später wieder kam, hatte er ein Tablett mit zwei von unseren großen blauen Tassen dabei.
„Ich hab’ mit dem Schwiegersohn von Wilhelm gesprochen. Das ist der, der die Schule für Kampfsport hat. Ich habe dich da für Judo und Karate angemeldet. Am Dienstag und am Donnerstag ist das Training für die Frischlinge!“ Er lächelte und trank einen Schluck Kakao.
„Es ist wohl angebracht, dass du lernst so gut als möglich mit deiner Angst klar zu kommen und dich zu verteidigen!“ Und mehr zu sich selbst sagte er:
„Und es ist aller höchste Zeit!”
Auf der dunklen Platte meines Nachttischs stand die große blaue Tasse mit heißer Schokolade darin. Und daneben lag die erste eigene Post meines Lebens. Denn Terry und Oma Isabel hatten mir eine Postkarte vom Tierpark Hagenbeck geschickt. Sie fuhren jedes Jahr eine ganze Woche lang nach Hamburg, wo sie eine Freundin von Oma Isabel besuchten. Sie hieß Lucia und war wie Oma Isabel im Sommer 1959 über den Seeweg von Perú nach Deutschland gekommen. Auch sie war damals schwanger gewesen und hatte in Deutschland eine Tochter geboren. Doch Susanna war noch im Jahr 1959 geboren und zwar am 28. Dezember wie ich. Man muss auch gönnen können. Das war ein Lebensgrundsatz von Opa Heinrich. Und die Frauen verstanden sich besonders gut. Und Opa Heinrich achtete den Mann von Lucia. Aber ,mehr war da nicht, was die beiden Männer verband. Ich blieb gern bei meinem Großvater. Doch mit dieser ersten Postkarte erwachte in mir die Neugier auf die Freundinnen von Oma Isabel und Terry, auf die große Stadt, auf den Hafen und den Tierpark. Und in meinen ersten Osterferien nahmen Terry und Oma mich mit. Wir fuhren mit dem Zug. Und ich lernte die freundlichen Leute, die Stadt, den Hafen und den Tierpark näher kennen. Aber als ich die Karte sah, fiel mir natürlich nicht zuerst meine Neugier ein sondern eine Frage.
„Werden Mamita und Abuella nichts dagegen haben, dass ich bei Herrn Oe kämpfen lerne?“ „Die beiden haben bestimmt nichts dagegen!“ antwortete Opa Heinrich.
Und sie hatten nichts dagegen. Beschwerden kamen aber von meinen beiden halben Onkeln und ihren Frauen. Es gab bei uns die Tradition, dass sich die ganze Familie jeden Freitagabend um halb sieben im Haus meiner Großeltern zum Abendessen traf.
Und beim nächsten Treffen erzählte Opa Heinrich, dass er mich bei der Kampfschule von Herrn Oe angemeldet hatte. Und es war Onkel Edwin, der einen Streit darüber vom Zaun brach, ob es nicht unsinnig und unangemessen sei, dass durchgeknallte Bohnenstangen wie ich auch noch zu Kampfmaschinen ausgebildet werden. An den genauen Verlauf dieser Streitigkeit kann ich mich nicht mehr erinnern. Doch ging es immerhin so gut aus, dass dieses Thema nie wieder zu einem Streitpunkt wurde.
Woran ich mich jedoch gut erinnere, ist das Verhalten meiner ansonsten so vorlauten Cousins. Sie meckerten nicht am Essen herum, gaben keine Widerworte und sie steckten immer wieder ihre blonden Köpfe zusammen, als suchten sie beieinander Schutz. Und sie redeten nur miteinander über irgendwelche Spielzeuge. Sie konnten weder Opa Heinrich noch mir richtig in die Augen sehen. Opa Heinrich hatte sie sich zur Brust genommen, was immer er auch gesagt oder getan haben mochte. Doch es war offensichtlich, dass sich im Grunde nichts geändert hatte. Sie hassten und beneideten mich wie zuvor, da es mich überhaupt gab, da ich zu groß, zu klug, zu schnell und zu stark geraten war. „Wenn es so ist, wie es ist, muss man immer dran bleiben!““
Sie ersparten sich und mir zwar weitere Verfolgungsjagden. Aber sie drohten mir im Verlauf der Jahre immer wieder mit dem blauen Wunder, das ich durch sie erleben sollte. Und der drohende Tonfall blieb ebenso wie die Tatsache, dass sie selbst auch überhaupt nicht wussten, was dieses blaue Wunder sein sollte. Und immer wider flogen Steine, wenn ich auf dem Grundstück meiner Großeltern war, während sie sich in einem der Gärten von Onkel Edwin oder Onkel Egon befanden. Und es kam mehr als einmal dazu, dass auch die Fäuste und die Füße flogen. Aber da ich bei Herrn OE eine ausgezeichnete Ausbildung in Körperbeherrschung, Judo und Karate erhielt, konnten sie mich im fairen Kampf nicht besiegen. Doch der Frust, dass ich bald nicht nur zu stark für mein Alter war sondern auch noch zu geschickt für sie wurde,hielt sie keineswegs davon ab, mich immer wieder anzugreifen.
Dabei hatte es für mich in der Kampfsportschule zunächst überhaupt nicht gut angefangen. Es war wie immer. Ich fiel als zu groß auf. Denn ich war der jüngste aber bei weitem nicht der kleinste Frischling. Am Ende der ersten Trainingseinheit sprach mich Herr Oe an.
