Guten Tag Ihr Lieben,
in letzter Zeit hatte ich schon mehrfach angekündigt, dass ich über das Thema Personenführung in meinen Prosatexten schreiben möchte. Und ich habe mich entschieden mehrere Posts zu diesem wichtigen Bereich der Arbeit von Autoren zu schreiben. Ob es sich bei diesen Artikeln letztendlich dann um die Einlösung eines Versprechens oder um eine Drohung gehandelt haben wird, werdet Ihr dann bald selbst entscheiden.
Dieser Artikel handelt von den ersten Begegnungen mit den Protagonistinnen, über die ich schreibe. Als Beispiele für das Kennenlernen nehme ich Felicitas und Amanda, die die Hauptpersonen im Orca- und im Felicitasprojekt sind.
Amanda begegnete mir zum ersten Mal im Jahr 1998, nachdem ich mich über die Ungerechtigkeit von Eltern zu ihren Kindern geärgert hatte. Daraus entstand die Beschreibung jener Szene, die ich in meinem Post am Anfang war ein Schlag ins Gesicht in diesem Blog veröffentlicht habe. Da stand sie vor mir, Amanda, das große Mädchen, das versucht ihrer jüngeren Halbschwester mit einem Befreiungsschlag und der deutlichen Geste, die in der schlagenden Antwort auf das angeblich schlagende Argument der gemeinsamen Mutter helfen möchte. Diese Szene war dann für einige Zeit das Einzige, was ich über Amanda geschrieben hatte. Aber die Szene selbst ging mir nicht aus dem Sinn. Sie fiel mir zunächst selten und dann immer häufiger wieder ein. Und dann zeigte sie mir andere Aspekte ihres Lebens. Das waren zunächst ganz umspektakuläre alltägliche Ereignisse, z. B. ich dachte daran, dass Amanda auf Deck der Flussstern sitzt und liest, Kaffee kocht usw. So erfuhr ich beispielsweise, dass sie beim Kaffee kochen eine ähnliche Vorfreude auf das Kaffeetrinken empfindet wie ich. Und diese Kleinigkeiten, die unseren Alltag bereichern waren es, die dazu führten, dass ich mich an den Schreibtisch oder den Kaffeetisch setzen konnte, um mich auf Amandas Leben immer wieder neu einzustellen. Man kann dieses erste Kennenlernen, das zu einer besonderen Kommunikation wird, angemessen mit einer Erfahrung aus dem wirklichen Leben anschaulich machen. Wie oft geschieht es, dass man Menschen beispielsweise beim Einkaufen, im Hausflur oder im Lieblingskaffee begegnet, sie fallen einem immer wieder durch Kleinigkeiten auf, die interessant sind. Und dann kommt es nach einiger Zeit zu einem ersten kurzen Gespräch, das dazu führt, dass sich Schritt für Schritt ein regelmäßiger Kontakt ergibt. Zunächst unterhält man sich über ganz alltägliche Kleinigkeiten oder auch über das Wetter. Aber der Kontakt wird nach und nach intensiver und vielfältiger. Und bei manchem Menschen, die man auf diese Weise kennenlernt, wird eine tiefe Freundschaft daraus. Und dann kann man sich über alles austauschen, eine tiefe Resonanz entwickelt sich.
Ähnlich war es auch, als ich Anfang 2013 Felicitas kennenlernte. Diesem ersten Kennenlernen lag aber eine sehr angenehme Szene zu Grunde. Ich hörte das Lied, Las manos de mi Madre, gesungen von Mercedes Sosa. und plötzlich war da dieses große Mädchen, das auf einem Sofa saß und ebenfalls diesem Lied lauschte. Und das Nächste, was mir Felicitas von sich zeigte, war, wie sie mit einer mechanischen Honigschleuder im Garten stand. Diesen beiden Begegnungen, die die Grundsteine für unser Kennenlernen legten, folgten noch andere Szenen, bevor dann ein Kontakt entstand, der es möglich machte, immer wieder Besuche im Leben von Felicitas abzustatten, wann immer ich bereit war, mich mit den Ereignissen ihres Lebens zu befassen. Weggeschickt hat mich keine von ihnen. Damit wird sicher die anfängliche Geduld und Offenheit belohnt, die ich beim ersten Kennenlernen inzwischen habe.
Der nächste Post handelt davon, wie ich mit den Personen in meiner Prosa kommuniziere, wie sie sich mir präsentieren und vor allem, wie es sich mit den visuellen Aspekten verhält, die ich ja nicht wahrnehme, die aber für das Leben der beiden Protagonistinnen von großer Bedeutung sind.
Alles erdenklich Gute für Euch und viel Freude mit all den Personen, von denen Ihr lest, oder die Ihr selbst führt!
Liebe Grüße
Christiane (Paula Grimm bei Texthase Online)
Linktipp:
Am Anfang war ein Schlag ins Gesicht http://texthaseonline.com/2014/02/24/am-anfang-war-ein-schlag-ins-gesicht-orcaprojekt/


Pingback: Personen in Paulas Prosa II. - Kontaktpflege und ihre Folgen | Lesbar und Texterei von Texthase Online