Braillezeilen oder wie Punktschrift am Computer funktioniert

Liebe Leserinnen und Leser,

da Stella Engel erwähnt, dass ihr irdischer Vorgesetzter, der ja vollblind ist und als Diplominformatiker die EDV der Seherline programmiert hat und verwaltet, mit einer Braillezeile arbeitet, enthält dieser Artikel eine kurze Informationen aus Wikipedia zu diesem Hilfsmittel.
In Wikipedia werden Braillezeilen bzw Brailledisplays wie folgt beschrieben:
“Die Braillezeile, kurz Zeile, oder Brailledisplay ist ein Computer-Ausgabegerät für Blinde, das Zeichen in Brailleschrift darstellt. Üblicherweise werden sie durch Screenreader angesteuert, die Zeichen in ausgewählten Bildschirmbereichen auslesen und in Computerbraille darstellen. Dadurch können Blinde große Teile der Standardsoftware benutzen und selbstständig am Computer arbeiten.

Die Funktion der Brailleschriftdarstellung basiert auf dem piezoelektrischen Effekt speziell gezogener Kristalle, die sich beim Anlegen einer elektrischen Spannung verbiegen und damit dann einen Stößel als Punkt aus einer Fläche herausragen lassen, elektronisch gesteuert, um die Zeichen in Blindenschrift aufzubauen. Die Benutzer können mit ihren Fingerkuppen die Zeichen abtasten. Es gibt Braillezeilen, die 20, 40 oder 80 Zeichen darstellen können.

An der Braillezeile sind Steuertasten angebracht, mit denen der dargestellte Bildschirmausschnitt verschoben werden kann.

Da für die Arbeit am Computer mehr Zeichen notwendig sind, als sich mit sechs Punkten darstellen lassen, wird zu den drei Punktzeilen der Standard-Brailleschrift oft eine vierte Zeile hinzugefügt, sodass acht Punkte zur Verfügung stehen. Auf diese Weise erhält man 256 Kombinationen. Die Codierung der Standardzeichen bleibt dabei jedoch weitestgehend gleich, die letzte Zeile bleibt lediglich leer.

Alternativ können Screenreader auch eine Sprachausgabe bieten. Gegenüber dem Vorlesen sind Braillezeilen genauer und geben Wort für Wort wieder. Somit kann auch die Rechtschreibung direkt überprüft werden, ohne dass die Sprachausgabe buchstabieren muss.

Da Braillezeilen nur in kleinen Stückzahlen hergestellt werden, sind die Produktionskosten entsprechend hoch. Der Anschaffungspreis für eine Zeile, die 80 Zeichen darstellen kann, beträgt ungefähr 10.000 €. Die Kosten hierfür werden in Deutschland bei vorliegender Indikation von der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. In Österreich werden die Kosten von den Bundessozialämtern und den Ländern erstattet.”

In dem Artikel von Wikipedia, den ich hier auszugsweise zitiert habe, findet Ihr auch bildliche Darstellungen, die Brailledisplays und ihre Funktion anschaulich machen. Da sowohl Braillezeilen als auch die Sprachausgaben, die ebenfalls über die Screenreaderprogramme gesteuert werden, den Inhalt des Computerbildschirms nur auszugsweise darstellen oder vorlesen, kann die Arbeit an Computern für blinde Nutzer effizienter und vereinfacht werden, wenn beide Komponenten zur Verfügung stehen. Blinde, die eine Braillezeile beantragen, können die Computer für ihren Heimarbeitsplatz, also für den privaten Bedarf, bei ihrer Krankenkasse beantragen. Wer einen Computer allerdings für seine Arbeit benötigt, muss seinen Antrag bei öffentlichen Trägern wie Arbeitsagentur oder dem sog. Integrationsfachdienst einreichen. So werden sowohl Leo als auch Bendix ihre Arbeitsplatzausstattung über einen der öffentlichen Träger erhalten haben, da sie sie für ihre Arbeit einsetzen.