„Alle meinen, dass du wie ein Storch im Salat bist. Das sollen sie ruhig denken. Aber du bist auch davon überzeugt, dass du ein Storch im Salat bist. Und das muss aufhören. Das dürfte überhaupt gar nicht erst angefangen haben.“
Herr Oe gab nicht nur Stunden in Judo und Karate. Jedes mal gab es am Anfang oder am Ende ein Körpertraining mit Musik, bei dem wir verschiedene Bewegungsabläufe aus unterschiedlichen Kampfsportarten als Tanz ausführen mussten. Herr Oe ist zwar Meister in Karate und Judo kennt aber auch die Grundlagen anderer Kampfsportkünste wie VC usw. So lernten wir unsere Kräfte zu spüren, mit ihnen hauszuhalten und sie zu fokussieren. Und ich fühlte mich bald viel wohler in meiner Haut. Und als ich wieder einen von den Wachstumsschüben hatte, machte es mir nichts mehr aus, dass die Ärmel und die Beine der Kleider zu kurz wurden, und ich kam mir dabei nicht mehr ungelenkig vor.
Im fairen Kampf konnten mir meine Cousins nichts anhaben. Also haben sie den Plan geschmiedet mich mit den Tropfen außer Gefecht zu setzen um mir das zu bescheren, was sie für mein blaues Wunder hielten. Dass sie mir drohten, kam bei mir immer als Drohung an. Aber daran, dass es sich um ein blaues Wunder handeln würde, glaubte ich schon lange nicht mehr. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie den fremden Jungen Mann dazu überredet haben, mir die blaue Taube auf den Handrücken zu tätowieren. Sie machen sich kein Bild davon, wie viel Gutes mir die Farbe blau bedeutet. Und es wird immer mehr wie der vergangene Tag zeigen sollte. Man darf nur nicht zu viel erwarten und muss sich einfach überraschen lassen. Das gilt für die Bedeutung der Farbe blau ebenso wie für die Wunder. Die sind oft scheinbar ganz klein oder fangen klein an, um dann ihre große Wirkung zu entfalten. Ein Wunder hilft. Aber ein Wunder macht nicht alles unvergessen oder ganz heil.
Wenn ich es recht bedenke, hatte ich schon im Büro von Frau Dr. Westkamp ein kleines blaues Wunder erlebt. Dass ich inzwischen in der Lage war, mir schnell und einfach mittelblaue Notizen im Kopf zu machen, war einerseits eine blaue Sache und andererseits ein kleines Wunder. Wunder kann man nicht bestellen. Sie geschehen einfach. Wie die Tatsache, dass ich seit der Doppelhochzeit auch hellhörig bin, hatte ich auch diese sinnliche Erweiterung nicht gerufen. Aber sie kommen wie gerufen. Denn klar ist, wie sehr ich sie brauche, um so gut als möglich zu überleben.
Senta und ich stiegen in den Käfer. Meine Patin ließ den Motor an und parkte aus. Das Radio schaltete sich ein. „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein!
Alle Ängste alle Sorgen sagt man
blieben darunter verborgen
und dann würde,
was uns groß und wichtig erscheint
Plötzlich nichtig und klein!“
Senta bot auf die Landstraße ab und schaltete das Radio aus.
„Zu dumm nur, Herr May, dass wieder immer kein Flugzeug zur Hand ist, wenn man den gebotenen Abstand zu dem großen, aufgeblähten Kram und zu den entsprechenden Leuten braucht, die kein Flugzeug brauchen, um einen klein zu kriegen.
Und ‚runter muss man immer, entweder, weil das Benzin alle ist, oder wenn der Wind nachlässt!“
Während sie so vor sich hin sprach, fuhr meine Patin ganz ruhig auf der Landstraße dahin. Die Worte, die sie sagte, ihre Haltung und ihr Gesichtsausdruck machten einen vollkommen ruhigen Eindruck. Aber es konnte keinen Zweifel geben, dass sie wirklich wütend war. Sie arbeitete sich an den Vorstellungen, die ihr das Lied über die Ohren in den Kopf geschüttet hatte ab, um eine Möglichkeit zu finden, wie sie aus ihrer Wut etwas machen konnte, was sie wirklich tun konnte.
Ich fühlte nach wie vor nichts, also auch keine Wut. Aber ich half verständlich bei der Suche nach dem, was wir jetzt tun konnten.
„Über den Wolken!“ dachte ich und sah zum Himmel. Und der war dem Liedtext und dem Trost, der uns versprochen worden war, zum Trotz ein vollkommen wolkenloser Morgenhimmel.
„Noch nicht mal die Wolken sind da!“ stellte ich in der notwendigen Langsamkeit und Ruhe fest. Auch Senta erhob ihren Blick zum Himmel.
„Stimmt, da ist noch nicht mal ansatzweise etwas wie eine Wolkendecke, unter der Ängste und Sorgen zumindest vorübergehend verborgen werden können. - Nicht mal ‚ne kleine Pause ist drin“!“
Doch auch von dieser Feststellung ließ sich Senta nicht aus der Ruhe bringen. Und so entstand eine kurze Pause, bevor sie sagte:
„Jetzt darf alles sauber gemacht werden. Und jetzt darf alles heilen. Aber ich kann dich jetzt nicht einfach nach Hause bringen. Die Zeit ist noch nicht reif. Und da ist ja auch niemand mehr.“
Ich nickte. Denn ich wusste einfach, wie recht sie hatte. Ich konnte schon deshalb nicht in meine leeres Zuhause, weil ich meine Gefühle noch nicht wieder hatte. Und es war gefährlich, wenn sie plötzlich wieder erwachten, wenn ich da war, wo ich zuhause gewesen war, als meine Mutter noch gelebt hatte. Es war jetzt dort zu anders als vorher, obwohl an diesem Ort selbst gar nichts geschehen war.
