Raela

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

hier kommt das fünfte Kapitel des Engelbuches, in dem sich Stella zu ihrem Zuhause kommt. Wer neu ist und die ersten vier Kapitel noch nicht kennt, kann die Kategorie Engelbuch mit Bonusmaterial anklicken und sich vom ersten Kapitel, der Auftrag hoch arbeiten.
Viel Freude damit!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Raela
Das Haus, in dem Raela wohnt, und in dem ich ab sofort auch leben werde, ist aus rotem Ziegelstein gebaut und hat einen spitzen Giebel. Es ist ein älteres Haus. Die Fenster im Erdgeschoss sind mit grünen Fensterläden versehen. Im ersten Stockwerk sind Rollläden angebracht. Die Haustür ist eine moderne Glastür aus Sicherheitsglas. Doch auch ihr Rahmen ist grün gestrichen. Direkt an das Haus ist eine Garage angebaut, deren Tor offen steht. Die Garage ist noch vollkommen leer. Das Häuschen befindet sich nicht direkt an der Straße. Es gibt einen liebevoll gepflegten Vorgarten, durch den ein gepflasterter Weg auf das Haus zuführt, und der durch ein kleines hölzernes Gartentor und einen Jägerzaun begrenzt wird

Wenn man auf den Klingelknopf bei der Haustür drückt, ertönt der Westminsterschlag. Während ich darauf warte, dass mir Raela öffnet, fällt mir plötzlich ein, dass ich mich nicht mehr erinnern kann, wen mir Gabriel bei dem Personalgespräch gezeigt hat. Doch ich entsinne mich, dass ich direkt ein gutes Gefühl hatte. Und als mir Raela die Haustür mit Schwung öffnet, weiß ich, dass mich mein erster Eindruck nicht getäuscht hat. Denn zur Begrüßung springt mir eine kleine, lebhafte Person herzlich um den Hals.“Guten Abend, Stella!“ ruft sie überschwänglich.Bei ihrem Anblick muss ich unwillkürlich an ein Wiesel oder Eichhörnchen denken. Alles an ihr ist klein, zierlich und lebhaft. Sie strotzt vor Energie und Lebensfreude. Sie ist nur 1.56 m groß und hat dunkle, knopfartige Augen, die klug und Neugierig in die Welt blicken. Sie hat schwarzes, dickes Haar mit einem roten Glanz, das sie heute Abend als Pferdeschwanz trägt.“Komm doch erst einmal einfach ‚rein, ich zeig‘ dir alles und dann trinken wir einen schönen, frischen Tee mit Marokkominze!“ Ich nicke nur und folge ihr ins Haus. Auch Raelas Stimme ist mir sehr angenehm.“Aber diese Stimme ist bestimmt auch nicht für den herkömmlichen Engelgesang geeignet.“
Denn auch Raelas Stimme ist recht tief, gerade für eine so kleine Person. Sie ist kräftig und leicht aufgeraut. Und dennoch klingt sie sanft. Mit diesem Tempre ist sie bestimmt eine großartige Jazz- oder Rocksängerin.

Mann könnte annehmen, dass Raela ihr Haus bunt und verspielt eingerichtet hat. Aber das ist ein Irrtum. Sie liebt einfache und praktische Dinge. Ihr Haus ist daher im Landhausstil eingerichtet. Im Erdgeschoss gibt es einen Flur, von dem aus man in die Wohnküche, das Wohnzimmer, ein Arbeitszimmer und in ein Gästebad gehen kann. Zwei gerade Holztreppen führen in den Keller und in den ersten Stock.“Das Arbeitszimmer steht dir selbstverständlich für deine Arbeit bei diesem Internetportal zur Verfügung! Ich denke, du kannst mit Computern umgehen.“
Ich nicke.Wir gehen in das Wohnzimmer. Von dort aus führt eine Tür auf die Terrasse und in den Garten hinter dem Haus.
„Den Garten kannst du selbstverständlich auch mitbenutzen!“
„Wie viel Miete willst du eigentlich von mir haben?“
„Zweihundertzwanzig €.“
„Ist das nicht ein bisschen wenig für ein eigenes Zimmer, Arbeitszimmernutzung und freien Zugang zum Garten?“
Raela schüttelt heftig den Kopf.“Ich muss mit diesem Haus kein Geld machen. Die offizielle Version ist, dass ich dieses Haus von meinen Eltern geerbt habe. Es ist keine Hypothek drauf! Ich brauche und mag passende Gesellschaft und will nur die Kosten ‚rausbekommen!“
„Herzlichen Dank! Es ist trotzdem ausgesprochen fair von dir mir diesen Preis zu machen!“

