Stimmen stimmen

Guten Abend Ihr Lieben,

in diesem Artikel gibt es noch einen kleinen Gedankengang. Der kurze Text war auch so eine Fingerübung, um einfach nur mal einen Gedanken aufzugreifen.

Stimmen stimmen

Heute habe ich einige Gründe mich mit der menschlichen Stimme zu befassen, die seit vielen Jahren immer wieder ein Lieblingsthema von mir war. Ich bin nicht besonders empfindlich, was Stimmen betrifft, die ich höre. Denn es liegt ja in der Natur der Sache, dass die Stimme als menschliches Organ vom Aufbau und bezogen auf das Material nicht beliebig verändert werden kann. Und wie meine Mutter zu sagen pflegte: „Niemand hat sich selbst gemacht!“ Aber, obwohl ich vom Gesang kaum Ahnung habe und mich mit Stimmbildung und Stimmentwicklung auch wenig auskenne, habe ich doch festgestellt, dass ich im Verlauf der viereinhalb Jahrzehnte, die ich nun schon Stimmen höre, doch immer sensibler dafür geworden bin, wie sich Stimmen anhören, wie die Stimmen gestimmt sind. So wurde ich gestern Nachmittag durch ein Gespräch mit einer Bekannten an einen Mann erinnert, der im Grunde eine volltönende, tiefe Stimme hat, der diese aber schlampig und nachlässig gebraucht, so dass sie inzwischen nicht mehr kraft- und ausdrucksvoll klingen kann und träge und verwahrlost klingt. Die Vernachlässigung hat deutliche Spuren hinterlassen. Andererseits durfte ich heute Morgen die Stimme einer Frau hören, die ich länger nicht gehört aber trotz ihrer Veränderung erkannt habe. Und es war eine Freude zu hören, wie aufrichtig und stark diese Stimme klang, die mit ihrer Besitzerin durch eine lange und schwere Zeit gegangen ist. Zwar war auch deutlich zu hören, dass die Stimmung der Stimme sich noch weiter verbessern kann. Aber die neue Einstimmung der Stimme war schon sehr wohltuend. Es heißt nicht umsonst, im Einklang mit sich sein. So muss ich zu meiner eigenen Stimme sagen, dass sie einen Teil ihrer natürlichen Stimmung eingebüßt hat. Sie ist sonor und ermüdet leicht, weil sie durch Nebenhöhlenentzündungen etc belegt und beschädigt wurde. So war sie heute wieder einmal ganz besonders müde. Ganz richtig gestimmt, wie sie eigentlich ist, wird sie wohl nicht mehr. Aber lautes Lesen und Summen und dabei den angemessensten Ton, die geeignete Resonanz im Kopf zu finden, haben schon sehr gut geholfen. Gerade, was die Ermüdung betrifft, ist es schon um einiges leichter und besser geworden. Stimmen bekommen im Verlauf des Lebens Gebrauchsspuren. So werden sie dunkler und dabei aber auch sanfter und weicher. Doch immer mehr Stimmen verstimmen dauerhaft, weil sie missbraucht und verwahrlost werden. Mir tut es weh, und ich bedauere es immer mehr, wenn beispielsweise Frauenstimmen so lange auf Kleinmädchenklang verstimmt werden, dass sie schrill und ausgedünnt werden. Ich wünsche Euch, dass Ihr immer wieder Eure Stimmen gut und gesund stimmen und in Stimmungen bringen könnt!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

category Gedankengänge]

Hilfreiche Wegweiser für das Schreiben

Hallo Ihr Lieben,

mit diesem Artikel beginnen die Posts in der neuen Kategorie Gedankengänge. Sie könnten auch Gedankenanstäße genannt werden.

Hilfreiche Wegweiser für das Schreiben
Hilfreiche Wegweiser

Wenn man schreibt, kommt immer wieder die Frage, ob man Vorbilder hat, und wer es ist. Und ich sträube mich jedes Mal, wenn diese Fragen kommen, sie mit einem eindeutigen Ja und einer Liste von Autoren zu beantworten, die meine Vorbilder sind. Seit ich lesen und schreiben kann, habe ich immer mehr gelesen und geschrieben, als es gefordert wurde. Und ich behaupte, dass fast alle Bücher, die ich bis zum Ende gelesen habe, einen Eindruck bei mir hinterlassen haben. Allerdings habe ich auch Bücher bis zum Ende gelesen, die mir nicht vom ersten bis zum letzten Wort wirklich gefallen haben. Von Negativbeispielen lernt man auch. Aber, wenn ich es mir recht überlege, sind bei mir diejenigen Autoren, die mich inspiriert haben, sicherlich in der Überzahl. Und natürlich gibt es einige, die mich ganz besonders beeindruckt und inspiriert haben. Doch ich mag sie alle nicht als Vorbilder im traditionellen Sinn bezeichnen. Ein Vorbild im herkömmlichen Sinn zeigt sich mit all seinen Facetten so deutlich, dass man alle Einzelheiten erkennen kann oder zumindest glaubt, dass man alles wahrnimmt, fühlt und versteht. Und weil es so überdeutlich ist, kann man sich bei so einem Vorbild dem Versuch nicht entziehen, es in all seinen Facetten kopieren zu wollen. Es ist nicht so, dass ich nur einzelne Facetten von dem wahrnehme, was ich lese. Und die vielseitige Wahrnehmung ist es, die als Reservoire auch noch nach vielen Jahren den einen oder anderen Aspekt frei gibt, der zu einem wertvollen Wegweiser werden kann. Ein Beispiel, das mir ein Wegweiser war, ist das Buch Krabat von Otfried Preußler. In diesem Buch erhalten die immer wiederkehrenden und grausigen Bestandteile der Rituale im Jahresverlauf ihre besondere Eindrücklichkeit und Bedeutung dadurch, dass sie wörtlich wiederholt werden. Das fiel mir auf, als ich an der Geschichte Hildes Todesfall arbeitete und immer noch versucht war, Wort- und Satzwiederholungen zu meiden, wie ich es in der Schule gelernt hatte. Inzwischen sind mir Wiederholungen ein Stilmittel, das ich immer selbstverständlicher nutze, obwohl ich es zu Anfang sicher auch noch überbeansprucht habe. Also muss meine Antwort auf die Frage nach Vorbildern lauten:
“Ich habe keine Vorbilder. Aber ich habe hilfreiche Wegweiser, z. B. Moby Dick, in dem mir beispielsweise gezeigt wurde, wie Menschen plötzlich auf sich selbst zurückgeworfen werden, wenn gar nichts passiert und ebenso abrupt wieder zur Aktivität und Gegenwehr herausgefordert werden, und was diese Wechsel für Gefühl und Verstand bedeuten können.