Ich erzählte Senta, was ich im Gästezimmer meines halben Onkels Edwin mit meinem Puma Salvadora erlebt hatte, wie sie durch die Berührung meiner Kleider und meiner Hände dafür gesorgt hatte, dass meine Gefühle vorübergehend schwiegen. Und ich erzählte ihr, wie ich durch die bloße Wahrnehmung ganz allmählich Kraft getankt hatte, wie die Normalität der Wahrnehmungen eine Pufferzone in Zeit und Raum gegen das geworden war, was mir meine Cousins und der fremde Junge Mann angetan hatten.
„Aber jetzt brauche ich meine Gefühle wieder, koste es, was es wolle. Ich muss da durch. Denn die Leute, mit denen ich es zu tun bekomme, haben schließlich auch alle Gefühle.“
Und mir fiel ein, wie sich Adelheid vor wenigen Stunden über meine Fühllosigkeit beschwert hatte.
Es gab keinen Grund, es ihr und den anderen leicht zu machen. Also mussten Gefühle her.
Ich dachte schon, meine Patin hätte nicht verstanden, was ich gesagt hatte. Denn es entstand wieder eine kurze Pause. Aber dann sagte Senta:
„Auf Dauer kann man sich sowieso nicht drücken! Aber an welchen Wahrnehmungen fehlt es noch?“
Gehört und gesehen hatte ich sicherlich genug. Doch fühlen, riechen und schmecken waren in den letzten Stunden kaum zu ihrem Recht gekommen. „Fühlen, riechen und schmecken sind zu kurz gekommen!“
„Hast du auch richtigen Hunger oder Durst?“
Ich nickte.
„Dann weiß ich, was wir tun! Wir fahren zum Hotel Goldbachmühle. Da kannst du dich frisch machen. Die haben sowieso noch was gut bei mir, weil sie von mir die Kräuterprodukte für ihren Wellnessbereich zum Sonderpreis kriegen. Und ein üppiges internationales Frühstück gibt’s da auch!“ Ich reagierte nicht gleich. Also sprach meine Patin ruhig weiter:
„Als mich Lenchen angerufen hat, hab’ ich mir gedacht, du könntest was zum Anziehen gebrauchen. Ich wusste ja nicht, dass du auch Kleider bei deinem Onkel hattest. Da hab’ ich an die Unterwäsche und den Poncho gedacht, die noch bei mir ‚rumlagen und hab‘ sie eingesteckt. Und im Gegensatz zu den Sachen, die du jetzt trägst, sind sie sauber!“
„Macht es dir auch wirklich nichts aus, mit mir in die Goldbachmühle zu fahren, da ein Zimmer zu nehmen und dort zu frühstücken?“
„Auch ich kann jetzt ein gutes Frühstück brauchen und wollte schon immer mal einen Blick auf die Zimmer in einem Viersternehotel werfen!“
Etwa zehn Minuten später parkte Senta ihren roten Käfer zwischen einem Mercedes und einem Porsche auf dem Hotelparkplatz ein. Wir stiegen aus, Senta holte eine Plastiktüte von Aldi aus dem Kofferraum, und wir gingen auf die Eingangstür des Hotels zu. Man sah dem Gebäude gar nicht an, dass es früher wohl eine Wassermühle gewesen war. Senta ging schnurstracks auf die Rezeption zu, griff in die Jackentasche ihrer silbergrauen Jacke und zog ihren Personalausweis heraus.
„Guten Tag, der Chef des Hauses hat mir versprochen, dass ich mal Ihren Service ausprobieren darf und zwar mit Begleitung. Ich mache die Kräuterprodukte für den Wellnessbereich dieses Hotels zum Sonderpreis. Und ich brauche jetzt ein Doppelzimmer mit Frühstück!“
Die graublauen Augen des Mannes sahen uns sehr lange und sehr skeptisch an. „Da kann ja jeder kommen. Und der Chef ist gerade erst ins Haus gekommen!“
„Na, dann ist er ja auf jeden Fall da. Und Sie können ihn fragen, ob es in Ordnung ist, wenn Sie uns ein Doppelzimmer geben!“ „Da muss ich erst oben anrufen!“
„Dann tun Sie das!“
Die fleischige große Hand des Mannes nahm Sentas Ausweis, er drehte sich um und zog sich in den Raum hinter dem Rezeptionsbereich zurück. Was er am Telefon sprach, konnte ich nicht verstehen. Er sprach leise und schnell und die Geräusche, die aus dem Frühstücksraum drangen überdeckten seine Stimme. Als er den Hörer aufgelegt hatte, drehte er sich sehr langsam um und kam mit kleinen, langsamen Schritten zurück. Er gab Senta ihren Personalausweis zurück und sagte: „Der Chef kommt gleich!“ Dabei grinste er siegesgewiss.
Rechts von uns öffnete sich die Tür des Aufzugs und ein hochgewachsener Mann Anfang vierzig kam auf uns zu.
„Guten Tag! Da sind Sie ja wirklich. Es freut mich, dass Sie unser Haus mit Ihrem Besuch beehren Sie möchten bestimmt für sich und die junge Dame ein Zimmer für die nächste Nacht!“
„Guten morgen, Herr Winkler! Nein, wir brauchen nur einen gemütlichen Platz, an dem wir ein bisschen ausruhen und uns frisch machen können. Und wir brauchen dann ein ordentliches Frühstück!“ „Sehr wohl, die Damen!“
Der Hoteldirektor wandte sich an den Rezeptionisten:
„Geben Sie den Damen die Schlüssel für die Nummer neun!“
„Wenn Sie meinen!“ antwortete der Mann, drehte sich um und nahm zwei Schlüssel, die er Senta gab nicht ohne noch einen langen misstrauischen Blick auf uns zu werfen.