Wir gehen hinauf in den ersten Stock. Dort befindet sich ein geräumiges Tageslichtbad mit Sitzwanne und Dusche. Es gibt einen Handarbeitsraum und unsere beiden Schlafzimmer.
Mein Zimmer ist ungefähr 18 qm groß und wie alle räume einfach und praktisch eingerichtet. Die Möbel sehen neu aus.
„Ich hoffe, es gefällt dir!““Es entspricht genau meinem Geschmack. Ich mag praktische und einfache Dinge.“
Nur die Wände sind noch kahl, einfach mit Deckweiß gestrichen.“Das, was hier bis gestern noch ‚rum stand, konnte man wirklich niemandem Mehr zumuten!“
Aus dem Fenster meines Gartens hat man sicher tagsüber einen wunderbaren Blick auf den Garten.“Mal sehen, was ich mir an die Wände mache. Und ein paar Blumen für die Fensterbank und eine Palme für in die freie Ecke sollten auch sein.“
Raela nickt.“Ich brauche Pflanzen und das Buddeln im Garten als Ausgleich zu meiner Arbeit. Ich hätte auch gern mindestens ein Haustier. Aber das geht mit dem Schichtdienst nicht. Der Garten ist für einen Gärtner schon etwas zu groß. Aber ich liebe ihn einfach.“
Wir gehen die Treppe wieder herunter in die Küche.
„Ich arbeite auch gern im Garten. Das ist also kein Problem.“
„Übrigens, die Waschmaschine, die Gartengeräte und viel Werkzeug sind im Keller. Da müssen wir heute Abend wohl aber nicht hingehen!“
„Natürlich nicht!“

Ich mache es mir auf der Eckbank gemütlich, während Raela einen Tee mit Marokkominze aufgießt. Sie hat nicht nur die Pfefferminzsorte, die in Nordafrika beheimatet ist, sie gießt den Tee auch zweimal auf, wie es im Orient üblich ist. Und bald erfüllt ein wunderbar frischer Duft die Küche. Ich sehe mich genauer in der Küche um. Das Teeregal ist gut bestückt. In den Dosen, die ordentlich auf den Brettern aufgestellt sind, gibt es grünen, verschiedene schwarze Tees und unterschiedliche Kräutertees. Einen Hang zu parfümiertem Tee hat Raela Gott sei Dank nicht. Dann fällt mein Blick auf das Gewürzregal. Und dieser Anblick schmeckt mir nicht. Denn dort gibt es in einer Ecke eine Pfeffer- und eine Salzmühle und in einer anderen Ecke Paprika edelsüß, Knoblauchsalz und Majoran. Ich bin enttäuscht über diesen Anblick. Raela kommt mit dem Tee an den Tisch und setzt sich.
„Ich weiß, dass es mit dem Kochen bei mir nicht weit her ist. Aber für sich alleine zu kochen macht einfach keinen Spaß.“
„Wenn du gern isst, haben wir kein Problem. Jetzt sind wir ja zu zweit, und ich koche ebenso gern wie ich esse.“
Raela lächelt.
„Das ist gut! In diesem Leben, das ich jetzt führe, kann ich so viel essen, wie ich will, ohne dick zu werden.“
„Wie lange bist du denn schon Schutzengel?“
„Seit dem Jahr 1210. Allerdings habe ich von diesen 802 Jahren genau 800 Jahre gearbeitet. Nach dem zweiten Weltkrieg hat man mir von oberster Stelle zwei Jahre Auszeit gegönnt. Das war leider auch dringend nötig. In der ganzen Zeit war ich immer Heilerin, Hebamme, Ärztin oder Krankenschwester. Und immer war ich in Menschengestalt auf der Erde. Zu der allgemeinen Schutzengelstaffel passe ich irgendwie nicht. Und da ich Menschen gut Erden kann, passt es zu mir in Menschengestalt zu arbeiten. Welche Aufgabe hattest du eigentlich früher?“
„Ich gehörte zu denen, die Seelen vor Gott führen.“
„Das ist eine schöne und dankbare Aufgabe. Und man erfährt auch dabei schon viel Leid. Leider gibt es viele Engel, die diese Arbeit unterschätzen.“
„Ich habe diese Aufgabe allen Unkenrufen zum Trotz gern getan. Aber ich brauchte mal eine neue Arbeit!“Raela nickt verständnisvoll.