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Meine geheime Autobiografie von Mark Twain

Guten Tag Ihr Lieben,

auf die Lektüre dieses Buches habe ich mich gefreut, seit dem ich irgendwann Anfang Oktober davon gehört habe. Ich hatte seiner Zeit auch einige Ausschnitte aus dem Hörbuch gehört, die mich schon sehr neugierig gemacht haben. Als ich vor vier Wochen beim Stöbern bei eBook.de auf die Ebookversion gestoßen bin, die anders als das Hörbuch ungekürzt ist, habe ich mir das Buch im Epubformat bestellt und direkt herunter geladen.

Ich mochte und mag die Kinderbücher von Mark Twain. Und ich bin ein begeisterter Leser seiner anderen Texte, z. B. die Einemillionenpfundnote. Und meine Erwartung, dass die Autobiografie ein lebendiger und gut lesbarer Text sein würde, wurde nicht enttäuscht.

Das Ebook, das im September bei Aufbau erschien, ist wie die gedruckte Auflage und das Hörbuch der erste Teil der Lebenserinnerungen, die insgesamt drei Bände umfassen werden. Es gibt zwei Ebookfassungen, eine Text- und eine Gesamtedition. Ich habe die Textedition gewählt, die 641 Seiten stark ist.

Ich versuche gar nicht erst eine Inhaltsangabe zu schreiben. Eine chronologische Auflistung der Lebensstationen ist ohnehin nicht möglich. Denn Mark Twain hat keine Autobiografie konventioneller Machart verfasst. Der Autor hat den vorliegenden ersten Band seiner Autobiografie selbst verfasst aber nicht selbst geschrieben, denn das Buch basiert auf Texten, die Mark Twain ab 1904 diktiert hat. Im Alter von ungefähr siebzig Jahren hatte er bereits mehrere Versuche hinter sich seine Autobiografie zu schreiben. Er beschreibt, dass ihm alle vorhergegangenen Versuche, bei denen er selbst die Feder von Wort zu Wort und von Zeile zu Zeile geführt hatte, zu schmalspurig geraten waren. Um nicht wieder in diese Falle zu tappen, und um seinen Gedanken durch sein Leben freien Lauf zu lassen, entschied er sich dazu, täglich von den Ereignissen und der Tagessituation ausgehend durch sein Leben zu streifen. Und da jeder Tag zumindest etwas anders ist als jeder andere Tag, findet Mark Twains wache Wahrnehmung und sein Scharfsinn immer Ausgangspunkte, die Anknüpfungen zu Erlebnissen aus der Vergangenheit bieten. Jeden Tag einen neuen Anlauf nehmen zu können entspricht den Erzählqualitäten, die märk Twain eigen sind. Auf diese Weise kommen sowohl seine Fähigkeit sehr ausführlich zu beschreiben, als auch sein Können, was kurze pointierte Beschreibungen betrifft, vollends zur Geltung.

Obwohl Mark Twain durchaus mit den Beschreibungen seiner Vorfahren, der Familiensituation, in die er hineingeboren wurde und Ereignissen aus seiner Kindheit beginnt, sind auch diese Schilderungen keineswegs chronologisch geordnet, und es gibt sinnvolle Ausflüge zu Personen und Erlebnissen des späteren Lebens. So erfahren wir Leser bereits auf den ersten Seiten einiges über die Herkunft mancher Personen und Geschehnisse, die wir aus seinen Büchern kennen. In diesem Buch begegnen wir auch den Mitgliedern der Familie, die er selbst gründete. So zitiert Mark Twain das liebevolle Portrait, das seine Tochter Sousi über ihn geschrieben hat. Er relativiert in seinen Aufzeichnungen das Bild, das sie von ihm gezeichnet hatte. Doch, dass er seine Tochter, die bereits im Alter von 24 Jahren verstarb, zitiert, ist keine Attitüde. Es entspricht der großen Liebe zwischen Vater und Tochter.

Mark Twain wollte, dass seine Autobiografie 100 Jahre nach seinem Tod veröffentlicht werden sollte. Er, der ein scharfsinniger Beobachter war und daher auch über eine spitze Zunge und Feder verfügte, wollte nicht, dass seine zahlreichen Kritiker und Feinde ihre Scharten an seinen Hinterbliebenen Verwandten und Freunden auswetzen würden. Diese Idee gab ihm die Freiheit, auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen zu müssen. Seinem Wunsch wurde entsprochen. Und seine Hoffnung, dass noch etwas Interessantes für die Nachgeborenen übrig bleiben würde, hat sich mehr als erfüllt. Wir finden in dieser Autobiografie von der ersten bis zur letzten Seite ein interessantes, vielseitiges und unterhaltsames Lesefutter.