Senta nahm den Schlüssel, sah sich noch einmal kurz um und bedankte sich mit einem Lächeln bei dem Hoteldirektor und ging nach rechts, wo sich direkt neben dem Aufzug ein Gang befand, den sie bis zum Ende entlang ging. Ich folgte ihr von den skeptischen Blicken des Rezeptionisten verfolgt.
Das Zimmer mit der Nummer neun war ein geräumiges Doppelzimmer. An den Wänden hingen Fotodrucke. Ich sah eine Flusslandschaft mit einer Burgruine und ein Stillleben mit einer Vase, in der Sommerblumen steckten. Senta stellte die Alditüte auf einen der Sessel, zog ihre Schuhe aus und legte sich gemütlich auf das Bett. Ich zog mich aus, nahm den Poncho, die Unterwäsche und eine dünne schwarze Strumpfhose aus dem Beutel und steckte die anderen Kleider in den Sack.
Die Tür zum Badezimmer, das kein Fenster hatte, war nur angelehnt. Bevor ich hinein ging, öffnete ich die Tür ganz und sah in den Raum, in dem vollständig cremefarben eingerichtet war. Als ich das Badezimmer betrat, schaltete ich das Licht nicht ein. Als ich hinter mir die Tür schloss, war es angenehm dunkel um mich her. Ich brauchte nach dem hellen wolkenlosen Himmel, der so blau sein mochte, wie es eben ging und doch kein Wunder und noch nicht einmal einen kleinen Trost gespendet hatte, kein Licht. Die Augen brauchten jetzt Ruhe. Und ich hatte mich mit einem Blick orientiert. Es gab einen kleinen Hocker, auf dem ich die Kleider ablegen konnte. Die Duschkabine war ebenerdig. Die Türen ließen sich leichtgängig bewegen. Ich zog sie zu und blieb einen Augenblick ganz ruhig stehen, bevor ich die Armatur der Einhanddusche auf heiß drehte und das Wasser anstellte. Einige Minuten ließ ich heißes Wasser über meinen Körper laufen, drehte das Wasser auf kalt und wenige Minuten später auf lauwarm. Dann begann ich mich mit dem Duschgel des Hotels ausgiebig zu waschen.
Ich stellte die Dusche ab, öffnete die Kabine, nahm das große Handtuch und begann mich sorgfältig abzutrocknen. Ich konnte nicht feststellen, ob ich sauber oder zumindest sauberer geworden war. Doch Gefühle wie Angst, Erleichterung usw. stellten sich immer noch nicht ein. denn meine Haut brannte überall vom Kontakt mit Wasser und Seife.
„Aber da muss ich jetzt durch!“ dachte ich und hielt einen Augenblick inne, bevor ich damit begann mir die Füße so gut als möglich abzutrocknen. Wie zufällig warf ich einen Blick auf meinen linken Handrücken und sah die blaue Taube leuchten. Ich weiß ohnehin nicht viel über Tätowierungen. Und ich hatte auch noch nie davon gehört, dass es auch Leuchtfarben gibt.
Die Tür ging auf und Senta kam mit einer Tube in der Hand in das Badezimmer. „Reib’ dich hiermit gut ein. Dann heilt alles besser!“ Senta betrachtete mich von Kopf bis Fuß.
„Mach’ mal die Tür zu! Ich muss dir was zeigen!“ sagte ich. Meine Patin folgte meiner Aufforderung. Und ich hielt ihr im Dunkeln meinen linken Handrücken entgegen. „Das ist ein Ding! Das kommt bestimmt von deinem Puma!“
Senta wies vollkommen zu Recht darauf hin, dass das blaue Leuchten der Taube nicht von einer besonderen Tätowierfarbe her rührte. Sie erinnerte mich daran, wie Salvadora die Taube mit ihrer Zunge gereinigt hatte. Und es war offensichtlich, dass dieses Leuchten mindestens eine besondere Funktion hatte. Auch sie war ein blaues Wunder. Und auch dieses blaue Wunder war mir geschenkt worden. Aber ich musste zugeben, dass ich zumindest zunächst überhaupt nichts damit anfangen konnte. Von einem nahegelegenen Kirchturm schlug es acht Uhr. Und es wurde mir schlagartig bewusst, dass ich in den letzten 18 Stunden ständig Verluste, Veränderungen, Einschränkungen und Erweiterungen meiner Fähigkeiten und Erfahrungen erlebt hatte, wozu auch große Leerstellen zählten. Und eine neue Leerstelle oder Unbekannte war dieses blaue Leuchten. Es war mir ebenso auf den Leib gerückt wie alles, was mir meine Cousins und der fremde junge Mann zugefügt hatten. Und es war eine große Unbekannte wie alles, was in der vergangenen Nacht geschehen war.
„Wie soll ich zurecht kommen, wenn nur immer mehr Verluste, Veränderungen dazu kommen, die nur immer mehr Fragen mit sich bringen und keine Antworten?!“ fragte ich mich.
Senta hatte wohl meine Gedanken gelesen. Sie schaltete das Licht des Badezimmers ein. Und die Lüftung ging ebenfalls an. Sie nahm meine Kleider und meinte:
„Komm mit und leg’ dich auf das Bett. Du kannst die Salbe und eine Massage dringend brauchen, wenn die Waschung doch nicht mehr gebracht hat als das die Haut brennt und zeigt, wie verletzt sie ist! Ich bin sicher, dass du recht hattest. Du brauchst jetzt, was, das sich gut anfühlt und dann ein ausgiebiges Frühstück, das gut riecht und gut schmeckt!“
Wir gingen in das Zimmer zurück. Senta nahm die Decke und das Kissen, die sich auf der einen Seite des Bettes befanden und legte sie auf einen der Sessel. Auf den anderen legte sie meine Kleider. Ich legte mich auf das freie Bett. Als ich auf dem Rücken lag, kam Senta mit der Salbe. Aber sie blieb zunächst einfach nur vor dem Bett stehen und sah mich mit ihren dunkelblauen Augen an.
