Personen in Paulas Prosa II. - Kontaktpflege und ihre Folgen

Ob mir dieser Artikel anschaulich genug gelungen ist?
Guten Tag Ihr Lieben,
die Personen in Paulas Prosa die Zweite! Das ist das Thema dieses Artikels. Wie versprochen geht es um meinen Kontakt zu meinen Protagonistinnen.

Nach meiner Erfahrung verhält es sich bezogen auf die Personen, die ich mir als Autorin vorstelle sehr ähnlich wie mit den Menschen, die ich im realen Leben kennenlerne. Der erste Kontakt ist aufregend und beeindruckend, obwohl die Situation, in denen die Begegnungen stattfinden, oft sehr alltäglich sind. Ob sich aus dem ersten Treffen ein guter Kontakt entwickelt, der sich zu einer tragfähigen Kooperation entwickelt, zeigt sich bei den Personen, die ich mir als Autorin vorstelle wie auch im wahren Leben erst nach und nach. Natürlich ist der erste Eindruck wichtig. Aber man neigt im wahren Leben wie bei der Arbeit als Autorin dazu den ersten Eindruck überzubewerten. In dieser Hinsicht ist man eben doch sehr oft ein typisches Kind der Gegenwart.

Es ist schon vorgekommen, dass ich mir jemanden vorgestellt habe und sofort davon überzeugt war, dass das ein spannender Kontakt werden würde, der mindestens für die Arbeit an einer gelungenen Kurzgeschichte reicht, was aber auch bei Aufbietung aller Geduld und Mühe zu nichts als ein paar Worten geführt hat. So muss ich zugeben, dass die erste und bislang einzige Begegnung mit einem männlichen Protagonisten nicht einmal für eine Kurzgeschichte reichte. Denn ich bin, wie es mir manches Mal auch im wahren Leben widerfahren ist, einem Blender vor dem Herrn auf den Leim gegangen. Die Chemie stimmte einfach nicht. Der Kerl prahlte und redete zu viel. Un für einen konstruktiven entwicklungsfähigen Kontakt gilt: „Viel hilft meist nicht viel!“ Oder: „Weniger ist mehr!“ Und die Zuverlässigkeit ist auch ein wichtiges Element für einen guten Kontakt, der für alle arten der Beschreibung und der Prosa gilt. Damit ist keine sklavische Pünktlichkeit und kein penetranter und/oder pedantischer Erfahrungsaustausch gemeint. Doch regelmäßige Begegnungen, z. B. an jedem oder jedem zweiten Nachmittag, bei denen eine offene Stimmung den Ton angibt, sind eine wichtige Grundlage für eine vielseitige Entwicklung einer Geschichte, ob es sich nun um eine Kurzgeschichte, eine Erzählung oder einen Roman handelt.

Selten darf man die Erfahrung machen, dass die Beziehung zu einer Person in der eigenen Vorstellung längere Phasen ganz ohne Kontakt unbeschadet überstehen. Auch das ist wie im wahren Leben. So habe ich auch in meinem Privatleben nur eine Freundin, bei der es so ist, dass der Kontakt Monate oder sogar Jahre abgebrochen sein kann, ohne dass die Freundschaft Schaden nimmt, bei der es auch nach längerer Zeit ohne Kontakt bei der nächsten Begegnung so ist, als ob wir uns gestern Abend zum letzten Mal gesehen hätten. Eine ähnliche Erfahrung habe ich mit Amanda aus meinem Orcaprojekt machen dürfen. Es gab lange Zeiten ohne Kontakt, z. B. von 2003 bis 2005 oder in der schrecklichen esoterischen Phase zwischen 2006 und Mitte 2009. Aber im Juni 2009 habe ich es dann so empfunden, dass ich es einfach nicht mehr ertragen kann und will, den Kontakt zu einer so beeindruckenden Persönlichkeit abreißen zu lassen. Zunächst hatte mich aber die Fließbandtexterei, die ich zu meinem Broterwerb benötigte, zeitlich zu sehr im Griff. Und dann entschied ich mich im Februar 2011 dazu Amanda täglich mindestens eine halbe Stunde Aufmerksamkeit zu widmen. Im Juni des selben Jahres war dann die Rohfassung fertig, die ich meiner ersten Verlegerin gab, die allerdings bis heute nicht so weit gekommen ist, mir eine detaillierte Rückmeldung zu geben, wenn sie ihren Verlag überhaupt noch hat. So dass ich mich im Februar diesen Jahres entschlossen habe, eine Überarbeitung zu machen. Obwohl ich zwischen Juni 2011 und Februar 2014 nicht mehr Hand an das Manuskript gelegt habe, habe ich oft an Amanda gedacht.

