Schreibwettbewerbe im April ’16

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es ist hinlänglich bekannt, dass bezogen auf die Literatur Nachwuchsförderung wichtig ist. Aber ich stelle mir nicht zum ersten Mal die Frage, ob das Wettbewerbswesen in der Literatur den Nachwuchs fördert oder dem Jugendwahn verfallen ist! 😉 Es gilt für Autorinnen und Autoren wohl besonders: „Sie sind jung und brauchen das Geld!“ Natürlich Wünsche ich allen jungen Kolleginnen und Kollegen viel Erfolg, wenn sie an einer Ausschreibung teilnehmen. Ein Bisschen was fällt auch für die älteren Semester ab. Die Lektüre lohnt sich also allemal. Hallo zusammen, und wieder warten jede Menge Wettbewerbe auf uns. Bitte lest euch die Ausschreibungstexte der Wettbewerbsanbieter durch, um alle Infos zu diesen zu erhalten. Einzelne Textpassagen s…

Quelle: Schreibwettbewerbe im April ’16

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

50 Denkzettel zu den 50 vollendeten Jahresringen: 06. Im Gedenken an ….

Guten Tag Ihr Lieben,

es ist höchste Zeit weiterzumachen und zu schreiben. Dieser Artikel enthält die sechste Folge der Beitragsreihe 50 Denkzettel zu den 50 Jahresringen, die ich rund um meinen 50. Geburtstag geplant und im Dezember begonnen habe. Ursprünglich wollte ich diesen Post zur Würdigung der Menschen, die ich gekannt habe, und die bereits verstorben sind, fast zum Ende dieser Serie zu schreiben. Ich habe diesen Beitrag auch deshalb vorgezogen, da es vorigen Dienstag einen weiteren Todesfall in meinem Umfeld gegeben hat. Das ist auch der Grund dafür, dass am Sonntag positiv gedacht ausgefallen ist. Denn der Todesfall meiner Patin hat die vergangene Woche überschattet.

Liebe Grüße

Christiane (Paula Grimm bei Texthase Online)

50 Denkzettel zu den 50 vollendeten Jahresringen: 06. Im Gedenken an …

„Ein gutes Gedächtnis ist wie ein Sack. Es behält alles. Ein besseres Gedächtnis ist wie ein Sieb. Es behält, worauf es ankommt.“ Ich bemühe mich darum so vorzugehen, wie ich es eben beschrieben habe. Ich weiß leider nicht, wer diese klugen Sätze erfunden hat. Und das Zuträgliche, dass uns andere getan haben, gehört zu den Aspekten, auf die es ankommt, und aus diesem Grund sollte man es so gut als möglich behalten, ob die Menschen, die es uns gegeben haben, noch leben oder nicht. Wie gut es ist, immer noch Menschen um mich zu haben, die es verstehen Dinge zu tun und zu sagen, die mir helfen, die einfach da sind, davon handelt z. B. der Artikel:

https://texthaseonline.com/2015/12/01/50-denkzettel-zu-den-50-vollendeten-jahresringen-denkzettel-01-hurra-wir-leben-noch/.

Da es aber keineswegs selbstverständlich ist, Menschen zu kennen, die liebenswert und hilfsbereit sind, vermissen wir diejenigen, die von uns gegangen sind. Das ist auch deshalb natürlich, da niemand genauso ist, wie ein anderer Mensch. Und es ist auch natürlich, da wir begreifen müssen, dass das Leben und die Zusammenhänge zwischen Leben und Tod keineswegs funktionieren wie Garantiefälle. „Kaputt gibt eben nicht neu!“ Und selbst, wer an ein Leben nach dem Tod glaubt, sieht sich vor die Aufgabe gestellt, bis zu seinem eigenen Tode ohne seine Lieben sein zu müssen.

Ich vermisse Euch oft, Ihr Lieben, die Ihr von mir und anderen Menschen gegangen seid, und ich bin Euch dankbar für Eure Zuneigung!

Heidi, wir haben miteinander gespielt, wohnten zwei Häuser und ein Feld weit voneinander entfernt und im gleichen Alter, bis zu Deinem Tod Anfang August 1972, als Du aus dem Wasser nicht mehr herausgekommen bist und wenige Tage später nicht singen konntest: „Hurra, ich bin ein Schulkind und nicht mehr klein.“ Vor unserem Haus hielt ein Auto. Es war längst dunkel. Und mein Vater wurde wie alle Mitglieder der DLRG abgeholt, um nach Dir zu suchen.