„Weißt du, Felicitas! Ich verstehe kaum etwas von den Krafttieren, weil ich leider keine Schamanin bin. Aber ich bin mir sicher, dass sie dir helfen wird. Hast du ihr schon einen Namen gegeben?“ „Ich nenne sie Salvadora, die Beschützerin!“
„Dass sie viel aber nicht alles kann, muss ich dir nicht sagen. Aber ich bleibe bei dem, was ich gestern Nachmittag gesagt habe. Du wirst ihre Hilfe brauchen. Und je ruhiger und geduldiger du bist, desto mehr kann sie dir helfen, und desto eher wirst du wissen, was sie von dir will, wie sie dir hilft!“
Senta salbte mir den gesamten Körper. Als sie damit fertig war, bekam ich eine Massage für die Füße und Hände, die ja alle Bereiche des menschlichen Körpers noch einmal widerspiegeln. Und durch die Salbe und Sentas Hände wurde jede Berührung wie die Wahrnehmungen von Auge und Ohr zuvor zu Tropfen, die mich allmählich stärkten. Wie viel Kraft ich wohl brauchen würde?
Als meine Patin ihre Arbeit beendet hatte, stand ich langsam auf und zog mich ruhig an. „Du hast Zauberhände, Senta!“
Sie schüttelte den Kopf.
„Ich kann etwas massieren und verstehe etwas von Kräutern. Das muss leider erst einmal reichen!“
Wir nahmen unsere Sachen, verließen das Zimmer , und Senta schloss die Tür hinter sich ab. Dann gingen wir in den Frühstücksraum und fanden im hinteren Teil Platz an einem kleinen Tisch.
Mir stieg belebender Kaffeeduft in die Nase, als ich die Tür geöffnet hatte. Und neben dem Eingang befand sich das üppige Buffet. “Was möchtest du zum Frühstück?” fragte Senta.
“Setz’ dich schon mal hin und lass’ dich mal von mir bedienen!” Ich ließ meinen Blick über die Speisen schweifen.
“Ich möchte auf jeden Fall einen frisch gepressten Orangensaft! Und dazu nehme ich zwei Brötchen, Honig, ein Schwarzbrot, Scheibenkäse, Rührei und zum Nachtisch Erdbeerquark!” “Wird gemacht!”
“Darf ich auch einen Kaffee trinken?”
Senta nickte. Und ich war froh, dass sie sich nicht so anstellte wie Adelheid oder meine halben Onkel, wenn ich einen Kaffee trinken will.
“Der Kaffee wird von einer der Angestellten gebracht!” sagte Senta und zeigte auf eine junge Frau, die mit einer großen Kanne durch den Frühstücksraum ging.
“Ich bin wirklich eine ausgewachsene Landpommeranze!” dachte ich. Und mir fiel ein, dass ich noch nie in einem Hotel oder einer Pension war, auch nicht, als ich früher mit Opa Heinrich und Oma Isabel im Urlaub am Meer war.
Mir fiel auf, wie gut der Frühstücksraum besucht war. Es waren tatsächlich nur noch die beiden Plätze in der hinteren linken Ecke frei., die ich gesehen hatte, als ich den Raum betreten hatte. Ich musste also an allen Gästen vorbei. Und alle starrten mich an. Sie alle waren sehr gut gekleidet. Und ich trug Gummischuhe und einen Poncho. Mich hielt nur der Gedanke aufrecht und in Gang, dass meine Bekleidung sehr praktisch war, was ich heute bestimmt brauchen würde. So konnte ich meinen Poncho zu einem dicken Fell machen, wenn ich Schutz brauchte oder ich konnte mir bei Bedarf Bewegungsfreiheit verschaffen, wenn es notwendig sein würde.
Kaum hatte ich im hintersten Winkel des Raumes Platz genommen, als die junge Frau auch schon mit der Kaffeekanne kam und meine Tasse mit starkem heißem Kaffee füllte. “Oder möchten Sie lieber ein Kännchen Kaffee?” fragte sie.
Ich nickte und wunderte mich, dass man mir meinen Kaffeedurst so gut ansah.
Kurze Zeit später kam Senta mit einem Tablett. Und auch mein Kaffeekännchen wurde gebracht. Den ersten Kaffee hatte ich bereits getrunken. Ich hatte die Wärme und den kräftigen Geschmack in vollen Zügen genossen. Und die Wärme und das Aroma hatten mich gestärkt wie schon Sentas Massage und die Erlebnisse mit den beiden Polizisten und Frau Dr. Westkamp zuvor. Und es war wohl tatsächlich die einzig richtige Strategie sich den Genüssen hinzugeben, die sich boten, um Lebendigkeit zu tanken, um Kraft zu gewinnen und eine Pufferzone gegen das Nichts zu haben, das bald wieder nach mir greifen würde.
Ich hatte die für mich passende Mischung gewählt. Jeder süße Bissen, jeder kräftige Geschmack und jeder Schluck schenkte mir ein bisschen mehr Kraft. Es heißt:
“Eine gute Mahlzeit hält Leib und Seele zusammen!” Aber eine gute Mahlzeit kann viel mehr. Sie kann Leib und Seele wieder zusammenbringen, wenn es sein muss. Und es musste sein. Ich brauchte die Lebendigkeit meiner Gefühle wieder, obwohl das alles schwieriger machte.
Ich hatte Brötchen und Rührei, Brötchen und Honig, Kaffee, Orangensaft und Schwarzbrot mit Käse Bissen für Bissen und Schluck für Schluck genossen. Schließlich war nur noch der Erdbeerquark übrig. Ich hatte den Löffel bereits in der Hand und wollte nach dem Schälchen greifen, um es vor mich hinzustellen, als sie plötzlich wieder auflebten, meine Gefühle.