Der Tee schmeckt und riecht hervorragend. Er erfrischt und wärmt zugleich. Ich fühle mich wohl und angenommen und bin sehr erleichtert darüber, dass ich bei einer so aufgeschlossenen und herzlichen Persönlichkeit wie Raela leben darf.“Aber du darfst dich doch sicher wieder beflügeln und fliegen oder etwa nicht?“
„Ich habe meine Flugerlaubnis nach fünfzig Jahren wieder erhalten!“
Ich schlucke heftig. Denn, obwohl wir Engel ja ewig sind, sind fünfzig Erdenjahre, denen ich ja jetzt ausgeliefert bin, eine ziemlich lange Zeit.
„Inzwischen wird den Schutzengeln die Flugerlaubnis vielschneller wieder erteilt. Vorausgesetzt natürlich, dass sich die Engel auf Erden in ihrer Aufgabe bewähren!“Das tröstet mich etwas. Und da ich weiß, dass mir bestimmte Fortbewegungsarten unter den Bedingungen der Schwerkraft viel Spaß machen, weiß ich auch, was ich zu tun habe. Ich werde mir so schnell als möglich ein Motorrad und Inlines besorgen.
„Bevor ich es vergesse, da sind Unterlagen für dich!“Raela steht auf und geht in das Arbeitszimmer. Sie kommt mit einen großen Umschlag zurück und legt ihn vor mich auf den Tisch.
„Da hat eben auch so’n Typ angerufen und dich für morgen um halb zehn in den Ulmenweg 11 bestellt. Er hat gesagt, er sei dein Chef, und dass er ein Vorstellungsgespräch mit dir führen will.“
„Das ist eigentlich nicht üblich bei diesen Esoterikportalen. .Da melden sich die Leute normalerweise online an, was Gabriel ja auch schon getan hat.“
„Er hat gesagt, dass er das nur ausnahmsweise macht, weil er dich kennen lernen will. Und er besteht darauf, dich kennen zu lernen, weil du noch nicht 25 bist!“
„Es ist ja auch kein Problem. Ich gehe da morgen einfach hin und sehe, was er wirklich will.“Ich habe ein merkwürdiges Gefühl bei dieser Sache.“Ich habe in dieser Woche übrigens Urlaub. Und ich werde mich mal so richtig um den Garten kümmern.“
Ich trinke meinen Tee aus und stehe auf.
„Ich gehe dann mal nach oben und sehe mir den Schriftkram an. Gute Nacht, Raela.
„Gute Nacht, Stella!“Ich gehe die Treppe hinauf in mein Zimmer.

Neugier gegen Wissensdurst

Guten Tag Ihr Lieben,

hier kommt wieder ein kurzer Gedankengang. – Und wehe, wenn sie ein paar Minuten Zeit hat, denn ihr fällt immer noch irgendetwas ein!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Neugier gegen Wissensdurst

“Die Neugier ist der Katze Tot!” Das sagte meine Großmutter immer in ihrem Oberkasseler Singsang, wenn sie keine Lust hatte, auf meine Kinderfragen zu antworten. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Reaktion Seltenheitswert hatte. Denn ich höre immer noch den ungehaltenen Ton. Und diese Reaktion fällt mir jedes Mal sofort ein, wenn ich, was häufiger vorkommt, über die Frage nachdenke, wie viel und welche Art der Neugier oder zumindest des Interesses angebracht ist. Wie man sein Interesse an seinen Mitmenschen lebt, ist in einer Zeit, in der wir immer schneller immer mehr über andere Menschen wissen können ein sehr wichtiger Punkt. Und das gilt in besonderer Weise für Menschen, die mit Menschen arbeiten, die über sie forschen, schreiben, Filme drehen etc. Und Gott sei Dank fällt mir inzwischen auch meistens das ein, was meine Mutter sagte, als ich ihr von dieser Reaktion erzählt hatte.
“Du bist nicht neugierig. Du hast Wissensdurst!”
Was, wenn man nicht genau nachdenkt und nicht genau nachfühlt, wie eine Ausflucht klingt, ist mir inzwischen zu einem guten Hilfsmittel geworden, das mich im Umgang und der Gestaltung meines Interesses und meines Wissensdursts unterstützt. Was die arme Katze betrifft, die von meiner Großmutter und sicher auch von anderen Leuten als schlechtes Beispiel missbraucht wurde und wird, so stimmt es natürlich, dass ihr viele Gefahren drohen, sobald sie neugierig ihre Umgebung durchstreift. Schließlich gibt es Vieles in ihrem Revier, das größer, schneller und gefährlicher ist als sie. Und sie muss sich mächtig anstrengen, um aufmerksam und flexibel genug zu sein, um alles, was sie erlebt und an Neuigkeiten erfährt, angemessen zu verarbeiten und darauf entsprechend zu reagieren. Aber ohne ihr Interesse an dem, was in ihrer Umgebung ist, müsste sie auch sterben. Sie könnte die Kunst des Jagens und die Abwägung von Gefahren nicht lernen. Dass die Katze ohne Neugier auch sterben müsste, veranlasst viele Menschen sicher dazu das Thema Neugier gegen Wissensdurst abzuhaken und sich mit der Aussage zu begnügen, dass Neugier einfach zum menschlichen Verhaltensrepertoire gehört. Und doch geht es um Maß, Art und Ziel. Natürlich möchte man auch seinen Wissensdurst stillen. Und manche bekommen auch, wenn sie trinken, den Hals nicht voll. Und doch hat es viel für sich bei diesem Bild zu bleiben und den Wissensdurst der Neugier, die jeden Wissensbrocken aufschnappt und herunterschlingt, man nie genug bekommt, sich vollstopft gegenüber zu stellen. Ich möchte immer noch viele verschiedene Dinge über die Menschen wissen, die mir begegnen. Aber ich kann und muss nicht alles wissen und schon gar nicht sofort. Ich gebe zu, dass es schwer ist, das richtige Maß und die passende Art zu finden. Das liegt aber sicherlich auch daran, dass die Neugier in ihrer ungezügelten Form in unserer Zeit überall gewollt ist. Aber die Erfahrung, dass ich mein Interesse mit Geduld und ohne Perfektionswahn so vielseitig befriedigen kann und mehr bekomme als früher, ist eine großartige Erfahrung.