Oma, es ist so schade, dass Du Dein Alter überhaupt nicht annehmen konntest. Großeltern und Enkel können es so schön miteinander haben! Und es ist traurig, wenn jemand sich selbst einen so bitteren Tot bereitet! Das Eingelegte für Kinder, Blumenkohl in holländischer Sauce, Kartoffeln und Spiegelei werden mir immer in guter Erinnerung bleiben.

Tante Elli und Tante Maria, es war immer schön mit Euch, wenn wir Euch besucht haben, mit Dir, Maria, schwimmen waren und mit Fell spielen durften..

Ma, Du bekommst noch einen weiteren eigenen Artikel. Ich bin Dir dankbar für alles, z. B. für die Erkenntnis, dass es verschiedene Arten von Neugier gibt, von denen eine Wissensdurst heißt und diese Bezeichnung wirklich verdient. Ich bin froh, dass wir uns in den 44 Jahren, die wir einander kannten, verständigen und versöhnen konnten.

Dad, herzlichen Dank für die zauberhaften und lehrreichen Geschichten, die Du beim Hüten erzählt hast. .. Und ich meine, was ich am Ende an Deinem Grab gesagt habe: „Irgendwann komme ich auch. Und ich will keine Klagen von der Ma mehr hören müssen.“ Nicht nur die Kinder brauchen Geduld, sondern auch die Ehefrauen, die für den Mann, die Viehwirtschaft, den Garten und die Kinder schuften.

Heike, herzlichen Dank für 25 Jahre Freundschaft bis zum Jahr 2003! Und ich hoffe, Du hast mich während der ganzen schweren Zeit als geduldig und treu erlebt, wie ich es gemeint habe.

Lotti, wir sind einander nicht oft begegnet. Du bist nur sieben Jahre alt geworden. Herzlichen Dank dafür, dass Du mich gekämmt und mir Deinen Elch gezeigt hast. Und ganz besonders herzlichen Dank für den geistigen Kontakt, den wir ab und zu haben!

Komm’ gut am letzten Bestimmungsort an, Tante Hannelore. Herzlichen Dank für jedes Wort, dass Du mir vorgelesen hast, für Deine praktische Hilfe und Deine Großzügigkeit für meine Mutter, Deinen Bruder, meine Geschwister und mich!

Jeder von Euch war so lebendig, dass die Erinnerung lebhaft war, ist und bleibt. Ich denke gern an Euch und fühle mich sehr wohl dabei, obwohl ich Euch auch vermisse. Mehr könnte ich an dieser Stelle sagen. Aber das brauche ich wohl nicht. Ich mag auch meinen Leserinnen und Lesern nicht die Sicht auf ihre Lieben versperren, indem ich detailversessen in Erinnerungen schwelge. Ihr könnt Euch darauf verlassen, dass ich es halte, wie ich es schon lange halte, dass ich ab und zu innehalte, um mich so genau als möglich an jeden von Euch zu erinnern.

Neu und herzlich willkommen in der Buchbloggerei!

Guten Tag Ihr Lieben,

im Blogbuchverzeichnis von Texthase Online gibt es einen neuen Eintrag für ale, die sich für das Bloggen von Büchern interessieren!
Hier kommt der Text: „Ein herzliches Hallo an Christiane und alle Leser und Schreiberlinge!

Auch ich bedanke mich für die Möglichkeit, meinen Blogroman “Am Anfang war Lila” vorstellen zu dürfen. Er dürfte sich am ehesten im Mystery-Genre zu Hause fühlen.