Zuerst empfand ich ein leichtes noch unbestimmtes Unbehagen. Als ich mich darauf konzentrierte, fühlte ich, dass es von den Blicken der Gäste her rührte, die mich von allen Seiten trafen. Das Unbehagen nahm schnell die Gestalt einer Angst an. “Sehen die anderen Leute mir alles an, was mir passiert ist?” Senta schüttelte den Kopf und sagte dann:
“Ihre Blicke halten sich bloß an der Tatsache fest, dass du anders gekleidet bist, als sie es hier erwarten. Selbst, wenn da mehr zu sehen wäre, wären sie mit dieser Sache genug beschäftigt. Und ich sage dir, dass mindestens eine Person auf dich neidisch ist. Die meisten wollen sich hier ungezwungen wohl fühlen trauen sich aber nicht sich entsprechend legere zu kleiden.”
Senta sah zu einer Frau mittleren Alters, die ebenfalls an einem kleinen Tisch saß und zwar in der anderen hinteren Ecke des Frühstücksraums. Ich folgte dem Blick meiner Patin. Und ich gebe zu, dass ich zunächst dachte, sie hätte nur deshalb so mit mir gesprochen, um mich zu trösten. Und es stimmte, was Senta gesagt hatte. Der Gesichtsausdruck der Frau, die teuer geschminkt und exklusiv gekleidet war, wechselte zwischen Misstrauen, Bosheit und den anderen Gefühlen, die für den Neid, der wie Mitleid aus verschiedenen Gefühlen besteht, typisch sind. Nur eins fehlte noch. Sie nahm nicht die Farbe eines Briefkastens oder einer Zitrone an.
“Wir sollten uns mit dem Essen vielleicht etwas beeilen. Sonst wird sie tatsächlich doch noch gelb vor Neid!”
Auf Sentas Gesicht zeigte sich ein verschmitztes Lächeln. Aber ich musste sie nicht weiter bitten ihr Frühstück zu beenden. Wir machten uns beide daran unseren köstlichen Nachtisch zügig aber nicht hastig zu essen. Denn auch Senta fühlte sich in dieser Gesellschaft nicht wohl. Ich war immerhin inzwischen so weit gestärkt, dass ich dem Wechsel von Angst und Zweifeln zum Trotz ohne mich auffällig zu verhalten, meine Mahlzeit beenden konnte.
Als ich den Löffel weg legte und mir den letzten Kaffee einschüttete, sagte Senta:
“”Felicitas, ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich darüber bin, dass deine Strategie funktioniert hat, dass deine Gefühle wieder erwacht sind, und dass sich Gott sei Dank zumindest manche Sachen bei dir überhaupt nicht geändert haben!”
“Was hat sich nicht geändert?” fragte ich und eine Welle der Angst wühlte mein Inneres auf.
“Man muss dich schon sehr genau kennen, um zu sehen, was in dir vorgeht. Und das ist auch sehr gut so! Es ist gut, wenn die meisten nicht sehen können, was in dir vorgeht!”
“Und es ist gut, dass du da bist und eine von denen bist, die mich gut genug kennen, um zu wissen, was Sache bei mir ist, und dass du Geduld mit mir hast!”
Senta brachte ihrem Wesen nach die Geduld mit, die mir die Zeit gab, mir genau zu überlegen, was ich jetzt tun musste.
Eins spürte ich genau. Die Zeit mich mit meiner puckligen Verwandtschaft auseinander zu setzen, war noch nicht reif, weder für sie noch für mich. Und dann hörte ich wie gestern bei der Doppelhochzeit in St. Marien in Holt Oma Isabels Stimme, die sagte:
Wenn du in größte Seelennot kommst, Angst hast oder von Zweifeln zerfressen wirst, dann geh’ in eine leere Kirche, stelle dich aufrecht vor den Altar und bete mehrmals das Vaterunser oder ein kleines Gebet, das von dir selbst ist. Denk’ daran dich vor dem Kreuz aufrecht zu zeigen. Mach’ es nicht wie die Nonnen und knie dich hin oder krümme dich zusammen. Leute wie wir können uns nur vor Gott und dem Kreuz aufrecht zeigen und aufrichtig sein. Und nimm’ nie einen Rosenkranz mit und bete nie das Ave-Maria. Das schadet Frauen wie uns.”
Und es ist gut, dass sie mich daran erinnert. Ich weiß, dass ich es jetzt brauche. Aber es durfte nicht eine beliebige Kirche sein, in die ich gehen sollte. Es musste St. Marien in Holt sein, wo Maria als Himmelskönigin an der Decke thronte. Es ging um Oma Isabel, Terry, mich und um diese glänzende Person. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht genau, was es mit diesem Bild und uns auf sich hatte. Und ich wusste nicht genau, was zu tun war. Aber ich wusste, dass ich zuerst nach St. Marien musste, um mich dem zu stellen, was dort auf mich lauerte.
“Senta, kannst du mich bitte nach St. Marien in Holt fahren?”
Meine Patin nickte. Wir stellten das Geschirr zusammen. Eine der Angestellten kam und nahm das Tablett mit. Senta suchte den Schlüssel des Hotelzimmers in ihrer Tasche, stand auf und ging zur Rezeption. Ich stand ebenfalls auf, zog den Poncho fester um meinen Körper. Und so wurde das schöne rote Kleidungsstück ganz einfach zu dem dicken Fell, dass ich gerade brauchte. Als ich den Frühstücksraum ging, konnten mir die Blicke, mit denen mich die anderen Gäste bis zur Tür verfolgten, kaum etwas anhaben.