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Vom Reden und vom Schweigen

Tach zusammen,

hier kommt einer der Gedankengänge, die ich aus meinem Archiv übernommen habe. Ich habe übrigens entschieden, dass es ab dem 02.01.13 nur noch neue Gedankengänge gibt. Obwohl ich diesen Text im Sommer geschrieben habe, frage ich mich immer noch, ob ich mich mit diesem Gedankengang nicht übernommen habe.

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Vom reden und schweigen

Es heißt, dass wahre Freundschaft oder Liebe aus der Kunst besteht miteinander schweigen zu können. Ich widerspreche dem nicht. Aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das bestenfalls die halbe Wahrheit über das Hören und Zuhören von Mensch zu Mensch ist. Ich verstehe wohl nicht allzu viel von den Verhältnissen zwischen reden und schweigen. Denn ich gehe von den klaren und einfachen Gedanken und Erfahrungen aus, die ich praktisch erlebe als von großem althergebrachtem Gedankengut. Dabei stört es mich nicht, dass ich mit dieser Art eher dem treuen Hund ähnele, der gern hört, dass sein Herr seinen Namen ruft, der sich daran erfreut sein Gehör zu gebrauchen und sich über die Hörzeichen führen zu lassen, als an einem weisen Menschen oder einem, der zumindest einige Weisheiten kennt und sie bei Bedarf aufsagen kann. Ich habe keine Angst vor dem Schweigen, denn ich weiß, dass es einige Menschen gibt, mit denen ich sowohl reden als auch schweigen kann. Miteinander schweigen zu können bedeutet ja auch, dass man dem Mitmenschen, mit dem man gerade zusammen ist, die Zeit lässt, um die passenden Worte zu finden. Das ist ein Zeichen des Vertrauens. Schweigen ist manchmal aber einfach auch nur angenehm.

Doch äußerste Vorsicht ist geboten, wenn man zum Schweigen aufgefordert wird. Denn man muss leider die Erfahrung machen, dass es häufig diejenigen sind, die im richtigen Moment ihren Mund nicht halten können, die einen daran erinnern, wie sinnvoll, freundschaftlich und liebevoll doch beredtes Schweigen ist. Aber wie es ein beredtes Schweigen gibt, gibt es auch ein beredtes Verschweigen. Und das hat seine Tücken. s bringt viel Elend, das beredte Verschweigen. Da wird mit guten Worten gegeizt. Da wird unnötig an Trost und wärmenden Worten gespart. Da wird eine Mauer des Schweigens hochgezogen, die immer schwerer zu durchbrechen ist und den Willen des Mitmenschen brechen soll. Und natürlich ist es den Maulhelden auch ganz einfach möglich aus ihrem Gerede eine Mauer aus Worten und Allgemeinplätzen aufzurichten, hinter der dann boshaft das beredte Verschweigen lauert. orte können durch falschen und übermäßigen Gebrauch oder sollte man Verbrauch sagen, in Verruf geraten. Und dabei trifft es natürlich Sprichworts und Lebensweisheiten besonders stark und oft. Auf diese Weise werden Worte verbraucht und verschwendet während Zeit verloren geht, und man die Worte aus dem Sinn verliert, die es zu sagen gäbe. Und man stiehlt dem Gegenüber die Zeit und die Worte, die er zu sagen hätte.

Für mich fing es so an, dass ich durch falsches Lob, viele Zurechttweisungen und Beurteilungen zuerst zum Schweigen und Verschweigen gebracht wurde und dann meinte überall mitreden zu müssen, im Wortgetöse mitzuhalten. Ich kam und komme aber nicht mit. Und manchmal wird es um mich her still. Dass es still wird, bedeutet nicht, dass da ein großes Schweigen oder Verschweigen entsteht. Darin wartet ein Glück, das Glück der inneren Stimme. Und ich weiß nicht, warum sie noch nicht verstummt ist, immer noch zu Wort kommt. Ich versuche immer keine großen Worte zu machen sondern passende Worte zu finden. Und es gelingt. Aber es gelingt immer noch zu selten, dass gute Wort, das angemessene Wort, das klare Wort zu finden. In diesem Sinne wünsche ich Euch und mir gute Besserung!

tags [Gedankengang, redden, schweigen]

Die Berührung: Engelbuch

Guten Tag Ihr Lieben,

heute geht es mit einem Kapitel aus dem Engelbuch weiter. Stella Engel ist auf der Erde angekommen und hat den ersten Kontakt zu ihrer Schutzbefohlenen. Wer neue ist kann unter der Kategorie Engelbuch mit Bonusmaterial die ersten Kapitel lesen. Der Auftrag, die Entsendung und wenn Engel reisen erzählen, was bisher bereits geschehen ist,