Es handelt sich um eine zauber-, wahn- und geisterhafte, generationsübergreifende Familiengeschichte mit einer ordentlichen Prise Spuk und schwarzen Humor.

http://www.federfarbenfee.de/blogroman-am-anfang-war-lila-kapiteluebersicht/

Chronische Schlaflosigkeit und nächtliche Panikattacken bringen Priska, eine neurotische Mittdreißigerin, an ihre physischen und psychischen Grenzen. Mit Hilfe eines seltsamen Gasts aus vergangenen Tagen und ihrer vierjährigen Tochter stößt sie auf eine Spur, die sie zu den Ursprüngen ihrer Insomnie und sehr schnell an die Schwelle des Unvorstellbaren führt. Was sie in der sagen- und mythenumwobenen Bergwelt der Dolomiten, einem der Orte ihrer Kindheit, findet, ist nur der Anfang einer langen, abenteuerlichen und bisweilen verstörenden Reise.

Ich freue mich auf Euren Besuch und Eure konstruktive Kritik!

Es grüßt Euch herzlich
Mary :-“

Viel Vergnügen und gute Unterhaltung mit diesem Bloglesefutter!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Schreibwettbewerbe im Januar ’16

Guten Tag Ihr Lieben,

wer mich kennt, weiß, dass ich nicht besonders scharf darauf bin, an Literaturwettbewerben teilzunehmen, dass ich diese „Szene“ aber beobachte. Hier kommt ein Hinweis auf einen Artikel aus einem gut geschriebenen Blog, in dem Artikel mit einer Liste für Literaturwettbewerben eingestellt werden. Hier kommt eine Liste mit Ausschreibungen für Januar 2016. Dabei sind Ausschreibungen von Verlagen, für junge Autorinnen und Autoren aus den Genres Fantasy, Horror etc. Wer einen passenden Text auf Lager hat oder von den Themen der Wettbewerbe inspiriert wird und an einer Ausschreibung teilnimmt, dem drücke ich ganz fest die Daumen!

Quelle: Schreibwettbewerbe im Januar ’16

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Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Tausendundeine Prosaik aus der Lesbar und Texterei von Paula Grimm 0013. In der Kürze liegt die W ürze? ist online!

Guten Tag Ihr Lieben,

die 13. Folge meines Literaturpodcasts ist online! Den Beitrag mit Neuigkeiten aus meiner Schreibwerkstatt, einem Buchtipp und Gedanken über das Lesen und Verfassen von Kurzprosa findet Ihr unter https://soundcloud.com/user-817675399/0013-in-der-kurze-liegt-die-wurze.

Wie schon so oft habe ich einen historischen Kriminalroman empfohlen. Eine Bücherquelle, bei der Ihr dieses Buch in verschiedenen Ausgaben erhalten könnt findet Ihr unter Teufelsgrinsen.

Ich wünsche Euch gute Unterhaltung mit dem Beitrag und allem Lesefutter, das Ihr gerade verspeist! Für Kommentare aller Art zum Podcast gilt das Gegenteil von streng verboten, nämlich unbedingt erlaubt und erwünscht!

Liebe Grüße

Christiane (Paula Grimm bei Texthase Online)

Vorschau auf tausendundein Prosaik aus der Lesbar und Texterei von Paula Grimm 0013. In der Kürze lie gt die Würze?

Guten tag Ihr Lieben,

donnerstags immer Vorschau auf meinen Literaturpodcast! Hiermit möchte ich Euch wie an jedem Donnerstag zur nächsten Folge meines Podcasts einladen! Morgen wartet bereits die 13. Ausgabe auf aufmerksame Zuhörer. und spätestens bis zur blauen Stunde um 17.00 Uhr Ortszeit stelle ich wieder ein literarisches Dreigängemenü ein.

Als Vorspeise gibt es wieder Neuigkeiten aus meiner Schreibwerkstatt. Der Hauptgang enthält Gedanken zum Thema Kurzprosa und verkürzte Prosa und zwar über meine Erfahrungen mit gekürzten Hörbüchern, meine eigene Kurzprosa etc. Und zu guter Letzt gibt es zum Nachtisch eine Buchempfehlung.

Für Kommentare aller Art zum Podcast gilt, was von Anfang an gilt, nämlich das Gegenteil von streng verboten unbedingt erlaubt und erwünscht!

Liebe Grüße

Christiane (Paula Grimm bei Texthase Online)

Schreibwettbewerbe im Dezember 2015

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

an dieser Stelle muss ich mich dafür entschuldigen, dass ich diesen Beitrag noch einmal einstellen muss,denn da hat technisch etwas nicht gestimmt!