Steckbrief des Buches

Autor: Mark Twain
Titel: Meine geheime Autobiografie Textedition
Format: Ebook (Epubformat)
ISBN: 9783841204905
Preis: 17,99 €
Verlag: Aufbau
Seitenzahl: 641

Und jetzt gilt nur noch: „Nur selbst lesen bringt Lesevergnügen!“
Und wer ganz schnell und einfach an sein Lesefutter kommen möchte, kommt mit einem Klick weiter.
Meine geheime Autobiografie
In der Textedition als Ebook im Epubformat bestellen!
view.asp?site=2701&ref=618387&b=0&type=text&tnb=8

Ich wünsche Euch ganz viel Lesespaß!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Die Entsendung: Engelbuch

Tach zusammen,

hier kommt das zweite Kapitel über die Erlebnisse des Schutzengels Stella Engel. Nachdem sie schon in Menschengestalt ihren Auftrag bekommen hat, folgt jetzt die offizielle Verabschiedung nach Engelart. Ich wünsche Euch viel Freude dabei!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Die Entsendung

Nur wenige Minuten später komme ich in der einzigen Engelhalle des Himmels an. Wahrscheinlich wundert Ihr Menschen Euch darüber, dass wir Engel nur eine Halle haben. Aber diese Halle ist eine Allzweckhalle, die diesen Namen auch verdient. Sie wird je nach Bedarf in Größe und Ausstattung verändert. Die fünfzig Engel im Innendienst, die für Gestaltungsarbeiten zuständig sind, können unsere Halle mit wenigen gekonnten Handgriffen von der großen Flughalle in eine Sporthalle, wie sie auf der Erde üblich ist, umbauen. In dieser Halle habe ich auch Motorradfahren geübt. Zu diesem Zweck war sie zur Stadt umgebaut. Und die anderen haben in ihr Autofahren gelernt.
Als ich in die Halle komme, ist sie als mittelgroßer Festsaal gestaltet. Es gibt eine Empore und eine Bühne. Im Zuschauerraum sind schon viele Engel versammelt. in der ersten Reihe sitzen elf Engel in Menschengestalt, darunter auch Dorothea Glück. Auch ich nehme in der ersten Reiehe Platz. Als ich meinen Platz eingenommen habe, sehe ich mich sorgfältig um. Ich ahne, dass nur wir zwölf gleich verabschiedet werden. Und ich werde noch unruhiger als bisher, weil ich mich frage, wo die andere Hälfte von uns geblieben ist. Ich stelle fest, dass wir alle zwölf eine weibliche Menschengestalt bekommen haben.“Weiß jemand, was mit den anderen aus unserem Seminar geworden ist?“ fragt Dorothea.
„Ja, ich weiß es!“ erklärt ein Engel, der ähnlich exklusiv wie Dorothea gekleidet ist. Sie ist auch blond aber kleiner als Dorothea.“Die Herren der Schöpfung sind schon verabschiedet worden. Sie wurden alle nacheinander nach Ostfriesland oder Bayern entsendet.“
Nachdem sie das gesagt hat, merkt die niedliche Kleine, dass ich auch da bin.
„Wie heißt du jetzt, Derila?“
„Stella Engel! – Und du?“
„Ich heiße Raphaela Gottlob! – Findest du nicht, dass für dich Stella, der Stern, ein sehr hochgegriffener Name ist?“
Ich schüttele nicht einmal den Kopf. Und ich antworte natürlich auch nicht.
Kaum haben sie ihre Menschengestalt scheinen sie ihre Engelhaltung verloren zu haben und werden schwatzhafter denn je. Die Aufgeregtheit ihres Geschwätzes greift auf mich über. Aber ich bleibe äußerlich vollkommen ruhig. Ich höre, dass sie reden. Aber ich höre nicht dabei zu, was sie sagen.Plötzlich knufft mich Dorothea in die Seite:
„Sag‘ mal, Derila, äh, Stella, bist du nicht wenigstens auch ein bisschen aufgeregt, oder hast du was von diesem Menschenzeug genommen?“
„Ja, ich bin auch aufgeregt. Und nein, ich habe keine Beruhigungsmittel genommen!“

Dann geht die Tür neben der Bühne auf. Ein Trompetensignal kündigt das Kommen der Musiker und Sänger an. Der Engel mit der Trompete ist der Dirigent. Er schwebt vor den Harfenisten und Sängern in den Saal. Die Sänger und Harfenspieler nehmen auf der Empore Aufstellung. Mir fällt auf, dass es auch im Musikkorps einen Führungswechsel gegeben hat. Der Dirigent ist ein freundlicher, großer Engel, der leicht und beschwingt seine Musiker und Sänger anführt. Dieser Engel ist so freundlich und so beschwingt, dass selbst ich fast glauben kann, dass Musik eine schöne, dankbare und einfache Engelaufgabe ist. Und diesem angenehmen Anblick zum Trotz steigen in mir augenblicklich unangenehme Erinnerungen auf. Wenn ich eine oder mehrere Harfen sehe, wird mir immer mulmig. Die vielen Saiten der Instrumente sind mir alles andere als geheuer. Ich bin eben doch ein Grobmotoriker vor dem Herrn. Und ich bin froh, dass Gott sei Dank noch niemand auf die Idee gekommen ist, mir eine Harfe in die Hände zu geben. Allerdings wurde ich irgendwann von meinem ehemaligen Vorgesetzten, der hoffte, mich loswerden zu können, zu einer Gesangsprobe geschickt.
„Jeder Engel muss einmal das Singen ausprobieren.“
Also ging ich zu einem öffentlichen Vorsingen, bei dem ungefähr 25 Engel Testgesänge anstimmen sollten. Ich war die Erste, auf die der Dirigent zeigte. Also ging ich auf die Bühne und sang. Zunächst kam es mir so vor, als sei der Dirigent viel freundlicher als mein Vorgesetzter. Er ließ mich lange vorsingen und schien geduldig zuzuhören. Nach meinem Vortrag hüllte er den Saal auf einen Schlag in vollkommene Dunkelheit. Dann richtete er plötzlich ein gleißendes, gelbes Licht auf mich. Dieses Licht strahlte reine Verachtung aus. Und alle Anwesenden konnten mich überdeutlich sehen.“Das ist das absolut abschreckendste Beispiel für Engelgesang, dass ich je ertragen musste. Textsicherheit und die Beherrschung der Melodie macht noch keinen Engelgesang. Das ist nur ein abscheuliches, melodiöses Grollen. Da wird auch nicht mehr draus! Aber, wenn man ein Donnerrollen erzeugen will, muss man keinen Engelchor engagieren. Engelgesang hat gefälligst immer und überall lieblich zu klingen. – Also augenblicklich abtreten!“
Während ich geduckt davon schwebte, schickte mir der Dirigent eine ganze Zeit lang hönisches Licht in einem anderen Gelbton hinterher. Niemand, der dabei war, wird diese effektvolle Demütigung jemals vergessen.