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Die Berührung

Ich öffne die Augen. Es ist bereits fast dunkel. Es muss also ungefähr zehn Uhr abends sein, denn wir haben den 21. Mai. Ich stehe auf einer Wiese in einem Park. Und ich weiß, was ich zu tun habe. Schließlich hat mir Gabriel den Anfang meiner Mission gezeigt.
Ich gehe mit zügigen Schritten von der Wiese auf den Weg, der zu einem der Ausgänge des Parks führt. Ich habe den Park noch nicht verlassen, als ich ein Auto mit hoher Geschwindigkeit auf der Straße höre. Dann folgt ein Aufprall. Und das Auto braust davon. Ich beginne zu rennen. Am Ausgang des Parks wende ich mich nach rechts und laufe an der Bushaltestelle vorbei. Ich weiß, wo Magdalena liegt. Während ich laufe, schaffe ich es tatsächlich meine Gedanken auf die Schritte und auf das zu lenken, was ich zu tun habe. Und als ich die Stelle erreiche, an der Magdalena liegt, bin ich innerlich vollkommen ruhig. Magdalena liegt bewusstlos da. Damit ich sie schützen kann, damit wir sofort miteinander verbunden sind, muss meine Menschenhand wieder zu einer Engelhand werden. Nur eine Engelhand kann einen schwer Verletzten so sanft und doch so stark berühren, dass er ein Siegel bekommt, das der Tot nicht antasten kann, und das doch so sanft ist, dass die Heilung beginnen kann. Und dieser Schutz ist so, dass die meisten Menschen ihn nicht bemerken. Denn man kann das Siegel nicht sehen oder fühlen. Obwohl man diese Fähigkeit auch als Schutzengel in Menschengestalt selten braucht, habe ich sorgfältig geübt, was ich tun muss, um meine Hand zur Engelhand zu verwandeln. In dieser Hinsicht bin ich wie als Mensch auch ein Linkshänder. Ich richte, mein drittes Auge konzentriert auf meinen linken Handrücken und bin erleichtert, dass meine Hand zu leuchten beginnt. Sie erfüllt sich mit einer besonderen Wärme, Kraft und mit einem rotgoldenen Glanz. Ich beuge mich sanft zu Magdalena herunter und berühre sie mit der Hand, die von Herzen kommt, am Kopf, der schwer verletzt ist und am Herzen. Danach richte ich mich wieder auf und mache das Kreuzzeichen über ihr. Und in der ganzen Zeit halte ich den Blick meines dritten Auges auf meine Hand gerichtet. Danach wende ich meinen Blick von meiner Hand ab. Das Leuchten und die Wärme hören sofort auf.
Ich greife in die Tasche meiner Lederjacke. In der Tasche, in der sich mein Personalausweis befindet, steckt auch ein flaches Handy. Ich habe gelernt mit den technischen Dingen sicher umzugehen. Ich nehme das Handy und wähle die Nummer des Notrufs.Ich melde den Unfall. Und es fällt mir überhaupt nicht schwer, dass ich dabei meinen neuen Namen sagen muss. Und wo wir sind, weiß ich, weil ich das Schild an der Bushaltestelle gesehen habe. Wir sind in der Nähe der Bushaltestelle Venuspark.
Als ich das Handy wieder eingesteckt habe, ist es um mich her wieder sehr still. Und jetzt habe ich nichts zu tun als zu warten. Und prompt fechten mich Gedanken des Zweifels an. Habe ich wirklich alles richtig gemacht? Genügt, was ich getan habe? War es wirklich nur mein Auftrag Magdalena zu retten? Oder hätte ich den Unfall verhindern müssen? Und dann ist die alte Frage auch wieder da, warum Menschen einander so viel Leid zufügen. Und als mir diese Frage durch den Kopf geht, die ich mir in meiner Zeit als Seelenführer schon so oft gestellt habe, beginne ich mit mir selbst zu schimpfen.“Stella Engel, du bist ein blutiger Anfänger! Du müsstest doch wirklich langsam begriffen haben, was es mit dem freien Willen der Menschen auf sich hat, und wie Schaden wieder gut gemacht wird.“
Dann höre ich die Martinshörner. Polizei und Notarztwagen kommen gleichzeitig am Unfallort an. Die Sanitäter kümmern sich um Magdalena. Jetzt wird sich gleich zeigen, ob es mir gelungen ist, das Band zwischen Magdalena und mir richtig zu knüpfen. Und als die beiden Männer die Bahre, auf der Magdalena liegt, in den Krankenwagen geschoben haben und los fahren, kann ich dem Geschehen in dem Auto folgen ohne bewusst hinsehen oder hinhören zu müssen. Und ich bin unendlich erleichtert. Und obwohl meine Gedanken und Gefühle Magdalena mühelos begleiten können, kann ich die Fragen der Polizisten beantworten. Als hätte ich nie etwas anderes getan, zücke ich meinen Personalausweis, als mich die junge Polizistin nach meinem Namen fragt. Und auch diesmal kommt mir mein Name ganz leicht über die Lippen. Ich erzähle den beiden Beamten, dass ich einen Spaziergang im Park gemacht habe, als plötzlich das heranfahrende Auto und der Aufprall zu hören waren. Um meine Aussage zu Protokoll zu geben, fahre ich mit den Polizisten zum Revier. Als wir an der Polizeistation ankommen, stelle ich fest, dass Magdalena bereits in den Operationssaal gebracht wird.
Es dauert nicht lange das Protokoll anzufertigen. Die beiden Beamten, die mich zum Präsidium gebracht haben, bieten mir freundlicherweise an, mich nach Hause zu bringen und ich nehme dankend an. Und so stehe ich um viertel nach elf vor meinem Zuhause im Brunnenweg 12. Ich muss klingeln, denn einen Schlüssel habe ich zu dem Haus, das meiner Mitbewohnerin gehört, noch nicht. Ich klingele, und während ich darauf warte, dass mir Raela öffnet,höre ich eine mir wohlvertraute Stimme.
„Stella, das war eine gute Arbeit!“
„Herzlichen Dank, Herr und Meister!“