Ich persönlich nehme ja nicht an Schreibwettbewerben teil. Aber ich halte mich diesbezüglich zumindest etwas auf dem Laufenden und lasse mich inspirieren. Wer nicht nur mit seinem inneren Schreibschweinehund und um persönliche Schreibziele kämpfen möchte, wird für den Dezember fündig unter

https://christianbuege.wordpress.com/2015/11/20/schreibwettbewerbe-im-dezember-15/.

Vielleicht ist nicht für jeden etwas dabei. Aber vielseitig ist die Auswahl schon. Kinder- und Jugendliteratur, Science Fiction, Historisches etc. ist im Angebot. Ich wünsche allen, die an einem oder mehreren Wettbewerb(en) teilnehmen, viel Erfolg und Freude dabei!

Liebe Grüße

Christiane (Texthase Online)

Heimkehr in den Blog: Achtundachtzig Blütenblätter für Gertrud

Guten Tag Ihr Lieben,

ich zähl’ die Häupter meiner Lieben und jetzt sind es schon zwei von sieben, die wieder in den Blog zurückgekommen sind. Denn dies ist der zweite Prosatext, den ich im Sommer aus dem Blog entfernt hatte, um sie als Buch herauszugeben, was ich dann doch nicht getan habe. Der erste Post, der in sein Zuhause für Webinhalte auf diese Seiten heimgekehrt ist, war
https://texthaseonline.com/2015/11/03/heimkehr-in-den-blog-zum-schreiben-mache-ich-immer-blau/. Wie auch beim ersten Text habe ich die Anmerkungen, die ich für das Büchlein vorgesehen hatte, beibehalten.

Meine Mutter verstarb am 06. Juli 2010. Die Geschichte, die Ihr in diesem Beitrag findet, war der erste Prosatext, den ich ihr gewidmet habe. Im September habe ich ihr Gedanken zu einem wichtigen Thema, zu Flucht und Vertreibung, gewidmet. Diesen könnt Ihr hier lesen:
https://texthaseonline.com/2015/09/15/einer-mutter-gedanken-uber-flucht-und-vertreibung-mutter-mutter-wie-weit-muss-ich-reisen/.

Achtundachtzig Blütenblätter für Gertrud

(Diese Geschichte über eine Urnenbeisetzung entstand an einem Nachmittag Ende August des Jahres 2010. Vorsicht ist bei der Interpretation geboten! Diese Geschichte hat sehr persönliche Züge ist aber im eigentlichen Sinn nicht autobiografisch.)

Der Sommer setzte Lebendes nicht mit flirrender Hitze unter Druck. Denn der Julihimmel hielt sich bedeckt. Aber es regnete nicht.
“Guten Tag, Daggi!”
“Herzliches Beileid auch dir, Daggi!”
“Wie geht es dir sonst so, Daggi?”
“Hallo, bald hätte ich dich übersehen, Daggi!”
Und Daggi, wie es aus aller Munde kam, hatte wie eh und je diesen falschen verniedlichenden Klang. Es waren viele Leute zu begrüßen, Beileidsbekundungen entgegen zu nehmen und vor allem Hände zu schütteln. Weil das seine Zeit brauchte, gelang es den Kindheitsgerüchen nach Haferschleim und Zitrusspülmittel die aktuellen In-Düfte der Parfüms, Deos und Aftershaves zu überlagern und diese schließlich auch ganz zu verdrängen. Und die Großmutter sagte wie zu ihren Lebzeiten in ihrem Singsangdialekt von weiter rheinaufwärts, der immer gleichermaßen schimpfend und jammernd klang:
“Jib’ dat schöne Händsche, Daggi!”
Dieser und andere Sätze in diesem Zungenschlag waren seit dreißig Jahren eigentlich verstummt. Doch in früheren Zeiten sehr häufig ausgesprochen mussten sie ohne Sinn und Verstand in der Familie bleiben, bis der oder die Letzte, dem sie zu Lebzeiten zu Ohren gekommen waren, gestorben sein würde. So oft der alten Frau ihrer Zeit ungefragt Ratschläge erteilt worden waren, so oft sie geklagt, verurteilt und geprahlt hatte, niemand konnte und mochte diese jammernde Schimpferei imitieren. Jeder bekam von Dagmar die rechte Hand sowie einen Gruß und Dank in der hiesigen raueren sprachweise. Und die Rechte war wie di Linke und wie die Füße klein geraten und wieder einmal durch Macken an den Nagelbetten und einen Riss an der Daumenwurzel nicht das schöne Händchen.
“Wenigstens muss erst mal nicht gewinkt werden. Dabei verpasse ich wohl immer noch den Einsatz, weil ein Abschiedswort noch lange keinen Abschiedsblick und keine Kehrtwende zum Gehen ist, blinde Kuh.”