Und doch war ich erleichtert, als hinter uns die Eingangstür der Goldbachmühle zufiel. Senta brachte den Beutel mitweinen Kleidern in dem Korb unter, der im Kofferraum des roten Käfers stand. Wir stiegen ein. Und auch bei dieser Fahrt blieb das Radio aus. Die Fahrt nach Holt dauerte ungefähr 20 Minuten. Mit meinen Gefühlen ging etwas merkwürdiges vor. Mir kam es so vor, als ob sich alle Gefühle, die ich hatte, in einer Art Schnelldurchlauf zurückmeldeten und sich in mir neu verankerten. Ich erlebte Wellen der Angst, des Zorns aber auch der Freude, der Hoffnung und viele mehr in rasender Geschwindigkeit. Es war so ähnlich wie bei dem Fernseher, den Terry und ich im Januar gekauft und selbst angeschlossen hatten. Bei diesem Gerät war es auch so gewesen, dass es, als wir es zum ersten Mal angeschlossen hatten, alle verfügbaren Sender im Schnelldurchlauf gezeigt abgespielt hatten und sich dabei auf positioniert und programmiert hatten. Aber die Neuprogrammierung meiner Gefühle ging so schnell, dass ich äußerlich nicht mithalten konnte. Ich saß wie gelähmt da. Und ich bin mir sicher, dass das, was ich fühlte, es nicht bis zu einem Gesichtsausdruck schaffte. Und so plötzlich wie die Selbstprogrammierung meiner Gefühle angefangen hatte, so plötzlich war sie auch wieder vorbei. Und es wurde wieder erschreckend ruhig in mir. Eine neue Ruhe vor dem Sturm oder vor den Stürmen. Die fahrt war noch nicht zu ende. Senta passierte gerade das Ortseingangsschild von Holt. Sie musste also noch bis in das Ortszentrum fahren, wo sich die Kirche St. Marien, der Parkplatz und der Rappen befanden.
Meine Patin hielt schließlich auf dem leeren Parkplatz zwischen Kirche und Restaurant. Sie stellte den Motor ab. “Willst du allein ‘reingehen?”
Ich nickte, schnallte den Sicherheitsgurt ab und stieg aus.
“Herzlichen Dank für alles. Und ich melde mich auf jeden Fall heute noch bei dir und sage, was so passiert ist!” “Alles erdenklich Gute, Fee!” sagte sie.
Es war das erste Mal, dass mich meine Patin Fee nannte, wie es früher Opa Heinrich, Oma Isabel und Terry getan hatten. Und dieser Name kam mir wie ein Gruß aus sehr alter Zeit vor. Dabei war zumindest Terry erst seit ungefähr 12 Stunden tot.
ich schlug die Tür des Wagens zu, winkte noch einmal und ging sehr langsam über den Parkplatz auf den Haupteingang von St. Marien zu. Als ich mich noch einmal umwandte, sah ich, dass auch Senta ausgestiegen war und mir nachsah. Sie zeichnete drei Kreuzzeichen in meine Richtung. Das erste machte sie mit der linken, das zweite mit der rechten und das dritte wieder mit der linken Hand. So behielt auf natürliche Weise das Herz die Oberhand.
Als ich vor dem Hauptportal von St. Marien stand, zögerte ich einen Augenblick, da ich mich plötzlich fragte, ob ich nicht um die Kirche herumgehen sollte, um das Gotteshaus durch einen der Nebeneingänge zu betreten. Es war zwar weit und breit keine Menschenseele zu hören und zu sehen. Aber es kam mir mit einem Mal “großkotzig” vor, allein durch diese große Tür zu gehen, die ich bislang immer nur in Gesellschaft anderer betreten hatte. Selbst, als ich zum ersten Mal das Bußsakrament empfangen hatte, war ich zur offiziellen Beichtstunde zusammen mit einigen anderen Kommmunionkindern in diese Kirche gekommen. Verlassen hatte ich sie dann zwar allein. Aber das tat heute Morgen nichts zur Sache. Schließlich war ich damals das letzte Beichtkind gewesen. Und damals hatte ich gewusst, dass ich draußen von Opa Heinrich abgeholt werden würde.
“Felicitas! Es ist keineswegs gleichgültig, welchen Weg man geht. Und du hast es überhaupt nicht nötig um dieses Gotteshaus herumzuschleichen wie ein Dieb. Du gehrst zwar allein in die Kirche hinein. Aber im Gotteshaus ist niemand allein.”
Es stimmte natürlich, was meine innere Stimme sagte. Auch in der Kirche St. Marien war Gott. Und ich wollte zu dem Mann am Kreuz, der Gottes Sohn ist.
Also öffnete ich die schwere Kirchentür und trat in den Vorraum ein. Aber als die Tür hinter mir krachend ins Schloss fiel, bereute ich meine Entscheidung, diesen Weg gewählt zu haben. Denn plötzlich hörte ich eine Stimme: “Felicitas, was willst du ausgerechnet in dieser Kirche?”
Und ich wusste sofort zu wem diese hohe klare Stimme gehörte. Es war die Himmelskönigin, die an der Decke des Mittelganges thronte.
Das war also ein weiteres blaues Wunder. Ich konnte Portraits dazu bringen, mit mir zu sprechen oder verstehen, was sie von sich aus sagten.
“ich möchte mich lieber mit Tieren und pflanzen unterhalten als mit Kunstwerken aus dem Rokoko!” dachte ich.
“Das ist jetzt leider noch nicht dran!” sagte meine innere Stimme. Ich fasste mir also ein Herz und betrat den Kirchenraum, um mich erst einmal mit der Himmelskönigin zu befassen.