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Quelle:

de.wikipedia.org/wiki/Braillezeile

Schmeichlern und Consorten auf der Spur

Tach zusammen,

jetzt und hier versuche ich endlich einmal wieder gedanklich einem Phänomen, einem Sprachphänomen, das sicherlich nicht nur mir über den Gehörgang vermittelt durch Mark und Bein und damit auf die Nerven geht, auf die Spur zu kommen. Ob das Spiel mit den Worten wohl ein bisschen gelingt?

Schmeicheleien und Consorten auf der Spur

Sie haben immer Saison, die Schmeicheleien, falschen Versprechungen sowie relativierte Beschimpfungen, Verleumdungen und faustdicke Lügen. Sie haben immer Saison sind natürlich immer angemessen unterwegs. Geht es heiß her im Leben, legen die Sprecher dieser falschen Worte eine Schleimspur, auf der sie immer in rasanter Geschwindigkeit unterwegs sind. Ihre Worte sind die Vehikel, mit denen sie auf dieser glitschigen Fläche zur Höchstform und zur Höchstgeschwindigkeit auflaufen. Sie rutschen niemals aus und überschlagen sich nie. Da hilft das halsbrecherische Tempo auch nicht. Nur derjenige, dem dieser Wortsalat in den Gehörgang geschüttet wird, ist im Schneckentempo unterwegs, zerbricht sich den Kopf und mehr. Das ist woh damit gemeint, wenn man sagt, dass jemand zur Schnecke gemacht wird. Denn
dem Hörer bleibt nichts anderes übrig, als sich langsam und mit äußerster Vorsicht auf dem eigenen Terrain zu bewegen. Und kommen frostige Zeiten, z. B. in einsamen Tagen, sind die Schmeichler und Consorten ebenfalls nicht zu bremsen. Ihnen stehen selbstverständlich jeder Zeit sorgfältig geschliffene Kufen zur Verfügung. Und auf ihrem Schleim, der zu einer glatten Eisschicht gefroren ist, fallen Schmeichler und Consorten niemals hin. Sie tun sich nie weh. Sie müssen sich nie langsam und vorsichtig vortasten und nach einem Fall mühsam aufrappeln. Ihnen wird das Eis auch nie zu dünn. Die Leichtigkeit, die sie dafür benötigen, haben sie daher, dass sie den anderen das Leben schwer machen. Da sie einfach ud leicht über ihre Schleimspur oder das Eis gleiten, schwitzen oder frieren Schmeichler und Consorten auch nie. Außerdem gibt es das Mäntelchen der Güte, Großmut und Barmherzigkeit, unter dem sie sich verstecken, in allen Größen, unterschiedlich dick und dicht gewebt und in allen Farben. Dass das hübsche Mäntelchen, das sie in unterschiedlichen Modellen tragen, in Wahrheit immer aus dem Stoff der wohlmeinenden Herablassung gefertigt ist, stört Schmeichler und Consorten nicht. Warum sollte es sie auch stören? Schließlich sind sie jeder Zeit schön und gut gekleidet, machen in den passenden Mänteln immer eine gute Figur die ihnen meist eine gute Tarnung bietet. und da sie das alles wissen, müssen sie ja nicht in den Spiegel sehen.

Schmeichler und Consorten sind immer auf der Schleim- oder Eisbahn unterwegs. Sie halten nie inne, damit sie sich die Mühe eines Neustarts ersparen können. Und wenn sie in rasantem Tempo auf der Strecke sind, übertönt das Fahrgeräusch und der Fahrtwind jeden Zweifel.Nur diejenigen, die auf der Strecke bleiben, sich abmühen und von Schmeicheleien, Lügen, Verleumdungen etc bespuckt werden, dass es nur so ätzt und ihnen hören und sehen eben nicht vergehen sondern geschärft werden, verstehen bei dem Lärm, der von Schmeichlern und Consorten hervorgerufen wird, ihre eigenen Gedanken nicht mehr. Und ich hoffe, nie wieder zu schmeicheln, und zu verleumden. Und ich hoffe, dass ich die Strecke zumindest ab und zu verlassen kann, damit ich mich selbst noch verstehen kann. Das brauche ich vor allem in diesen Tagen, in denen es darum geht neue Weichen im Leben zu stellen.