„Stella, ich heiße Gabriel!“

„Herzlichen Dank, Gabriel!“

„Na, geht doch! – Aber da nicht für!“

Das Haus(boot) auf dem Lebenslauf 65

Guten Tag Ihr Lieben,

heute gibt es einen neuen Gedankengang als Post für dieses Blog. Diesmal ist er nicht aus dem Archiv. Es ist ein neuer Gedankengang, den man allerdings viel weiter verfolgen könnte. Schön ist anders! Aber es kann nicht immer wortverspielt zugehen.

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Das Haus(boot) auf dem Lebenslauf 65

Der Körper ist das Haus, in dem die Seele lebenslänglich wohnt. Seit Ende 1965 versuche ich nun schon das Haus für meine Seele so gut als möglich zu bestellen, ihr immer wieder neu, den verschiedenen Gezeiten und den unterschiedlichen Erfordernissen des Körpers entsprechend ein Heim zu schaffen.Und ich muss offen zugeben, dass mir das nur mit sehr mäßigem Erfolg gelungen ist. Von Anfang an waren die Fenster schadhaft. Niemals blickte die Seele klar und frei in die Welt und zu den anderen Menschen heraus. Derart von grundauf beschädigt, hatte es sofort einen schlechten Ruf. Vorwürfe, nicht immer ausgesprochen und in Worte wie Schuld, Versagen, Unfähigkeit, Wertlosigkeit etc gefasst, prasselten als Hagel allzu früh auf das noch unfertige Haus und die daher noch weitgehend ungeschützte Seele ein. Die Fassade bekam Risse und die schädliche Nässe drang teilweise in das Haus und damit auf die Seele ein. Und es gilt wie immer die Regel: „Das Haus verliert nichts!“ Und einmal entstandene Schäden können nicht vollends behoben werden. Daher ist es keineswegs verwunderlich, dass das Haus zahlreiche Leichen vergebener Liebesmüh‘, unerfüllter Hoffnungen und Träume im Keller hat. Und es ist ebenso wenig verwunderlich, dass auf dem Speicher getrocknete Giftpilze der Sorten, Angst, Schmerz, Enttäuschung, Vernachlässigung etc lagern. Es bedarf nicht vieler Tränen und auch kaum Speichel, der mit den Worten der Verläumdung, der Schmeichelei usw über die Ohren auf die Pilze gespuckt werden, um sie plötzlich und stark aufzuschwämmen, damit sie ihre Gifte wieder ungehindert freisetzen können.

Und da gilt, dass das Haus nichts verliert, ist die Behausung meiner Seele eher ein Hausboot als eine Wohnimmobilie. Es fährt auf dem Lebenslauf und wird erst am Zielhafen entladen. Es bewegt sich noch immer verblüffend leicht über die Wellen, obwohl es in den mehr als vier Jahrzehnten viel Ballast aufnehmen musste. Da von alledem zu Lebzeiten nicht über Bord geworfen werden kann, gilt, dass all das Blut, der Schweiß und die Tränen, die vergossen worden sind und vergossen werden, nur als ausgesprochen notdürftige Reinigungsmittel taugen. Und von allem Unrat und Ballast sind zumindest deutliche Spuren an der Fassade und/oder in den Räumen geblieben. So ist es keineswegs verwunderlich, dass sich die Trostlosigkeit der Verlassenheit,, in der das Hausboot auch sehr früh häufig dalag, mit ahnderem alten Kummer zu Wollmäusen verfilzt in jedem Raum findet. Ab und zu werden sie pflichtbewusst weggesaugt. Doch wenige Minuten später sind sie wieder überall.

Und in ihrem Haus oder auf ihrem Hausboot geht die Seele bekanntlich zu Fuß, barfuß sogar. Und die Seele ist bis zum Ende ihrer Reise auf ihrem Hausboot dazu verdammt, regelmäßig jeden Winkel ihres Domizils zu durchstreifen. So läuft die Seele häufig auch auf Scherben, die nur notdürftig zusammengekehrt werden können und als kleine Splitter meist sogar unsichtbar herumliegen. Vor allem unliebsame Gäste, die das Haus oder Hausboot heimgesucht haben, haben zahlreiche Scherben gemacht und hinterlassen. Und auch die anderen Spuren, die diese Gäste hinterließen begegnen der Seele auf Schritt und Tritt Und daher wird ihr immer und überall die Erkenntnis aufgenötigt, dass eine aufrichtige, treue und hilfsbereite Seele immer teuer dafür bezahlt, ein offenes und gastfreundliches Haus oder Hausboot zu führen.