Nachdem die Sänger und Harfenisten auf der Empore Aufstellung genommen haben, beginnen sie sofort zu singen und zu spielen. Und ich gebe gern zu, dass mir diese Musik sehr gut gefällt, obwohl ich während des Vorbereitungsseminars meine Liebe zur menschlichen Rockmusik entdeckt habe. Ich freue mich von Herzen an den himmlischen Klängen. Und sie geben mir meine innere Gelassenheit wieder. Noch während das Musikkorps spielt, öffnet sich die Saaltür neben der aufgestellten Bühne abermals, und die zwölf Erzengel kommen herein. Sie schweben auf die Bühne. Und die Erzengel stimmen in den Gesang des Chores ein.

Nachdem das Lied verklungen ist, lässt der Erzengel Michael eine kurze Pause zu. Dann tritt er feierlich vor und beginnt zu sprechen. Auch seine Stimme klingt sehr freundlich. Sie ist nicht ganz so tief wie die Stimme von Gabriel, und sie klingt noch etwas klarer.“Sehr geehrte Kollegen,

ich heiße Euch im Namen aller zwölf Erzengel herzlich willkommen! Wir sind heute zusammengekommen, um die zweite Schutzengelstaffel des Jahres 2012 zu verabschieden, bevor wir sie auf die Erde entsenden.“
Als er das gesagt hat, fällt mir wieder einmal angenehm auf, das Worte wie entsenden, wenn sie von einem der Erzengel ausgesprochen werden, niemals überheblich, schwülstig, altbacken oder geziert klingen. Das ist oft ganz anders, wenn dominante Bosse wie mein früherer Vorgesetzter oder moderne Menschen, die sich für wichtig halten, solche Dinge sagen. Ein Grund dafür ist wohl, dass Erzengel, obwohl sie wie alle anderen Engel übernatürliche Wesen sind, die aber natürliche Autorität, Güte und Freundlichkeit ausstrahlen. Man kann ein Schutzengel werden und viele Fähigkeiten entwickeln. Man kann auch ein Wächter- oder Innendienstengel werden und viele Fähigkeiten entfalten. Aber Erzengel kann man nicht werden. Erzengel ist man.

Erzengel Michael drückt in seiner Rede die Freude und den Stolz Gottes und der Erzengel darüber aus, dass auch in diesem Jahr 24 hervorragende Schutzengel an dem Vorbereitungsseminar erfolgreich teilgenommen. haben Und lobend erwähnt er, dass jeder der Engel, die am Seminar teilgenommen haben, sich zu einer außergewöhnlichen Schutzengelpersönlichkeit in Menschengestalt entwickelt hat. Kaum hat er das gesagt, sehen meine elf Gefährtinnen mich mit unterdrücktem Argwohn an. Und mir reicht es allmählich. Ich bin doch nur so, wie ich bin. Ich habe nichts Unrechtes getan. Und womit sollte ausgerechnet ich mir das Wohlwollen Gottes oder der Erzengel erschlichen haben? Danach erfahren wir, dass die erste Staffel der neuen Schutzengel bereits erfolgreich entsendet wurden und in Ostfriesland sind. Als meine Gefährtinnen das hören, beginnen sie aufgeregt zu tuscheln.“Und wir kommen auch alle in eine Region. Man sieht sich also!“ sagt Dorothea zu mir.
Ich frage mich, warum sie ausgerechnet mich wieder sehen will. Wahrscheinlich wartet sie nur darauf zu erfahren, dass und wie ich versage.“Und nun wird jeder neue Schutzengel von einem Erzengel zu sich gerufen. Und wenn alle zwölf auf der Bühne sind, werdet ihr nacheinander entsendet.“
Dorothea knufft mich in die Seite:
„Und du bist bestimmt wieder die Letzte!“
Ich reagiere nicht.

Nach einer kurzen Pause ruft Michael Dorothea zu sich. Danach werden auch alle anderen von einem Erzengel aufgerufen. Immer, wenn einer der neuen Schutzengel auf die Bühne schreitet, spielen und singen die Musiker ein Kurie. Damit erbitten die Engel für die Schutzengel und für die, die sie zukünftig beschützen werden, Gottes Erbarmen. Als Letzte werde ich von Gabriel auf die Bühne gerufen.

Als schließlich alle Erzengel und die neuen Schutzengel auf der Bühne versammelt sind, beginnen die Harfenisten eine Melodie zu spielen, zu der es keinen Text für den Engelchor gibt. Die Tür, durch die die Musiker und die Erzengel in den Saal gekommen sind, färbt sich golden. Erzengel Michael sagt noch einmal Dorotheas Namen. Sie schließt die Augen und Michael begleitet sie als ihr Führer zur Tür. An der Tür angekommen, zeichnet Michael sein Siegel auf Dorotheas Stirn, berührt sie noch einmal und dann geht die Tür von selbst auf, und sie tritt immer noch mit geschlossenen Augen, wie man es uns gesagt hat, durch die Tür, die sich hinter ihr wieder von selbst schließt. Was sie uns nicht gesagt haben, ist, dass während der gesamten Zeremonie die zauberhafte Melodie, die wohl eigens zu diesem Anlass komponiert wurde, ertönt. Danach werden nacheinander alle meine Gefährtinnen von ihrem Engelführer verabschiedet. Und auch dieses Mal bin ich wieder die Letzte, was mich wie immer keineswegs stört.