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Wo Kreative und Sponsoren im Netz zusammen kommen!

Tach zusammen,

im Netz wird nach wie vor schweigend hingenommen, dass gilt, dass Kreativität nichts kosten soll, obwohl ebenfalls danach verfahren wird, dass das, was nichts kostet nichts ist. Dass die Produkte kreativer Menschen jeder Zeit kostenfrei verfügbar sind, lassen sich Anbieter nicht selten anderweitig, z. B. durch Werbung bezahlen. Diese gängige Praxis verhindert viele interessante Projekte, die nicht zum Nulltarif hergestellt werden können. Dazu gehören Filme und Hörspiele ebenso wie technische Innovationen kreativer Erfinder. Doch das muss nicht sein. So können sich alle, die für ein Projekt Geld benötigen und auch diejenigen, die interessante Projekte unterstützen möchten, auf Startnext zusammen kommen.

Auf können sich Sponsoren und Kreative ganz einfach kostenlos registrieren. Es gibt zwei Möglichkeiten der Registrierung. Einerseits kann man ein einfaches Onlineformular ausfüllen. Andererseits ist auch eine Erstanmeldung über einen bestehenden Facebookaccount möglich. Bei der Registrierung gibt es allerdings für blinde und sehbehinderte Computernutzer eine kleine Barriere. Denn ein visueller Code muss bei beiden Registrierungsarten eingetragen werden.

Wer Sponsor werden möchte, findet zahlreiche Projekte aus allen Bereichen der Kunst, für die er oder sie spenden kann. Wenn Ihr spenden möchtet, könnt Ihr dies über Fed For Pay, Sofortüberweisung, Vorlasse oder Paypal tun. Projekte, die öffentlich eingestellt werden, haben eine Laufzeit von 3 Monaten. Finden sich für ein Projekt, z. B. für die Veröffentlichung eines Buches nicht genügend Spender, erhalten die Sponsoren Ihr Geld zurück. Wenn sich allerdings genügend Spender für die Verwirklichung eines Projekts gefunden haben, erhalten sie bei der Veröffentlichung ein Dankeschön, z. B. ein Exemplar des Buches.

Kreative, z. B. Autoren, können ihr Projekt auf Startnext ausführlich vorstellen. Ihr habt die Möglichkeit Euer Buch sehr sorgfältig darzustellen. So könnt Ihr beispielsweise längere Zeit an der Gestaltung Eurer Projektportraits arbeiten, bevor Ihr es online für alle sichtbar stellt. Wichtig ist, dass Ihr einen soliden Kostenplan veröffentlicht, damit die Sponsoren wissen, welche Aufwendungen anfallen. Ihr solltet also schon wissen, was Euch Illustrationen und Selbstverlag kosten, wenn das Buch veröffentlicht wird.

Ich werde mich zumindest als Sponsorin anmelden, ich denke aber auch darüber nach, möglicherweise eigene Schreibprojekte einzustellen, wenn ich für eine Veröffentlichung Geld benötige. Ein gewisses Risiko, dass ein Projekt nicht zu Stande kommen kann, besteht leider immer.

Ich wünsche Euch allen alles erdenklich Gute, interessante Projekte zur Förderung und/oder zur Veröffentlichung!