Ich trat unter das Portrait der Himmelskönigin und zwar direkt unter ihr Gesicht. Ich ballte meine linke Faust und streckte sie nach oben. Ich ließ meine Faust unter ihrem rechten Auge nach oben schnellen. Es war nur als Geste gedacht. Sie sollte verstehen, dass ich nicht bereit war, meinen Plan aufzugeben und mich verscheuchen zu lassen.
“Netter Versuch!” meinte sie und grinste mich dabei aus sicherer Distanz an. Sie schwieg einen Augenblick lang gebieterisch, bevor sie mich heftig und schrill anherrschte:
“Ich frage dich also noch einmal! Felicitas, was willst du ausgerechnet in dieser Kirche?” Und plötzlich war sie von einem solchen Glanz umgeben und strahlte selbst so stark, dass ich meine Augen schließen musste.
Ich konnte ihr nicht sofort antworten. Da sie doch eine mächtigere Person war als ich, musste ich ihr zunächst Rede und Antwort stehen, ob ich wollte oder nicht. Und dazu musste ich wider meine Schreibredetechnik einsetzen. Zuerst musste ich meine linke Hand frei machen, obwohl ich ja nur in Gedanken schrieb. Ich öffnete langsam meine Hand und senkte sie, bevor ich sie in den schützenden Ärmel meines Ponchos zurückzog Ich räusperte mich, um ebenso laut sprechen zu können wie die Himmelskönigin.
Und auch diesmal funktionierte mein neues System.
“Wenn es etwas zu klären gibt, geht man immer an die Orte, mit denen einen etwas verbindet, an denen etwas von dem ist, was es zu klären gilt. Und das gilt auch, wenn man im Gebet etwas klären will oder muss. Ich war schon dreimal hier, z. B. gestern Nachmittag. Und jedes Mal, wenn ich hier war, ist etwas vorgefallen, dass jetzt geklärt werden muss. Und darum gehe ich zum Altar und bete aufrecht und aufrichtig unter dem Kreuz, wie es mir Oma Isabel geraten hat.”
“Und da du gerade deine Großmutter erwähnst, sind wir an dem springenden Punkt. Lici, Schätzchen, ich weiß, dass du gekommen bist, um Isabels und Terrys Seelen von Altlasten ihrer Vergangenheit zu befreien, ihnen zu helfen. Aber, warum fängst du bei ihren alten Geschichten an, obwohl du doch mit alle dem, was du in den letzten Stunden erlebt hast, mit dir selbst genug zu tun hättest. Bist du etwa zu feige, dich um deine eigenen Angelegenheiten zu kümmern? Du allein wirst Isabel und Terry nicht helfen können.”
Und da ich genau das wusste, war ich in diese Kirche gekommen, um mich aufrecht und im aufrichtigen Gebet an Gott persönlich zu wenden.
In dem Augenblick, in dem mich die Himmelskönigin angesprochen hatte, war ich von ihrem Glanz und der Macht, mit der sie die Kirchenfürsten und Maler der vergangenen Jahrhunderte versehen hatten, in den Bann gezogen worden. Und das hinderte mich daran, einfach unter ihrem Portrait hindurch und auf den Altar zuzugehen. Ich hätte bei all dem Glanz, der sie umgab, und der von ihr ausging, den Altar und das Kreuz darüber nicht mehr. gesehen, selbst wenn ich die Augen nicht hätte schließen müssen Sie betrachtete mich mit wohlmeinender Herablassung. Das spürte ich genau, obwohl ich sie nicht ansah. Sie hatte mich angegriffen, wollte mich demütigen und unterdrücken. Sie tat all das, was schon Oma Isabel unter dem Bild der Himmelskönigin in der Kapelle des Ursulinenklosters, in dem sie aufgewachsen und erzogen worden war, erlitten hatte. Die Strahlen und der Glanz dieser Person blendeten Menschen wie Oma Isabel, Mamita und mich, sie versengten unsere Seelen, entwurzelten uns überschatteten unsere Leben über den Tot hinaus. Sie hatte mich angegriffen. Und wenn ich etwas zu unserer Befreiung und Verteidigung beitragen wollte, musste ich sie meinerseits angreifen. Denn Angriff ist immer der beste Weg der Verteidigung.
Ich konzentrierte mich, nahm wieder mein inneres Schreibzeug, tunkte die Feder in die Tinte meiner Erfahrungen, Gefühle und Gedanken und begann zu schreiben und zu reden.
“Eure Majestät, für jemanden, die die Königin auf dem höchsten Thron ist, für eine Frau und Mutter, die Ihr ja auch seid, stellt Ihr Euch wirklich erschreckend dumm an, dass Ihr außer Acht lasst, wie sich die Schatten der Vergangenheit gerade auf Frauen auswirken, und wie mächtig sie auf die Kinder und Kindeskinder Einfluss nehmen. Sie sind wie ein Erdbeben, dass sich unterirdisch fortsetzt und verstärkt. Es stimmt, dass ich ziemlich kaputt bin. Aber ich werde mir Hilfe holen. Ich kann nicht allein gegen Eure Macht, die von den Priestern und ihren Helfern kommt, ankommen. Aber ich werde nicht allein bleiben. Und ich gebe nicht auf. Darauf könnt Ihr Euch verlassen!”
Sie war offensichtlich verblüfft. Sie sagte nichts. Und der Glanz, der sie umgab, und der von ihr ausging, wurde um viele Nuancen verringert. Es wurde viel dunkler. Aber meine Augen gewöhnten sich rasch genug an die neuen Lichtverhältnisse. Und plötzlich konnte ich die Augen wieder öffnen und sah den Altar und das Kreuz darüber. Und ich nutzte die Gelegenheit und huschte unter ihrem Portrait hindurch und lief die drei Stufen zum Altar hinauf.
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16. Feuertaufe
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