„Stella Engel!“ sagt Gabriel schließlich zu mir. Und es kommt mir so vor, als ob seine Stimme noch freundlicher und tiefer klingt als sonst. Ich schließe meine Augen. und es wird vollkommen dunkel um mich her und in mir. Aber, obwohl ich das noch nie erlebt habe, beunruhigt es mich nicht. ich lasse mich von Gabriel zu der goldenen Tür führen. Und es ist so, als ob mich auch der wunderbare Klang der Harfen führt und trägt. Mir fließt eine neue Kraft durch Gabriels Hand und die Klänge zu. An der Tür angelangt, bleiben wir, mein Engelführer Gabriel und ich einen Augenblick stehen. Dann zeichnet mir Gabriel sein Siegel, das mir Schutz und Kraft geben wird, auf die Stirn.“Gottes Segen für dich und alle, die du beschützen wirst!“ sagt Gabriel leise und berührt mich an der Brust, da wo mein Menschenherz schlägt, und ich gehe mit geschlossenen Augen geradewegs durch die Tür.

Paula Grimm, 2012

]category Engelbuch mit Bounusmaterial, Paulas Posts]

HTML und CSS im Blindflug: Einfache Webseiten von Hand für viele

Guten Tag Ihr Lieben,

in diesem Artikel findet Ihr einen Buchtipp. Es geht um ein Lehrbuch zum Thema HTML und CSS, das ich vor wenigen Wochen als „Versuchskaninchen“ lesen durfte. Der Autor, Arne Harder, hatte mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar für eine gewisse Zeit zur Verfügung Gestellt. Darüber hinaus gehöre ich auch zu den Leuten, die bei Arne Harder ein Seminar zur Erstellung von eigenen Webseiten besucht haben.

Dieser Artikel ist eine Vorankündigung für das Buch, „HTML und CSS im Blindflug: Einfache Webseiten von Hand für viele“. Doch wer schon immer wissen wollte, wie man eine Homepage Schritt für Schritt selbst gestaltet, oder wer für seine Webpräsenz nicht den geeigneten Homepagebaukasten gefunden hat, kann mit dem Verlag schon jetzt Kontakt aufnehmen und sich ein Exemplar sichern. Alle Angaben zum Buch und zum Verlag sind unter der Überschrift: „Steckbrief des Buches“ aufgeführt. So kann man direkt mit der Gestaltung der eigenen Webseite in das neue Jahr starten.

Homepages sind im Wortsinn das Zuhause der verschiedenen Inhalte, die man im Netz einstellen möchte. Das Lehrbuch ist dazu gedacht, eine schrittweise „Bauanleitung“ für die Erstellung der eigenen Homepage und der Einrichtung der verschiedensten Inhalte zu sein. Das bedeutet, dass jeder, der mit Hilfe dieser praktischen Anleitung eine eigene Webseite gestalten möchte, über den geeigneten Bauplatz, den man in der Fachsprache unter dem Begriff: „Webspace“ kennt, und über eine eigene Adresse verfügen sollte. Es gibt inzwischen viele Anbieter, die günstigen Webspace vorhalten, und bei denen man gleich eine Webadresse buchen kann. Viele dieser Anbieter stellen ihren Kunden auch sog. „Homepagebaukästen“ zur Verfügung, mit denen es ganz einfach und schnell möglich ist, eine eigene Webseite zu gestalten. Doch nicht jeder, der eine Homepage einrichten möchte, kommt mit jedem Baukastensystem zurecht. Und nicht jeder, der eine Webseite haben möchte, will, dass man seiner Seite anmerkt, aus welchem Baukasten die Bausteine stammen, aus der die Homepage gebaut wurde. Darüber hinaus ist es nach wie vor so, dass nicht jedes Bauteil in einem Baukasten den speziellen Wünschen des Homepagebetreibers oder den Erfordernissen der zukünftigen Nutzer entspricht. So gibt es beispielsweise immer noch viele Baukastensysteme, mit denen man Bilder nicht oder nur schwierig beschriften kann, so dass auch blinde Computernutzer über die Beschreibung an der Graphik erfahren können, was das Bild zeigt. Auch die Bedienung der Baukästen ist sehr unterschiedlich.

Wer das Zuhause seiner Webinhalte wie Texte, Links, Audiodateien, Tabellen, Bilder und Filme sozusagen Stein auf Stein baut, hat viele Möglichkeiten, seine Homepage nach seinen Wünschen und Erfordernissen ganz individuell zu gestalten und dabei vielen einen angenehmen und angemessenen Zugang zu den verschiedenen Inhalten zu bieten. Der zweite Teil des Titels, „Einfache Webseiten von Hand für viele“, ist wörtlich zu verstehen. Die Homepagegestaltung ist mit Hilfe des Lehrbuchs einfach, weil die „Bauanleitung“ Schritt für Schritt erklärt wird. Das ermöglicht vielen, ihre eigene Homepage begleitet durch diesen guten Ratgeber von Hand selbst zu gestalten und dabei ganz einfach auf viele verschiedene Bedürfnisse seiner zukünftigen Besucher Rücksicht zu nehmen. Doch Vorsicht ist geboten. Es geht vieles, aber nicht alles. Das gilt bezogen auf die Gestaltungsmöglichkeiten der eigenen Homepage ebenso wie für die Nutzbarkeit für die Besucher. Oft kann man allerdings auch durch das Anlegen von Unterseiten auf die sprachlichen und sinnlichen Bedürfnisse unterschiedlicher Nutzer Rücksicht nehmen.