Liebe Grüße
Christiane (Texthase Online)

[categoryInternetshops und Webseiten, Tipps für Texter und Autoren]

HTML und CSS im Blindflug: Lehrbuch für die Homepagegestaltung für blinde und sehbehinderte Computerntzer

Guten Tag liebe Leserinnen und Leser,

mehrfach habe ich in diesem Blog schon auf das Lehrbuch HTML und CSS in Blindflug: Webseitengestltung von Hand für viele, hingewiesen. Gestern habe ich nun zum Dank dafür, dass ich eine Rezension über diesen Begleiter bei der Homepageerstellung verfasst habe, ein Autorenexemplar bekommen. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass blinde und sehbehinderte Computernutzer auch Möglichkeiten haben, dieses praktische Handbuch zu verwenden, wenn sie eine Homepage erstellen möchten. Wer blind oder sehbehindert ist, kann das Buch beim Verlag bestellen und kann es einspannen oder mit Hilfe einer Webadresse, die im Buch angegeben ist, einem Code und einem Passwort die Onlineversion lesen. Diese Version enthält nicht nur das gesamte Werk sondern auch zusätzliche nützliche Tipps für sehbehinderte und blinde Leser, die ihre eigene Webpräsenz gestalten möchten.

Ich wünsche viel Freude und Erfolg mit dem Buch und der Homepagegestaltung. Die Beschreibung des Werks mit allen Informationen für die Bestellung findet Ihr unter dem folgenden Permalink in der Kategorie Buchschatztruhe.
https://texthaseonline.com/2012/12/10/html-und-css-i…hand-fur-viele/

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Autorenkreise am Niederrhein

Tach liebe Kolleginnen und Kollegen,

schreiben macht Spaß! Schreiben macht aber noch viel mehr Spaß, wenn man zu seinen Texten auch Rückmeldungen bekommt. Manchmal bekommt man, wenn man Feedback, wenn man ein Blogger ist. Aber das kommt leider selten vor. Und vor allem muss man meist lange bloggen, bevor sich Leser dazu bereit finden einen Kommentar zu schreiben. Inzwischen gibt es in fast allen Regionen der Bundesrepublik Autorenkreise, zu denen man gehen kann, um sich über Texte auszutauschen. Die Kontaktdaten zu Autorenkreisen am Niederrhein findn Autoren auf Autorenkreise – Literaturbüro NRW e.V.. In der Liste sind die Ansprechpartner mit allen Kontaktdaten aufgeführt. Dort erfahrt Ihr auch die Termine für die Treffen sowie die Orte, an denen der entsprechende Autorenkreis zusammen kommt. Autorenkreise ermöglichen häufiger auch öffentliche Lesungen etc.
Alles erdenklich Gute für Euch!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Lesbar und Texterei am Niederrhein

Tach zusammen,

so grüßt man hier am Niederrhein, wo es Kühe, Pappeln und Kopfweiden gibt, wo aber auch manches gute Stück Literatur in getextet wurde und wird. Gefragt, gedacht, gesprochen und geschrieben wird in hochdeutsch oder im regionalen Zungenschlag, der auch hier Platt heißt. Wie sollte es auch anders sein in einer Region, in der man auf die Frage: „Wie geht et?“ zur Antwort: „Wie soll et schon gehen?“ bekommt. Und weil bei der nachdenklichen Art der Niederrheiner oft auch mehr als eine Gegenfrage herauskommt, gibt es in meiner Region allerhand zu tun für Leseratten, Autoren und für Texthase Online. Darum gibt es in dieser neuen Kategorie Events, Lesefutter und Tipps für Autoren aus der Region, in der man morgens bereits sieht, wer zum Nachmittagskaffee kommt. Nach und nach sammelt sich in dieser Rubrik vor allem im Bereich Buchtipps sicher leckeres Lesefutter, das auch für Bücherwürmer aus anderen Regionen schmackhaft ist.
Ich wünsche viel Vergnügen bei Euren Lektüren und viel Erfolg und Spaß mit eigenen Schreibprojekten!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Raela