“Es geht los, Daggi!” sagte Martha, die Älteste von den fünf, die Gertrud geboren hatte. “Also bei ihr unterhaken!” gedacht, nichts gesagt aber getan, was sie gedacht hatte und jetzt angesagt war.

Der Weg zu dem Bereich für die anonymen Grabstätten war, wie man so sagt, ein gutes Stück Weg.
“Gehen hilft immer irgendwie!”
Martha unterhielt sich gedämpft mit Leuten, die vor und hinter ihr gingen. Und darum musste sie nicht Daggi sagen. So war es zumindest leicht, den eigenen Gedanken nachzugehen. – “Gehen hilft immer irgendwie!”

“Gertrud war wie Martha die Älteste zu Hause. – Zu Hause in Ostpreußen. – Zu Hause an der Bahnstrecke, wo abends dann irgendwann nicht mehr nur die Güterzüge und Viehtransporte nach Osten rollten. – Zu Hause, wo dann irgendwann auf den Güter- und Viehwagons Menschen nach Osten abgeschoben wurden. Und die Dunkelheit, durch die die Züge führen, verhüllte die Tötungsabsichten und die vollendeten Morde nicht, sodass Gertrud sie später genau erkannte. – Zu Hause, wo dann später mit Menschen überladene Züge nach Westen fuhren. – Zu Hause, von wo sich Gertrud dann ohne den Vater aber mit den Großeltern zu Fuß in den ungewissen Westen aufgemacht hatte. Und die beiden Kleinen, Renate und Oskar, waren auf der Strecke geblieben. –

Gertrud war die Einzige gewesen, die Dagmar zu ihr gesagt hatte. – voller Stolz, weil sie sich in diesem Fall gegen ihren Mann und ihre Schwiegermutter durchgesetzt hatte. Anders war es bei Martha.” Sie hieß wie die Jugendfreundin des Vaters. Martha empfand es als eine Zurücksetzung so zu heißen wie jemand, der im Alter von zweiundzwanzig Jahren tödlich mit dem Auto verunglückt war. Und Martha empfand es mit Mitte vierzig immer noch beleidigend, dass Dagmar, Dagmar, also taghell, hieß.
“Es ist absurd jemanden taghell zu nennen, der im dunkelsten Winter geboren ist, und der nie gesehen hat und nie sehen wird, was taghell ist.”
“Und selbst, wenn das stimmte, gab es keinen triftigen Grund dafür der Namensgeberin und der Trägerin des Namens den Klang wegzunehmen und lebenslänglich mit diesem falschen und verniedlichenden Ton Daggi zu sagen.”

Schließlich erreichten sie den Platz, an dem Gertruds Urne beigesetzt werden sollte.

Der Mandatar wartete bis alle Trauergäste sich in einen Halbkreis um das Urnengrab versammelt hatten. Dabei ließ sich ein Augenblick der Stille und des Stillstands nicht vermeiden. Und wenn Dagmar geistesgegenwärtig genug gewesen wäre und mit dem schönen Händchen, dem Linken, das von Herzen kommt, in die Luft gegriffen hätte, hätte sie wohl ein großes Stück von dem kleinen Glück aufgeschnappt, das die Natur einfachen, bodenständigen Leuten, die das Herz auf dem rechten Platz haben, bereit hält. So blieb ihr nur kurz festzustellen, dass Gertrud ihren Platz für die ewige Ruhe richtig gewählt hatte. Es war ein Ort mit Gras, Blumen und Bäumen. Es gab Plätze in Gertruds Garten, die so waren. Wer nicht heimisch sein darf, muss sich heimisch machen. Dabei gibt es keine heile Welt. Dazu sind diese Plätze zu bescheiden. Und dazu musste man für so einen eigenen Platz zu oft, zu viel und zu hart arbeiten.