Die Gestaltung einer eigenen Homepage ist spannend. Das gilt umso mehr, als dass die Erstellung von Webseiten und ihre Darstellung in unterschiedlichen Formaten erfolgt. Von Hand geschrieben wird eine Homepage nämlich immer im Nur-Textformat, während sie nach der Fertigstellung im HTML-Format präsentiert wird. So wird für jeden, der seine Webseite gestaltet, vor allem die Arbeit an der ersten eigenen Homepage zum Blindflug. Überraschungen sind auf diese Weise vorprogrammiert. Selbstverständlich gibt es im Lehrbuch: „HTML und CSS im Blindflug: Einfache Webseiten von Hand für viele“ anschauliche Illustrationen, die zeigen, wie eine Homepage aussehen kann. Und bei der Auswahl der Graphiken und der Webseitengestaltungen bietet der Autor eine interessante und bunte Mischung. Wichtig ist auch die Sprache. So werden Begriffe aus der Fachsprache gut verständlich erklärt. Die Sprache selbst ist insgesamt klar und verständlich gehalten. Und es gibt zu jedem Absatz eine ebenfalls gut verständliche Zusammenfassung. Gerade der Aufbau des Buches und die angemessene Sprache machen das Lehrbuch zu einem guten Begleiter bei der Erstellung der eigenen Homepage.

Steckbrief des Buches

Literaturangaben:
Harder, A. (2012). HTML und CSS im Blindflug: Einfache Webseiten von Hand für viele. Filderstadt: Weinmann Barrierefrei.

Mitarbeitende: Fachliche Bearbeitung: Arnd Fricke, Berlin. Abbildungen: Rainer Hannweg, Pinneberg; und Sigrid Nickel, Köln.

Erscheinungsangaben:
ISBN 978-3-921262-71-9.
1. Auflage 2012. © Verlagsgesellschaft W.E. Weinmann e.K.

Preis: 34,95 €.

Kontaktdaten des Verlages:
Verlagsgesellschaft W.E. Weinmann e.K.,
Karl-Benz-Str. 19,
70794 Filderstadt.
Telefon: 0711/700153-0;
Telefax: 0711/700153-10.
E-Mail: service@verlag-weinmann.com
Web: http://www.verlag-weinmann.com

Ich wünsche Euch viel Erfolg und Freude bei der Arbeit mit dem genannten Lehrbuch und der Erstellung der eigenen Homepage!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Sechs Punkte für sechs Punkte – (09.12.1879: Anerkennung der Brailleschrift als Blindenku lturtechnik)

Tach zusammen,

es ist kein rundes Jubiläum. Aber es ist ein Jahrestag. Denn heute vor 133 Jahren wurde die Brailleschrift offiziell als Kulturtechnik der Blinden anerkannt. Außerdem ist die Punktschrift eines der Themen, die im Zusammenhang mit dem Engelbuch eine Rolle spielen wird. Und aus diesen Gründen stelle ich hier einen Artikel ein, den ich über die Brailleschrift verfasst habe. Der Post ist nich frei von persönlichen Anmerkungen.

Ich weiß natürlich um die Probleme, die der Verbreitung der Brailleschrift im Wege stehen. So können beispielsweise viele blinde Kinder die Punktschrift nicht erlernen, da sie auf Grund anderer Behinderungen oder Erkrankungen nicht in der Lage sind, die Schrift zu ertasten und/oder ihr System zu begreifen. Die meisten Menschen erblinden in ihrer zweiten Lebenshälfte. So sind etwa 70% der Blinden 65 Jahre oder älter. Zu bedenken ist, dass auch bei diesen Menschen oft zusätzlich andere Behinderungen oder Erkrankungen wie Diabetes vorliegen, die das Erlernen der Blindenschrift unmöglich machen oder zumindest stark erschweren oder verhindern. Viele ältere Menschen wagen sich verständlicherweise nicht mehr an das Erlernen einer neuen Schrift. Und darüber hinaus findet noch lange nicht jeder Lernwillige Erwachsene an seinem Heimatort einen geeigneten Lehrer.

Aber obwohl ich kein Lobbyist in Sachen Punktschrift bin, liebe ich die Brailleschrift und mir ist bewusst, wie viel diese sechs Punkte für die Bildung und das Selbstverständnis blinder Menschen geleistet hat. Das liegt sicherlich nicht zuletzt daran, dass die Punktschrift von einem Blinden entwickelt und von den Blinden selbst angenommen und verbreitet wurde.

Für mich gibt es sechs persönliche Punkte, warum ich die Punktschrift nach wie vor sehr schätze, und sie zusätzlich zu den neuen Möglichkeiten, die Hörbücher etc bieten, wieder verstärkt nutze.

1. Sie war und ist mir ein sinnvoller und guter Zeitvertreib vor allem in schlaflosen Nächten.
2. Ich kann beim Lesen und schreiben die Geschwindigkeit vorlegen, die gerade passt.
3. Wenn ich leise lese, erklingt meine innere Stimme bzw meine inneren Stimmen und die Vorstellungsgabe wird besonders beflügelt.
4. Vorlesen macht Spaß und ermöglicht es Texte immer wieder neu zu gestalten und zum Leben zu erwecken.
5. Nicht zu allen Texten, die ich lese oder schreibe, habe ich sofort eine abschließende Meinung. Daher war es vor allem in der Zeit vor den Computern gutLesestoff und selbst geschriebene Texte für einige Zeit zur Seite zu legen, um sie später zu verstehen oder zu bearbeiten.
6. Es ist ein gutes Gefühl beim Lesen oder Schreiben erleben zu dürfen, wie Kopf, Herz und Hand zusammenarbeiten. Übrigens, feiere ich dieses Jahr sozusagen mein 40jähriges Punktschriftjubiläum, denn ich wurde am 08.08.1972 in die Rheinische Landesschule für Blinde in Düren eingeschult, die heute Luis-Brailleschule heißt.