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

hier kommt das fünfte Kapitel des Engelbuches, in dem sich Stella zu ihrem Zuhause kommt. Wer neu ist und die ersten vier Kapitel noch nicht kennt, kann die Kategorie Engelbuch mit Bonusmaterial anklicken und sich vom ersten Kapitel, der Auftrag hoch arbeiten.
Viel Freude damit!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online) und Paula Grimm

Raela
Das Haus, in dem Raela wohnt, und in dem ich ab sofort auch leben werde, ist aus rotem Ziegelstein gebaut und hat einen spitzen Giebel. Es ist ein älteres Haus. Die Fenster im Erdgeschoss sind mit grünen Fensterläden versehen. Im ersten Stockwerk sind Rollläden angebracht. Die Haustür ist eine moderne Glastür aus Sicherheitsglas. Doch auch ihr Rahmen ist grün gestrichen. Direkt an das Haus ist eine Garage angebaut, deren Tor offen steht. Die Garage ist noch vollkommen leer. Das Häuschen befindet sich nicht direkt an der Straße. Es gibt einen liebevoll gepflegten Vorgarten, durch den ein gepflasterter Weg auf das Haus zuführt, und der durch ein kleines hölzernes Gartentor und einen Jägerzaun begrenzt wird

Wenn man auf den Klingelknopf bei der Haustür drückt, ertönt der Westminsterschlag. Während ich darauf warte, dass mir Raela öffnet, fällt mir plötzlich ein, dass ich mich nicht mehr erinnern kann, wen mir Gabriel bei dem Personalgespräch gezeigt hat. Doch ich entsinne mich, dass ich direkt ein gutes Gefühl hatte. Und als mir Raela die Haustür mit Schwung öffnet, weiß ich, dass mich mein erster Eindruck nicht getäuscht hat. Denn zur Begrüßung springt mir eine kleine, lebhafte Person herzlich um den Hals.“Guten Abend, Stella!“ ruft sie überschwänglich.Bei ihrem Anblick muss ich unwillkürlich an ein Wiesel oder Eichhörnchen denken. Alles an ihr ist klein, zierlich und lebhaft. Sie strotzt vor Energie und Lebensfreude. Sie ist nur 1.56 m groß und hat dunkle, knopfartige Augen, die klug und Neugierig in die Welt blicken. Sie hat schwarzes, dickes Haar mit einem roten Glanz, das sie heute Abend als Pferdeschwanz trägt.“Komm doch erst einmal einfach ‚rein, ich zeig‘ dir alles und dann trinken wir einen schönen, frischen Tee mit Marokkominze!“ Ich nicke nur und folge ihr ins Haus. Auch Raelas Stimme ist mir sehr angenehm.“Aber diese Stimme ist bestimmt auch nicht für den herkömmlichen Engelgesang geeignet.“
Denn auch Raelas Stimme ist recht tief, gerade für eine so kleine Person. Sie ist kräftig und leicht aufgeraut. Und dennoch klingt sie sanft. Mit diesem Tempre ist sie bestimmt eine großartige Jazz- oder Rocksängerin.