Der Trauerredner hielt eine kurze Rede. Dann folgte zumindest das Vaterunser. Das Vaterunser war auch an diesem Tag wie es ist und wie das Gehen. Es hilft immer. In seiner Ungereimtheit war es Gertruds Leben und damit auch ihrem Tod näher als jedes Lied, denn die Worte dieses Gebets sind so gesetzt, dass man sie wie bei jedem Gang rhythmisch so gestalten kann, wie es gerade angemessen ist. Auf die Länge und die rituelle Struktur einer katholischen Messe war verzichtet worden, um falsche Gefühligkeit zu vermeiden. Was immer das auch sein mochte. Und es stimmte, dass Gertrud keine Kirchgängerin gewesen war. Sie war in den Garten gegangen, so lange sie konnte. Und ihren Garten hatte sie mit Kopf, Herz und Hand gepflegt und war damit bodenständig genug, um Herz und Seele nach oben und ganz weit offen zu haben. Und damit gehörte sie im unkonfessionellen Sinn zu den gläubigen Menschen. Und sie hatte gebetet.

Und was konnte auf dieses einfache und dennoch großartige Gebet folgen?

Jeder Trauergast ging zum Urnengrab. In den letzten Tagen war viel und laut über die Beerdigung gesprochen worden. Und weil alle sich bemühten so laut und so schnell als möglich mitzureden, waren viele falsche Worte gefallen. Und sie alle hingen nach dem Vaterunser plötzlich in der Sommerluft. Die Tränen, die auch bei Dagmar, die sie schlucken wollte, reichlich flossen, hatten sie nicht wegspülen können. Jeder ging allein an das Grab, auch wenn sie zu zweit an das Grab herantraten wie Martha und Dagmar.

Plötzlich wurde Dagmar gewahr, dass sie vor einem Korb mit Blütenblättern stand. Und links neben diesem Korb, also an der Herzseite war das Urnengrab. Auf die Blütenblätter und dieses Loch war Dagmar nicht vorbereitet gewesen. Darüber war in all der Zeit, die seit Gertruds Sterben vergangen war, kein Wort verloren worden. Dagmar erinnerte sich daran, dass sie vor fast dreißig Jahren hier auf dem Friedhof aber an ganz anderer Stelle für die Großmutter einen Kranz in ein größeres Grab geworfen hatte. Und Gertrud hatte sich ihr anonymes Grab auch deshalb gewünscht, um nicht neben ihrer Schwiegermutter in das Doppelgrab gelegt zu werden. Es war wohl dieser erfolgreiche Widerstand gegen den Willen der alten Frau und ihres Sohnes gewesen, der vor nicht einmal einer halben Stunde die Worte und Gerüche von früher auf den Plan gerufen hatten. Was waren schon fast dreißig Jahre und maximal 200 m Luftlinie verglichen mit ausgewachsenem Starrsinn und Bosheit.

“Was ist jetzt zu tun? – Hier geht es nicht um das schöne Händchen. – Wie viele Blütenblätter müssen es sein? – Achtundachtzig – Erst immer fünf und zuletzt drei!”! “Mensch, Daggi, was machst du denn da? Du hältst den ganzen Verkehr auf!”

Martha sprach leise, aber der ungeduldige Ton in ihrer Stimme war nur umso lauter zu hören.

“Nicht die Sonne, die Weite bringt es an den Tag!”
“Ich zähle die angemessene Zahl für Gertrud ab!”
“Für Gertrud?”
“Ja, für Gertrud, die mit dem Schwert Vertraute. So hieß sie doch!”
“Aber warum sagst du Gertrud zu ihr, Daggi? Sie war unsere Mutter!”
“Ja! Das war sie auch! Aber das war sie nicht nur!”
“Wie viele von den Blütenblättern meinst du denn zu brauchen?”
“Die fünfundsiebzig für jedes gelebte und erlebte Jahr habe ich schon! Also die Zeit der vielen Arbeit, die Zeiten des Kummers, die Zeiten der Sehnsüchte, die Zeit der Vertreibung, die Zeiten der Krankheiten, die Zeiten der Schwangerschaften, Geburten und Pflege und so sind schon bedacht!” “Und was kommt jetzt noch?”