Und jetzt folgt in diesem Post noch etwas über die Entwicklung der Punktschrift.Luis Braille wurde am 04.01.1809 geboren. Im Alter von vier Jahren verletzte er sich ein Auge an einer der Schusterahlen in der Schuhmacherwerkstatt seines Vaters. Das Auge entzündete sich. Und die Entzündung griff auf das andere Auge über, so dass Luis Braille vollständig erblindete. Von Kindesbeinen an wollte Luis Braille sich nicht damit abfinden, dass er Literatur nur durch das Vorlesen kennen lernen konnte. Er interessierte sich für unterschiedliche Ideen für Schriftsysteme, die haptisch erfassbar waren, z. B. für Reliefschrift, bei der die Druckbuchstaben der geläufigen Schwarzschrift tastbar gemacht wurden. Doch diese Übertragung von Strichen, gebogenen Strichen und Punkten stellten sich als zu groß für die Ertastung heraus. Im Alter von 11 Jahren lernte Luis Braille die sog. Nachtschrift, die der Artilleriehauptmann Charles Barbier entwickelt hatte, kennen. Aber auch diese Schrift mit ihren zwölf Punkten erwies sich als zu groß und kompliziert, um sie einfach mit einem Finger oder mit zwei Fingern, die einander folgen, zu ertasten. Luis Braille vereinfachte diese Schrift auf sechs Punkte. Durch Die Anregungen, die er durch Versuche mit anderen Tastschriften erhielt und durch Experimentieren gelang es Luis Braille im Jahr 1825 die Sechspunktschrift, die heute weltweit seinen Namen trägt, vollständig zu entwickeln. Außerdem entwickelte er die auf der Grundlage der Sechspunktschrift die Blindennotenschrift, mit der blinde Musiker auf der ganzen Welt Noten lesen und schreiben. Inzwischen ist die Brailleschrift als Grundlage weiterer Schriftsysteme für Blinde verbreitet, z. B. kyrillisches Alphabet, japanische Silbenschrift, Mathematikschrift etc. Luis Braille starb im Jahr 1852 an Tuberkulose. Den Siegeszug seiner Erfindung erlebte er nicht mehr. Im Jahr 1850 wurde die Brailleschrift an französischen Blindenschulen als verbindliche Kulturtechnik eingeführt. Die internationale Anerkennung als Schriftsystem der Blinden erfolgte am 09.12.1879. In diesem Jahr wurde die Sechspunktschrift auch in Deutschland anerkannt.

Interessant an der Verbreitungsgeschichte der Brailleschrift sind die Vorbehalte, die sehende Blindenlehrer Luis Braille und seiner Erfindung entgegen brachten. So war der Direktor der französischen Blindenschule, an der Luis Braille lehrte, davon überzeugt, dass die Einführung dieser Schrift blinde Menschen von ihren sehenden Mitmenschen isolieren würde. In Deutschland wurde dieser Schrift sogar der Vorwurf der Subversion entgegen gehalten, denn sehende Blindenlehrer experimentierten im 18. und 19. Jahrhundert selbst mit verschiedenen Schriftsystemen. Und es war die Überzeugung mächtig, dass ein eigenes Schriftsystem, das von den Blinden selbst entworfen und unterrichtet werden konnte, keine Zukunft haben könnte.
Dazu kam, dass auch blinde Blindenlehrer sehr umstritten waren. Doch vor allem ab Ende des 19. Jahrhunderts trug die Brailleschrift zur Emanzipation und Bildung blinder Menschen wesentlich teil. Dies ist sicher zu weiten Teilen der Tatsache zu verdanken, dass Luis Braille und seine Mitstreiter sehr sorgfältig experimentierten, um eine angemessene Punktekonstellation zu finden, die den Erfordernissen des Tastsinns entspricht.

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)
Quellen
Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Louis_Braille

Zeitschriftenartikel:

Manfred Weiser: Zur Geschichte der Blindenbildung. Zeitschrift für Sonderpädagogik. 1/1990 S.29-44
Homepage mit aktuellen Aspekten zum Thema Brailleschrift aus der Schweiz: http://www.braille.ch