Und in diesem Zusammenhang muss ich sie wirklich loben, denn in all dieser Zeit ging von ihr niemals Ungeduld aus. Und sie ist niemals aufdringlich geworden so nach dem Motto: „Mach’ mal voran, Alte! - Jetzt erklär’ den Lesern gefälligst mal ganz flott, was alles Sache ist!“

Und immer, wenn ich mich in aller Offenheit und selbst ganz ruhig und geduldig an den Schreibtisch gesetzt hatte, stellte ich mich erst einmal mit einer ganz einfachen Vorstellung, z. B. Amanda mit einem Kaffee an meinem Wohnzimmertisch, mit einer Handarbeit oder Hausaufgaben an ihrem Schreibtisch oder auf dem Sofa im Kuhlenweg, darauf ein, dass es jetzt um schreiben und beschreiben geht. Und es dauerte nie lange, bis es dann an Amandas Geschichte mit all ihren Ereignissen und rückblenden ging. Ich erlebte Amandas Gefühle und Gedanken mit, wurde wie sie aus den Erlebnissen des Alltags zurück geworfen in die Vergangenheit usw. Es war oft hart. Das ist nicht verwunderlich, denn die Amandas Geschichte ist hart. Aber ich habe auch geschmunzelt und mich mit ihr wohl gefühlt. Aber ich habe mich nie selbst vergessen.

Natürlich konnte ich nicht aus meiner Haut heraus oder bekam meinen Sehsinn wieder, den ich ja ohnehin nur in Spurenelementen hatte. Wir wären auch aber auch ein gutes Team geworden, wenn es anders gewesen wäre. Und da ich mich nicht vollständig in Amandas Welt versetzen konnte, gab es Missverständnisse. Wie viele umständliche oder übertriebene Worte ich manchmal verschwendete, Und wie oft ich übertrieben habe,kann ich nicht sagen. Aber um diese Fehler auszumerzen, hielt ich es so, dass ich alles, was ich geschrieben hatte, eine Zeit lang liegen ließ. Und wenn ich es dann noch einmal las, fühlte ich die Dissonanzen, die durch meinen Übereifer entstanden waren. Die Stimme und art meiner Protagonistinnen ist leise und deutlich wie meine innere Stimme. Und darum überhört man auch manchen Unterton. Und ich muss mich sehr konzentrieren, um die kleinen Dissonanzen und die Feinheiten wahrzunehmen. Es ist aber nicht nur eine Sache des Hörens. Es gibt nicht selten auch ein leises Unbehagen, eine innere Spannung, die vom Körpergefühl und nicht vom dritten Ohr hervorgerufen wird.

Und da Amanda gesehen wird und sich selbst sieht, muss ich mich natürlich nach den visuellen Aspekten ihres Lebens erkundigen. Das ist selten der Fall, denn häufig fließt mir in aller Offenheit einfach das Wissen über optische Aspekte zu. So reitle mir Amandas Präsenz mit, dass sie Schwatzes, glattes Haar mit blauem Glanz hat. Und über Felicitas, über die ich ja gerade schreibe, wusste ich sofort, dass sie kleiner ist als Amanda, obwohl ich natürlich nicht nachgemessen habe. ;-) Aber wie erwähnt, muss ich bei den optischen Dingen fragen. Oft frage ich auch nach. Zuweilen bin ich auch ein Bisschen unsicher. Bei optischen Aspekten ist es auch so, dass ich besonders darauf achte, ob ein dissonantes Gefühl oder eine Verstimmung zu bemerken ist. Und ich gebe zu, dass ich, wenn sich nicht der geringste Widerspruch rührt, die niedergeschriebenen Worte über das Aussehen beibehalte. Und natürlich folge ich meinen Protagonistinnen bei dem, wie sie optische Phänomene empfinden. Sind sie doch Ausdruck ihrer Persönlichkeit.

Am Ende dieses Artikels muss noch erwähnt werden, dass ich, da ich ja mit erlebe, was Amanda und Felicitas erleben, mit den Personen ihres Umfelds konfrontiert werde. Und manche von denen mischen sich durchaus auch sehr unangenehm ein. Und auch das ist, wie es im wahren Leben ist. Manche sind sehr lautstark, drängeln sich vor, wollen sich wichtiger machen, als sie sind oder wollen das letzte Wort haben. Aus diesem Grund geht es im nächsten Kapitel über die Personen in Paulas Prosa um die Mitmenschen der Hauptfiguren.

ich wünsche Euch alles erdenklich Gute und viel Erfolg und Vergnügen mit Personen aus der eigenen Vorstellung oder aus interessanter Lektüre!

Liebe Grüße

Christiane (Paula Grimm bei Texthase Online)

Linktipps:

Am Anfang war ein Schlag ins Gesicht: http://texthaseonline.com/2014/02/24/am-anfang-war-ein-schlag-ins-gesicht-orcaprojekt/

01. Schreibsachen: http://texthaseonline.com/2014/03/18/01-schreibsachen-romananfang-des-orcaprojekts/

Personen in Paulas Prosa: http://texthaseonline.com/2014/03/19/personen-in-paulas-prosa-i-das-erste-kennenlernen/

Über Texthase Online

Diesen Blog führe ich seit dem 16. November 2012. Als Autorin benutze ich das Pseudonym Paula Grimm. In diesem Blog findet Ihr nicht nur Prosatexte, Haikus und Essays sondern auch Wissenswertes über das Schreiben, Barrierefreiheit, Internetshops und Webseiten, die ich bei meinen Streifzügen durch das Web finde und alles, was mich privat und beruflich interessiert. Christiane (Texthase Online)
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