Mann könnte annehmen, dass Raela ihr Haus bunt und verspielt eingerichtet hat. Aber das ist ein Irrtum. Sie liebt einfache und praktische Dinge. Ihr Haus ist daher im Landhausstil eingerichtet. Im Erdgeschoss gibt es einen Flur, von dem aus man in die Wohnküche, das Wohnzimmer, ein Arbeitszimmer und in ein Gästebad gehen kann. Zwei gerade Holztreppen führen in den Keller und in den ersten Stock.“Das Arbeitszimmer steht dir selbstverständlich für deine Arbeit bei diesem Internetportal zur Verfügung! Ich denke, du kannst mit Computern umgehen.“
Ich nicke.Wir gehen in das Wohnzimmer. Von dort aus führt eine Tür auf die Terrasse und in den Garten hinter dem Haus.
„Den Garten kannst du selbstverständlich auch mitbenutzen!“
„Wie viel Miete willst du eigentlich von mir haben?“
„Zweihundertzwanzig €.“
„Ist das nicht ein bisschen wenig für ein eigenes Zimmer, Arbeitszimmernutzung und freien Zugang zum Garten?“
Raela schüttelt heftig den Kopf.“Ich muss mit diesem Haus kein Geld machen. Die offizielle Version ist, dass ich dieses Haus von meinen Eltern geerbt habe. Es ist keine Hypothek drauf! Ich brauche und mag passende Gesellschaft und will nur die Kosten ‚rausbekommen!“
„Herzlichen Dank! Es ist trotzdem ausgesprochen fair von dir mir diesen Preis zu machen!“

Wir gehen hinauf in den ersten Stock. Dort befindet sich ein geräumiges Tageslichtbad mit Sitzwanne und Dusche. Es gibt einen Handarbeitsraum und unsere beiden Schlafzimmer.
Mein Zimmer ist ungefähr 18 qm groß und wie alle räume einfach und praktisch eingerichtet. Die Möbel sehen neu aus.
„Ich hoffe, es gefällt dir!““Es entspricht genau meinem Geschmack. Ich mag praktische und einfache Dinge.“
Nur die Wände sind noch kahl, einfach mit Deckweiß gestrichen.“Das, was hier bis gestern noch ‚rum stand, konnte man wirklich niemandem Mehr zumuten!“
Aus dem Fenster meines Gartens hat man sicher tagsüber einen wunderbaren Blick auf den Garten.“Mal sehen, was ich mir an die Wände mache. Und ein paar Blumen für die Fensterbank und eine Palme für in die freie Ecke sollten auch sein.“
Raela nickt.“Ich brauche Pflanzen und das Buddeln im Garten als Ausgleich zu meiner Arbeit. Ich hätte auch gern mindestens ein Haustier. Aber das geht mit dem Schichtdienst nicht. Der Garten ist für einen Gärtner schon etwas zu groß. Aber ich liebe ihn einfach.“
Wir gehen die Treppe wieder herunter in die Küche.
„Ich arbeite auch gern im Garten. Das ist also kein Problem.“
„Übrigens, die Waschmaschine, die Gartengeräte und viel Werkzeug sind im Keller. Da müssen wir heute Abend wohl aber nicht hingehen!“
„Natürlich nicht!“

Ich mache es mir auf der Eckbank gemütlich, während Raela einen Tee mit Marokkominze aufgießt. Sie hat nicht nur die Pfefferminzsorte, die in Nordafrika beheimatet ist, sie gießt den Tee auch zweimal auf, wie es im Orient üblich ist. Und bald erfüllt ein wunderbar frischer Duft die Küche. Ich sehe mich genauer in der Küche um. Das Teeregal ist gut bestückt. In den Dosen, die ordentlich auf den Brettern aufgestellt sind, gibt es grünen, verschiedene schwarze Tees und unterschiedliche Kräutertees. Einen Hang zu parfümiertem Tee hat Raela Gott sei Dank nicht. Dann fällt mein Blick auf das Gewürzregal. Und dieser Anblick schmeckt mir nicht. Denn dort gibt es in einer Ecke eine Pfeffer- und eine Salzmühle und in einer anderen Ecke Paprika edelsüß, Knoblauchsalz und Majoran. Ich bin enttäuscht über diesen Anblick. Raela kommt mit dem Tee an den Tisch und setzt sich.
„Ich weiß, dass es mit dem Kochen bei mir nicht weit her ist. Aber für sich alleine zu kochen macht einfach keinen Spaß.“
„Wenn du gern isst, haben wir kein Problem. Jetzt sind wir ja zu zweit, und ich koche ebenso gern wie ich esse.“
Raela lächelt.
„Das ist gut! In diesem Leben, das ich jetzt führe, kann ich so viel essen, wie ich will, ohne dick zu werden.“
„Wie lange bist du denn schon Schutzengel?“
„Seit dem Jahr 1210. Allerdings habe ich von diesen 802 Jahren genau 800 Jahre gearbeitet. Nach dem zweiten Weltkrieg hat man mir von oberster Stelle zwei Jahre Auszeit gegönnt. Das war leider auch dringend nötig. In der ganzen Zeit war ich immer Heilerin, Hebamme, Ärztin oder Krankenschwester. Und immer war ich in Menschengestalt auf der Erde. Zu der allgemeinen Schutzengelstaffel passe ich irgendwie nicht. Und da ich Menschen gut Erden kann, passt es zu mir in Menschengestalt zu arbeiten. Welche Aufgabe hattest du eigentlich früher?“
„Ich gehörte zu denen, die Seelen vor Gott führen.“
„Das ist eine schöne und dankbare Aufgabe. Und man erfährt auch dabei schon viel Leid. Leider gibt es viele Engel, die diese Arbeit unterschätzen.“
„Ich habe diese Aufgabe allen Unkenrufen zum Trotz gern getan. Aber ich brauchte mal eine neue Arbeit!“Raela nickt verständnisvoll.