Der verlorene Augenblick – Prosa

Tach zusammen, hier kommt eine ältere Geschichte. Engel sind eine schöne Vorstellung. Aber Schutzengel vor allem „frischgebackene“ Schutzengel haben es nicht leicht. Ich hab‘ diese Geschichte einfach so gelassen, wie ich sie im Jahr 2005 geschrieben habe. Das kommt dabei heraus, wenn die Paula mal eineinhalb Stunden Zeit hat! 😉 Liebe Grüße Paula Der verlorene Augenblick Aus vielen Gründen hatten wir keine Chance diese Sache zu einem guten, irdischen Ende zu bringen, meine Schutzbefohlene und ich. Nie hätte ich gedacht, noch einmal etwas wie Müdigkeit empfinden zu müssen. Aber ich bin ja noch nicht lange dabei. Und Schuld daran hat dieses Loch in der Ewigkeit. Und so ein Loch gibt es nur auf Erden. Dieses Loch in der Ewigkeit dauerte noch nicht einmal eine Sekunde. Aber dafür war es unendlich tief. Das sind die fatalen Verhältnisse von Zeit und Raum. Das menschliche Auge kann in einer Sekunde acht Bilder wahrnehmen. Daher muss das Loch in der Ewigkeit eine geringer Dauer als eine Achtelsekunde gehabt haben. Denn für unsere Tätigkeit sind das menschliche Augenmaß und seine übrigen sinnlichen Fähigkeiten der entscheidende Maßstab. Denn der Mensch muss die Möglichkeit haben, uns wahrzunehmen,damit unser Schutz wirksam werden kann. Ob unsere Existenz in sein Bewusstsein dringt, ist dagegen vollkommen belanglos. Die Möglichkeit der Aufmerksamkeit, die den verschiedenen Sinnen eigen sind,stellt unserer Wirkmächtigkeit alle Facetten zur Verfügung, die sie benötigt. Da sie sich auf irdische Bedingungen erstreckt, ist sie nicht perfekt oder unendlich, aber sie ist doch sehr weitreichend, diese, unsere Wirkmächtigkeit. Du merktest, dass sie plötzlich da war. Und du merktest auch, dass sie ebenso plötzlich wieder verschwand. Dieses unendlich tiefe Loch in der Ewigkeit hat sie verschluckt. Es hat sich allerdings als ein einfaches Loch ausgegeben,als der Meter zwischen Bahnsteig und Gleisen. Diese Tarnung ermöglicht den Menschen eine offizielle Wiedergabe des Ereignisses. Aber allen direkt Beteiligten ist mit der Version für die Akten nicht geholfen. Du bist auch beteiligt. Und du solltest wissen, dass man an solchen Sachen nie freiwillig beteiligt ist. Und ich wende mich auch nur deshalb an dich, teile mit dir meine Gedanken, teile dir meine Gedanken mit, weil ich weiß, dass du beteiligt bist. Wenn man jemandem begegnet, der plötzlich da ist,um ebenso plötzlich zu verschwinden, ist einem dieser Mensch unwiderruflich nah gekommen. Und diese Nähe wird lebenslänglich gelten. Und ab und zu wird diese Nähe ihr Gesicht verändern. Aber du solltest wissen, dass einem der Mensch, der einem so zu nahe getreten ist, niemals freiwillig und oft auch ohne Absicht. Und so wie dieser Mensch kam und ging, ist er nicht mehr als ein Phantom. Menschen sollen so weit als möglich davor geschützt werden mit Phantomen leben zu müssen. Und zu schützen, das ist meine Sache. Und darum sollst du etwas über sie wissen. Sie war siebzehn Jahre alt und hieß Jasmin. Oh, ja, sie war in deinem Alter. Nicht nur durch ihre Größe, durch die sie dir aufgefallen war, war sie eine auffällige Person. Sie lebte bereits seit vier Jahren von jeglichem heimischen Gefühl entfernt. Sie war immer unterwegs. Sie kam schon lange nicht mehr irgendwo an. Sie wäre schwarz mit der Bahn gefahren, die sie vorläufig unter sich begraben hatte. Sie wäre eingestiegen und irgendwann ausgestiegen, um so zu tun, als könnte sie noch irgendwo ankommen. Sie hatte ein leeres Gesicht mit dunklen Augen. Und sie stand sehr nah bei den Gleisen. Sie merkte es nicht. Denn auch an der Stelle, an der sie stand, war sie nicht wirklich angekommen. Sie war allen Gefahren immer nahtlos auch dieser. Sie hatte ein leeres Gesicht mit dunklen Augen. Das Schlagzeilenwissen von Morgen, das Übermorgen schon älter sein wird als alles Andere auf dieser Welt, wird zu wissen glauben, dass es auf jeden Fall an Drogen gelegen haben muss. Aber die haben in ihrem Fall nichts damit zu tun. Das leere Gesicht, der fehlende Augenblick, der so plötzlich zu einer unwiderruflichen Konsequenz, zu ihrem Todesfall führte, kommt vom Aufsehen, vom Hinsehen, ohne zu sehen, vom Wegsehen, ohne den Blick abwenden zu müssen. Ständig aufgesehen zu werden, hat sehr bald zur Konsequenz, dass man bald keinen eigenen Augenblick mehr hat. Diese Art den Augenblick zu verlieren, wird immer häufiger. Du, Verena, hast auch keinen Augenblick mehr. Jasmins augenblickloses Gesicht ist deinem fehlenden Augenblick begegnet. Von ihrem eigenen fehlenden Augenblick hat sie gewusst. Aber sie hat ihn mit aller Macht und Gewalt erst zu spüren bekommen, als sie dein Gesicht sah. Sie wankte. Das konnte sie sich nicht erlauben. Denn sie stand ja schon zu lange den Gefahren nahe, um nicht von einer von ihnen verschluckt zu werden. Du willst die Erklärungen und die Versuche zu verstehen nicht hören. Du redest dich jetzt heraus, dass das sowieso nicht reicht. Und es wird bei den Menschen immer beliebter verstehen und erklären mit entschuldigen zu verwechseln. Das ist wunderbar einfach. Und es hilft im Augenblick. Denn dann hat man immer jemanden, den man beschuldigen kann, den man der falschen Entschuldigungen bezichtigen kann und zwar überall, wo es ja ohnehin keine Entschuldigungen geben kann. So bleibt einem erspart, den versuch unternehmen zu müssen, sich menschlichen Dingen gleichermaßen mit Gefühl und Verstand stellen zu müssen. Wenn es überhaupt eine Schuld gibt, dann ist es in diesem Fall die Schuld der Aufseher, die das An- und Hinsehen absichtlich verlernen. Es werde immer mehr habgierige Blicke, die sehen und nichts erkennen, um sich schnell aus dem Staub machen können, um selbst nicht gesehen zu werden. Übrigens, der Fahrer der Bahn hatte auch keine Schuld und keine Chance. Er konnte nicht mehr gegen das unselige Gesetz der Geschwindigkeit tun, als die Bremse zu betätigen. Aber um ihn kümmert sich jetzt schon ein anderer Schutzengel. Ich lasse mich auf die Schuldfrage nicht ein. Das ist Chefsache, was für das Stopfen von unendlich tiefen Löchern in der Ewigkeit ebenfalls gilt. Und diese Aufgabenteilung ist das Einzige, das mich in solchen Augenblicken, wenn ich das Fehlen eines Augenblicks zu spüren bekommen habe, trösten kann. In Ewigkeit und Unendlichkeit wird alles gut für Euch.” © Paula Grimm, Mai 2005