Offenherzig zu sein und allem, was einem auf dem Lebenslauf begegnet, mit offenen Sinnen entgegenzukommen, lockt nur egoistisches und rechthaberisches Gesindel an. Und solche Leute gehen nicht von selbst wieder oder erst dann, wenn es für sie nichts mehr zu holen gibt. Ich habe ihnen, wie es sich für einen gastfreundlichen Menschen gehört, ein geräumiges Gästezimmer und die Nutzung von Kombüse oder Küche und dem Bad überlassen. Aber sie wollten das ganze Haus oder Hausboot. über die offenen Sinne dringen sie in jeden Teil der Wohnung und auf die Seele ein. Manchmal gelang es mir sogar sie aus dem Haus oder von Bord zu werfen. Bei diesen Geiern in Menschengestalt geht das aber nur, wenn keine anderen größeren Aufgaben im eigenen Haus oder an Bord anliegen. Bisher sind die anderen auch immer noch irgendwann gegangen. Doch sie gehen erst, wenn kein Glas mehr da ist, das zerbrüllt werden kann, wenn es nichts mehr gibt, das sie wund reden oder bis zur Unkenntlichkeit durch abgreifen entstellen können. Es ist gleichgültig, ob es gelingt sie des eigenen Heims zu verweisen, oder ob sie das Zuhause verlassen, weil da nichts mehr ist, dass sie zerstören oder sich einverleiben können, sie sind immer beleidigt, dass sie nicht bekommen haben, was sie wollen, oder dass es nicht so bequem weitergeht, wie sie es gewohnt sind. Und sie zeigen ihren Ärger auf jeden Fall, wenn sie das Haus oder Boot verlassen. Denn zum Abschied hinterlassen sie deutliche Duftmarken und ätzende Spuren, indem sie an und in die Ecken pinkeln und Gift und Galle ausspucken. Man wird sie schließlich los und in gewisser Weise auch wieder Herrin im eigenen Haus oder an Bord. Ich gebe mir redlich Mühe, aber es wird mir nie gelingen die deutlichen Spuren ihrer Verachtung vollends zu beseitigen. Und ihre Verachtung ist immer und überall zu finden. Und wenn aus allen Ritzen und Winkeln die Ausdünstungen und der Schmutz der Verachtung dringen, wird die Mühe um ein sauberes Haus und gegen die Verachtung zu einem Kampf um jeden winzigen Rest der Selbstachtung. Niemand, der etwas auf sich hält, will das miterleben. Und darum bleiben die geladenen und wohlgesonenen Gäste meinem Haus fern und betreten das Hausboot nicht.Für den liebsten Gast ist das Gästezimmer liebevoll zurechtgemacht. Aber er hat es nicht bewohnt, er bewohnt es auch jetzt nicht, und er wird es nie auch nur für einen Tag bewohnen. Wer könnte es ihm auch verdenken. Schließlich gibt es viele gut gepflegte, weniger oder gar nicht beschädigte Boote oder Häuser, in denen man komfortabler und unbeschwerter zu Gast sein kann.

Manchmal treten die Schäden so deutlich zu Tage, dass die Heizung, die Herzenswärme, versagt, und es kalt wird. Oder durch aufgerissene Stellen geht Energie verloren. Auch das muss repariert werden. Und die Schutzbedürftigkeit von Leib und Seele wird wieder dringlicher und größer. Aber wie lange kann das noch so weitergehen?

]tags Gedanken, Gefühle, Essay, Kurzprosa]

Ich bin dicht!

Guten Tag Ihr Lieben,

hier kommt ein weiterer kleiner Gedankengang aus meinem Textarchiv! Wenn ich mal ein halbes Stündchen Zeit hab‘, kann auch so etwas dabei herauskommen. 😉

Ich bin dicht!