Der Tee schmeckt und riecht hervorragend. Er erfrischt und wärmt zugleich. Ich fühle mich wohl und angenommen und bin sehr erleichtert darüber, dass ich bei einer so aufgeschlossenen und herzlichen Persönlichkeit wie Raela leben darf.“Aber du darfst dich doch sicher wieder beflügeln und fliegen oder etwa nicht?“
„Ich habe meine Flugerlaubnis nach fünfzig Jahren wieder erhalten!“
Ich schlucke heftig. Denn, obwohl wir Engel ja ewig sind, sind fünfzig Erdenjahre, denen ich ja jetzt ausgeliefert bin, eine ziemlich lange Zeit.
„Inzwischen wird den Schutzengeln die Flugerlaubnis vielschneller wieder erteilt. Vorausgesetzt natürlich, dass sich die Engel auf Erden in ihrer Aufgabe bewähren!“Das tröstet mich etwas. Und da ich weiß, dass mir bestimmte Fortbewegungsarten unter den Bedingungen der Schwerkraft viel Spaß machen, weiß ich auch, was ich zu tun habe. Ich werde mir so schnell als möglich ein Motorrad und Inlines besorgen.
„Bevor ich es vergesse, da sind Unterlagen für dich!“Raela steht auf und geht in das Arbeitszimmer. Sie kommt mit einen großen Umschlag zurück und legt ihn vor mich auf den Tisch.
„Da hat eben auch so’n Typ angerufen und dich für morgen um halb zehn in den Ulmenweg 11 bestellt. Er hat gesagt, er sei dein Chef, und dass er ein Vorstellungsgespräch mit dir führen will.“
„Das ist eigentlich nicht üblich bei diesen Esoterikportalen. .Da melden sich die Leute normalerweise online an, was Gabriel ja auch schon getan hat.“
„Er hat gesagt, dass er das nur ausnahmsweise macht, weil er dich kennen lernen will. Und er besteht darauf, dich kennen zu lernen, weil du noch nicht 25 bist!“
„Es ist ja auch kein Problem. Ich gehe da morgen einfach hin und sehe, was er wirklich will.“Ich habe ein merkwürdiges Gefühl bei dieser Sache.“Ich habe in dieser Woche übrigens Urlaub. Und ich werde mich mal so richtig um den Garten kümmern.“
Ich trinke meinen Tee aus und stehe auf.
„Ich gehe dann mal nach oben und sehe mir den Schriftkram an. Gute Nacht, Raela.
„Gute Nacht, Stella!“Ich gehe die Treppe hinauf in mein Zimmer.