Diese spitze Frage nahm Dagmar erst abends, als sie in ihrem Bett lag, ganz genau wahr. Was sie aber in Echtzeit spürte, war Marthas wachsende Ungeduld. Sie hätte Dagmar gern stehen gelassen. Aber das traute sie sich nicht. Wenn sich Martha wenigstens mit den anderen Trauergästen hätte verbünden können. Aber sie warteten geduldig in gebührendem Abstand, weil sie Dagmars Tränen bemerkten und fühlten, dass alles seinen angemessenen Lauf für Dagmar und für Gertrud ging.
Und alles ging so gut als möglich.
“Fünfundsiebzig für jedes gelebte und erlebte Jahr, eins als Trostpflaster für jeden Kummer, eins zum Trost für unerfüllte Sehnsüchte, eins für unerfüllte Liebe, eins für jede erlittene Ungerechtigkeit, eins als Lohn für jede Plackerei, eins für jede vergebliche Mühe, eins für jeden erlittenen Schmerz und für jede Krankheit. Und der Dank darf nicht fehlen, eins für jedes gute Wort, eins für die Zuverlässigkeit, eins für jede geübte Nachsicht, eins für die Liebe, die immer von Herzen kam, auch wenn sie immer nur ein praktisches Aussehen hatte, eins für die Mühe um Gerechtigkeit und eins für die Bemühung um Verständnis, was selten gelang aber nie aufhörte.”

Liebe Grüße

Christiane (Paula Grimm bei Texthase Online)
PS: Auch dieser kleine Film hat was mit dem Thema Mutter und meiner Passion für Hände, die in der Geschichte ja auch anklang zu tun:
Handfestes Über Paula Grimm und ihre Literatur

https://www.youtube.com/watch?v=5M9vJuoZDnQ&feature=em-share_video_user.

Tausendundein Prosaik aus der Lesbar und Texterei von Paula Grimm 0002. Sinnvoll schreiben und mit allen Sinnen Literatur genießen jetzt online!

Guten Tag Ihr Lieben,

könnte ich beim Reden genauso gut blau machen, wie es mir beim Schreiben meist möglich ist, wäre es bestimmt einfacher und besser geworden. Aber mir fehlt einfach noch die Routine und Souveränität, was das Podcaster angeht. Darüber hinaus war diesmal wenig Ruhe zu finden. Aber vielleicht inspiriert er Euch doch, der Podcast. Die aktuelle Folge im MP3-Format könnt Ihr unter https://soundcloud.com/user-817675399/0002-sinnvoll-schreiben-und-literatur-mit-allen-sinnen-geniesen hören.

Ich wünsche Euch trotz der holprigen Ausführung viel Vergnügen und gute Unterhaltung dabei!

Liebe Grüße

Paula Grimm bei Texthase Online

Sieben Sachen im Sack! – Über das Kurzprosaprojekt

‚habend zusammen,
für mich passen diese Bullenhitze und die Arbeit nicht wirklich zu sammeln. Aber immerhin bin ich so weit gekommen, dass alle sieben Sachen im Sack, das heißt, in gewünschter Reihenfolge in einer Datei beieinander sind. Doch jetzt müssen noch die letzten Kniffe gemacht werden, damit das Bündel auch zumindest nach ein Bisschen was aussieht. Dazu muss noch das Cover kommen, die Umwandlung in Pub vorgenommen werden und das Verschicken, das Einstellen bei Epubli, ist ja dann auch noch so eine Sache.

Inzwischen habe ich auch eine aktuelle Version von Nisus Writer wieder auf meinem Macbook Air. Das wollte erst nicht funktionieren. Ich mag dieses Programm so gern und lieber als Pages, da man mit diesem Programm viel leichter Inhaltsverzeichnisse erstellen kann. Ich hoffe, es stimmt, was ich gelesen habe, dass Automator eine gute Möglichkeit bietet, Pub-Dateien zu erstellen und sie mit Covern, Audiodateien etc. versehen kann. Vielleicht werde ich dann spätestens am Samstag fertig! 😉

Ich wünsche Euch noch einen sehr angenehmen Donnerstag und kommt gut durch die Hitze!

Liebe Grüße

Christiane (Paula Grimm bei Texthase Online)