“Warum schreibst du denn keine Gedichte?” Früher habe ich diese Frage sehr oft gehört. Und heute war es zumindest das erste Mal in diesem Jahr, dass diese Frage wie ein Pfeil auf mich losgelassen wurde, weil der Fragenden spontan zu dem, was sie von mir gelesen hatte, nichts eingefallen ist. Mir ist schon deutlich bewusst, dass die Dichtkunst die höchste Sprachkunst ist. Aber, wenn man Kunst macht, kommt es nicht auf höher, schneller und weiter an sondern darauf, was passt und weiterentwickelt werden kann. Mir käme mehr Dichtung in meinem Werk größenwahnsinnig vor. Denn so ganz stimmt es nicht, dass ich nicht dichte. Es gibt ja immerhin einige Haikus von mir. Aber das sind nur geringe Spurenelemente der Dichtkunst in einem ansonsten prosaischen Werk.
“Warum schreibst du denn keine Gedichte?” Auf diese Frage habe ich lange Zeit immer geantwortet:
“Ich bin doch schon ganz dicht. Was soll ich da noch dichten?”
Ich ließ diese Erwiderung immer scherzhaft daherkommen. Und bis zu einem gewissen Grad war sie auch so gemeint. Aber darin ist mehr als ein Wortspiel und ein Spaß. Reimen kam und kommt für Autoren wie mich, die den Ungereimtheiten des Lebens auf die Spur kommen wollen, ohnehin nicht in Frage. Wenn ich ihnen hart auf den Fersen bleiben will, muss ich sie als das anerkennen, was sie sind, nämlich als die Ungereimtheiten des Lebens. Außerdem haben sich die Werbung und die Lebenssinnindustrie Reime und die Rhythmik von Versen längst im großen Stil angeeignet. Ich habe Verse und Reime in meiner Kindheit und Jugend kennen und lieben gelernt. Das gilt vor allem für die Balladen. Und da ich alles, was ich gelesen oder vorgelesen habe, gern und dankbar auf mich habe wirken lassen, haben auch die Gedichte auf mein Sprachverständnis und mein Sprachgefühl ihren vielseitigen Einfluss genommen. Und das gilt selbstverständlich auch für Liedtexte. So kommt es wohl nicht von ungefähr, dass ich beim Schreiben häufig aufstehe, in meinem Arbeitsbereich auf und ab gehe und mir die Texte, während ich sie mir durch den Kopf gehen lasse, halblaut vorspreche. Da ich nicht dichte, geht es bei dieser Herangehensweise an die Texte nicht um das Versmaß sondern um die Melodie der einzelnen Worte und Sätze. Und es geht auch darum, immer wieder neu herauszufinden, mit welcher Geschwindigkeit und Wortstruktur ich den wichtigen Punkten, die mich interessieren, auf der Spur bleiben kann. Und ich werde ohne Dichtung immer dichter!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Stimmen stimmen

Guten Abend Ihr Lieben,

in diesem Artikel gibt es noch einen kleinen Gedankengang. Der kurze Text war auch so eine Fingerübung, um einfach nur mal einen Gedanken aufzugreifen.

Stimmen stimmen

Heute habe ich einige Gründe mich mit der menschlichen Stimme zu befassen, die seit vielen Jahren immer wieder ein Lieblingsthema von mir war. Ich bin nicht besonders empfindlich, was Stimmen betrifft, die ich höre. Denn es liegt ja in der Natur der Sache, dass die Stimme als menschliches Organ vom Aufbau und bezogen auf das Material nicht beliebig verändert werden kann. Und wie meine Mutter zu sagen pflegte: „Niemand hat sich selbst gemacht!“ Aber, obwohl ich vom Gesang kaum Ahnung habe und mich mit Stimmbildung und Stimmentwicklung auch wenig auskenne, habe ich doch festgestellt, dass ich im Verlauf der viereinhalb Jahrzehnte, die ich nun schon Stimmen höre, doch immer sensibler dafür geworden bin, wie sich Stimmen anhören, wie die Stimmen gestimmt sind. So wurde ich gestern Nachmittag durch ein Gespräch mit einer Bekannten an einen Mann erinnert, der im Grunde eine volltönende, tiefe Stimme hat, der diese aber schlampig und nachlässig gebraucht, so dass sie inzwischen nicht mehr kraft- und ausdrucksvoll klingen kann und träge und verwahrlost klingt. Die Vernachlässigung hat deutliche Spuren hinterlassen. Andererseits durfte ich heute Morgen die Stimme einer Frau hören, die ich länger nicht gehört aber trotz ihrer Veränderung erkannt habe. Und es war eine Freude zu hören, wie aufrichtig und stark diese Stimme klang, die mit ihrer Besitzerin durch eine lange und schwere Zeit gegangen ist. Zwar war auch deutlich zu hören, dass die Stimmung der Stimme sich noch weiter verbessern kann. Aber die neue Einstimmung der Stimme war schon sehr wohltuend. Es heißt nicht umsonst, im Einklang mit sich sein. So muss ich zu meiner eigenen Stimme sagen, dass sie einen Teil ihrer natürlichen Stimmung eingebüßt hat. Sie ist sonor und ermüdet leicht, weil sie durch Nebenhöhlenentzündungen etc belegt und beschädigt wurde. So war sie heute wieder einmal ganz besonders müde. Ganz richtig gestimmt, wie sie eigentlich ist, wird sie wohl nicht mehr. Aber lautes Lesen und Summen und dabei den angemessensten Ton, die geeignete Resonanz im Kopf zu finden, haben schon sehr gut geholfen. Gerade, was die Ermüdung betrifft, ist es schon um einiges leichter und besser geworden. Stimmen bekommen im Verlauf des Lebens Gebrauchsspuren. So werden sie dunkler und dabei aber auch sanfter und weicher. Doch immer mehr Stimmen verstimmen dauerhaft, weil sie missbraucht und verwahrlost werden. Mir tut es weh, und ich bedauere es immer mehr, wenn beispielsweise Frauenstimmen so lange auf Kleinmädchenklang verstimmt werden, dass sie schrill und ausgedünnt werden. Ich wünsche Euch, dass Ihr immer wieder Eure Stimmen gut und gesund stimmen und in Stimmungen bringen könnt!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

category Gedankengänge]